Alte koloniale Grenzziehungen sind oft Grund für langanhaltende Streitigkeiten. So auch im Falle von Pakistan und Afghanistan. Die Grenze zwischen beiden Staaten nennt sich Durand-Linie und geht auf die britische Kolonialherrschaft zurück.
Am vergangenen Sonntag soll Pakistan, so zumindest afghanische Quellen, einen Luftangriff gegen Afghanistan durchgeführt haben, bei dem 70 Menschen ums Leben kamen. Damals hatte der afghanische Regierungssprecher Zabihullah Mudschahid geschrieben: „Letzte Nacht bombardierten sie unsere zivilen Landsleute in den Provinzen Nangarhar und Paktika, machten Dutzende zu Märtyrern oder verwundeten sie, darunter auch Frauen und Kinder.“ Ein afghanischer Pressebericht hatte von einem Haus in der Provinz Nangarhar berichtet, in dem 23 Mitglieder einer Familie unter den Trümmern begraben wurden. Auch ein religiöses Seminar soll von der pakistanischen Luftwaffe beschossen worden sein. Pakistan betont, es seien nur „Terroristen“ gewesen, die afghanische Regierung spricht von Zivilisten und drohte mit Vergeltung.
Der Vorwurf Pakistans gegen Afghanistan lautet, die Separatisten in Belutschistan sowie pakistanische Taliban zu unterstützen. Der pakistanische Innenminister verwies auf jüngere Angriffe, darunter ein Selbstmordattentat in einer schiitischen Moschee in Islamabad, bei dem 32 Gläubige umkamen; die Führung der Attentäter sei in Afghanistan zu finden. Unmittelbarer Auslöser der Luftangriffe vom Wochenende war ein Selbstmordattentat mit einem sprengstoffbeladenen Fahrzeug, das in einen Sicherheitsposten im pakistanischen Bezirk Bajaur fuhr und elf Soldaten und ein Kind tötete. Der Täter soll nach offiziellen Angaben ein Afghane gewesen sein.
Die Grenzübergänge zwischen Pakistan und Afghanistan sind bereits länger geschlossen. Nun erklärte die afghanische Regierung, in einer Offensive entlang der Grenze 15 Vorposten des pakistanischen Militärs eingenommen und dabei mehrere pakistanische Soldaten getötet zu haben; es sollen aber auch Gefangene gemacht worden sein. Ein Sprecher des Militärs in Ostafghanistan erklärte, auf afghanischer Seite habe es keine Verluste gegeben. Damit sind die seit Monaten anhaltenden Scharmützel weiter eskaliert.
Besonders kompliziert wird die Lage dadurch, dass auch Indien in diesem Zusammenhang Position bezieht. Das indische Außenministerium hat erklärt, es „verurteilt schärfstens die pakistanischen Luftangriffe auf afghanisches Gebiet, die zivile Opfer forderten, darunter Frauen und Kinder, im heiligen Monat des Ramadan“. Eine erstaunliche Entwicklung angesichts der Tatsache, dass die Ursprünge der jetzt in Afghanistan regierenden Taliban einst afghanische Flüchtlinge in Pakistan waren.
Mehr zum Thema – Afghanistan steht vor dem Risiko, zum Schauplatz eines großen regionalen Krieges zu werden

