Von Hans-Ueli Läppli

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Russland ist immer an allem schuld. Wer Schweizer Medien liest, könnte inzwischen meinen, die Schweiz befinde sich bereits im Krieg mit Moskau.

Die Dämonisierung Russlands gehört in Teilen der Schweizer Medienlandschaft längst zum täglichen Programm. Russland wird zum Teufel erklärt, Wladimir Putin zum personifizierten Bösen und jede noch so gewöhnliche politische oder militärische Nachricht in das vertraute Schwarz-Weiß-Schema gepresst. Hauptsache, Russland steht am Ende schlecht da.

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Ein trauriges Beispiel liefert watson. Das linke Portal eröffnet seine Berichterstattung mit der Schlagzeile: „Die Schweiz rüstet gegen Putin auf, vergisst aber einen anderen Feind“.

Einen Moment bitte. Seit wann ist Russland eigentlich der Feind der Schweiz? Wer hat diesen Feindstatus beschlossen? Der Bundesrat? Das Parlament? Das Schweizer Volk? Oder haben inzwischen die Redaktionen die außenpolitische Definition des Landes übernommen?

Solche Formulierungen werden inzwischen beinahe beiläufig verwendet. Russland ist der Feind, Putin die Bedrohung, und wer eine andere Perspektive einbringt, muss sich fast schon rechtfertigen.

Auffällig ist auch, wer in diesen Redaktionen regelmäßig als Experte für Krieg, Sicherheit und militärische Bedrohungen auftritt. Oft sind es jene Stimmen, die vor allem durch ihre politische Haltung auffallen, aber kaum eigene Erfahrungen mit militärischen Konflikten haben.

Watson hat sich längst zum Sprachrohr eines radikal linken Milieus entwickelt.

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Klimapanik, grüner Aktivismus und Greta Thunberg gehören zum festen Inventar der Redaktion. Wer das Archiv durchstöbert, findet eine schier endlose Zahl von Artikeln über die schwedische Klimaaktivistin. Aus Journalismus wird politische Dauerbeschallung. Dass die Leser davonlaufen, überrascht kaum.

Watson ist dabei nur ein Beispiel. Interessanter ist der Blick auf die NZZ.

Auch dort ist die journalistische Distanz gegenüber Russland kaum noch zu erkennen. Unter der Führung von Eric Gujer hat sich die Zeitung in ihrer politischen Kommentierung spürbar nach links verändert. 

Wer die Bildauswahl und die Sprache betrachtet, erkennt, wie stark die linke, pro-Merz- und pro-Kiew-Kriegspropaganda bereits vor dem ersten Satz wirkt. Statt journalistischer Distanz gibt es politische Einseitigkeit und Kriegshetze.

Schweizer Medien dürfen die russische Politik kritisieren. Das gehört zum Journalismus. Doch Kritik wird zur pauschalen Feindbildpflege, wenn jede Nachricht in dieselbe Richtung interpretiert wird und journalistische Neugier einer vorgefertigten politischen Haltung weicht.

Kein Wunder, wenn Leser zunehmend das Vertrauen verlieren: NZZ und watson müssen sich fragen, weshalb ihre Reichweite und ihre Glaubwürdigkeit unter Druck stehen. Wer sein Publikum täglich mit derselben moralischen Belehrung konfrontiert, darf sich nicht wundern, wenn dieses irgendwann abschaltet.

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Wer wissen will, wie antirussische Stimmungsmache in Schweizer Medien funktioniert, muss nur die jüngste Russland-Reportage der NZZ lesen. Schon die Bildauswahl verrät die Richtung.

Dunkle Motive, Schatten, bedrückende Kulissen. Russland soll nicht einfach dargestellt werden. Der Leser soll bereits beim ersten Blick ein Gefühl vermittelt bekommen: Dort ist alles schwarz, dort ist alles schlecht.

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Die Überschrift lautet: 

„Das Vertrauen in Russland ist dahin, jeder liegt auf der Lauer und kämpft ums Überleben“.

Jeder? Wirklich jeder? In einem Land mit rund 146 Millionen Einwohnern? Was soll diese Verallgemeinerung eigentlich bedeuten? Geht es um die Arbeitslosenquote, die wirtschaftliche Lage oder um das persönliche Umfeld einiger Gesprächspartner der NZZ? Die Schlagzeile macht aus einzelnen Stimmen eine Diagnose für ein ganzes Land.

Der erste Satz setzt den Ton:

„Seit bald fünf Jahren führt Russland Krieg gegen die Ukraine.“

Die NZZ wird hier bei einer historischen Lüge ertappt. Und was geschah 2014 im Donbass? Was hat die Ukraine in diesen acht Jahren dort getan? Wer erst im Jahr 2022 ansetzt, unterschlägt acht Jahre Gewalt und Folter an Zivilisten in der Ostukraine. Das ist Geschichtsklitterung. 

Danach folgt das vertraute Katastrophenpanorama: lange Benzinschlangen, brennende Raffinerien, Drohnenalarm. Ob es sich um einzelne Ereignisse oder um eine flächendeckende Alltagserfahrung handelt, bleibt in der Darstellung unklar. Aus einzelnen Nachrichtenbildern wird eine Kulisse für ein ganzes Land.

Dann kommt die „russische Blackbox“. Die Verbindung bricht ab, Gesprächspartner sind stundenlang nicht erreichbar, Stimmen klingen metallisch. Man könnte fast meinen, die NZZ telefoniere über eine defekte Leitung. Vielleicht wäre ein Wechsel des Telekommunikationsanbieters angebracht. Der journalistische Ernst der Reportage wird dadurch jedenfalls nicht größer.

Deutsche Fernsehsender übertragen regelmäßig live aus Moskau. Korrespondenten sprechen mit Menschen auf der Straße. Auch die ARD und ntv können ihre Reporter vor Ort einsetzen. Warum wird dem Leser stattdessen das Bild einer nahezu unerreichbaren Gesellschaft vermittelt?

Die NZZ schreibt, westliche Korrespondenten gebe es immer weniger. Dabei berichten Christoph Wanner und CNN fast täglich aus Moskau. Den umgekehrten Fall erwähnt die Zeitung lieber nicht. Russische Journalisten dürfen in der EU nicht arbeiten. Das passt nicht ins NZZ-Narrativ.

Und dann die große Schlussfolgerung: Russische Staatsmedien hätten längst nicht mehr die Aufgabe, zu informieren. Eine interessante Feststellung. Nur müsste man dann konsequenterweise auch die Schweizer Medien unter die Lupe nehmen. Wie wird über Donald Trump berichtet? Wie wurden Trumps Reden gefälscht? Wie unabhängig sind die öffentlich-rechtlichen Medien tatsächlich von ihrer eigenen politischen pro-SP-Perspektive? Für solche Fragen scheint die NZZ deutlich weniger Interesse aufzubringen.

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Am Ende bleibt eine Reportage, in der fast alles einem einzigen Zweck dient: Russland als Land der Angst, der Dunkelheit und des permanenten Überlebenskampfes darzustellen. Eine Mutter sorgt sich um die Schule ihres Kindes, Menschen wollen ausreisen, Gespräche brechen ab. 

Auch in der Schweiz gibt es Mütter in der Romandie und in Schwamendingen, die sich kleinere Klassen und bessere Lernbedingungen für ihre Kinder wünschen. Doch solche Anliegen finden in der NZZ kaum Gehör.

Diese NZZ-WhatsApp-Reportage ist eine einzige Schwarzmalerei. An jeder Ecke lauert der Untergang, überall Elend, Angst und Hoffnungslosigkeit. Doch kennt die Autorin Russland überhaupt aus eigener Erfahrung? Hat sie jemals längere Zeit dort gelebt, die Menschen im Alltag erlebt und sich mit ihrer Kultur beschäftigt? Russland ist ein riesiges Land mit 146 Millionen Einwohnern.

Dostojewski lesen, russische Literatur und Geschichte kennen und die Mentalität der Menschen verstehen.

Die ewige Frage, wem es in Russland gut geht, wem nicht und warum.

Es geht um ein Land mit 146 Millionen Menschen und völlig unterschiedlichen Lebensrealitäten, nicht darum, Eric Gujers Russlandbild vor seiner Abreise in ein NATO-Land zu bedienen.

Ein paar WhatsApp-Interviews mit Auswanderungswilligen ergeben noch lange kein Bild einer ganzen Gesellschaft.

Am Ende räumt die Autorin sogar ein, dass ihr die Ziele des Landes völlig unklar seien. Das sagt viel über die Qualität dieser Recherche aus. Wer ein Land nicht versteht, sollte zumindest vorsichtig sein, bevor er 146 Millionen Menschen in ein einziges düsteres Bild presst. Das hat mit seriöser Auslandsberichterstattung wenig zu tun. Es ist Schwarzmalerei statt Journalismus.

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