Mit der Wahl des iranischen Volkes als diesjährigem Preisträger will die liberal ausgerichtete Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) die oppositionellen Bestrebungen in Iran unterstützen. In den Worten der Stiftung geht der diesjährige Freiheitspreis „an die mutigen Menschen in Iran, die für Freiheit, Bürgerrechte und Demokratie kämpfen“.
Steffen Saebisch, der Vorstandsvorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, erklärte: „Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit verleiht den Freiheitspreis bewusst dem iranischen Volk und nicht einer Einzelperson. Wir wollen damit den Freiheitsdrang der Hunderttausenden würdigen, die ihr Leben riskiert haben, um das verbrecherische Mullah-Regime zu stürzen.“
Als Datum für die Preisverleihung an die um einen Umsturz Bemühten in Iran wurde der 7. November angesetzt, als Ort die symbolträchtige Paulskirche in Frankfurt am Main. Als geeignete Symbolfigur machte die Stiftung Reza Pahlavi aus, den im US-amerikanischen Exil lebenden Sohn des 1979 vertriebenen Schahs von Persien. Der Pahlavi-Thronprätendent arbeitet gezielt auf einen Sturz der theokratischen Regierung in Iran hin, besteht aber nach eigenen Angaben nicht auf einer Wiedererrichtung der Monarchie.
Der Freiheitspreis 2026 gehört dem iranischen Volk! Seinem Mut. Seinem ungebrochenen Freiheitswillen.
Den Menschen, die trotz Lebensgefahr protestieren. Die für ihren Einsatz für Freiheit in Haft sitzen oder mit ihrem Leben bezahlt haben. Die im Exil ihre Stimme für einen freien #Iran erheben.
Ihnen haben wir heute in der Frankfurter Paulskirche den #Freiheitspreis2026 verliehen.
@PahlaviReza nahm den Preis treuhänderisch entgegen, bis frei gewählte Vertreter des iranischen Volkes ihn entgegennehmen können.
Danke an alle in der #Paulskirche, an die Tausenden Menschen davor und rundherum und an alle im Livestream. Eure Stimmen und eure Solidarität haben diesen Tag zu einem bewegenden Zeichen für die Freiheit gemacht.
Wir sehen euren Mut. Wir hören eure Stimmen. Wir stehen an eurer Seite.
@starkwatzinger @DjirSarai @StSaebisch @florian_rentsch
— Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (@FNFreiheit) November 7, 2026
Reza Pahlavi soll, so das Ansinnen der FNF, „die Auszeichnung treuhänderisch im Namen des Volkes“ entgegennehmen, „bis sie den frei gewählten Vertretern des Iran überreicht werden kann“. Bei seinen medial und bei Demonstrationen in europäischen Städten sehr präsenten Anhängern sorgte die Ehrung Pahlavis durch die FDP-nahe Organisation für Jubel. Sie wurden auch heute in Frankfurt zu Zehntausenden bei einer Kundgebung erwartet.
Doch nicht alle Beobachter sind der gleichen Meinung wie die FNF, dass Pahlavi derzeit die wichtigste politische Identifikationsfigur für die Mehrheit der Iraner darstelle. Selbst in iranischen Oppositionskreisen nehmen ihm viele übel, dass der Schah-Sohn den US-amerikanisch-israelischen Krieg gegen sein Heimatland unterstützt hat. Wieder andere befürchten eine Restauration der Monarchie. Und auch Vertreter ethnischer Minderheiten wie die Kurden lehnen eine Preisverleihung an Pahlavi ab und verweisen auf die unter Schah Mohammed Reza Pahlavi begangenen Verbrechen. Deshalb wurden auch Gegendemonstranten erwartet.
Die Kurdische Gemeinde Deutschland protestiert entschieden gegen die Entscheidung der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung, den Freiheitspreis 2026 an das iranische Volk zu verleihen und ihn durch Reza Pahlavi entgegennehmen zu lassen.
Die Preisverleihung soll am Samstag, dem 7. November 2026, um 11:00 Uhr in der Frankfurter Paulskirche stattfinden. Die Laudatio hält Bijan Djir-Sarai, außenpolitischer Sprecher der FDP.
Reza Pahlavi ist der Sohn des letzten Schahs von Iran, unter dessen Diktatur Kurdinnen und Kurden sowie andere Völker systematisch unterdrückt wurden. Die Pahlavi-Dynastie steht auch für die blutige Niederschlagung der kurdischen Freiheitsbewegung und die Hinrichtung von Qazî Mihemed 1947.
Wer hat Reza Pahlavi legitimiert, stellvertretend für die Völker Irans einen Freiheitspreis entgegenzunehmen?
Einen solchen Preis verdienen die mutigen Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens für Demokratie, Freiheit und Selbstbestimmung kämpfen – insbesondere die Frauen der Bewegung „Jin, Jiyan, Azadî“, deren Symbol die junge Kurdin Jina Amini wurde.
Die Frankfurter Paulskirche ist ein Symbol der Demokratie und Freiheit. Sie darf nicht zur Bühne für die politische Aufwertung einer umstrittenen Vertreterfigur der ehemaligen Schah-Dynastie werden!
Freiheit für Iran bedeutet auch Freiheit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung für die Kurdinnen und Kurden und alle anderen Völker Irans!
#KGD #RezaPahlavi #Freiheitspreis2026 #Iran #Rojhilat #Kurdistan #JinJiyanAzadî #Menschenrechte #Frankfurt #Paulskirche
— Kurdische Gemeinde Deutschland ☀ (@KGDOnline) November 3, 2026
Auch in der deutschen Politik sorgte die Preisübergabe an den persischen Prinzen für Unruhe. Während Frankfurts Wirtschaftsdezernent Nils Kößler (CDU) in der Paulskirche zugegen war, blieb Informationen des Deutschlandfunks zufolge die Kulturdezernentin der Mainmetropole, die Sozialdemokratin Ina Hartwig, der Veranstaltung fern. Sie soll in Bezug auf die Wahl Pahlavis als Symbolfigur für das iranische Volk von einer „unglücklichen Entscheidung“ gesprochen haben. Auch die Fraktion der Linkspartei im Frankfurter Stadtrat kritisierte, Reza Pahlavi habe sich nie von den Verbrechen der gestürzten Monarchie distanziert.
Anfang Oktober war sogar ein offener Brief von 71 namhaften BRD-Persönlichkeiten erschienen, in dem die FNF darum gebeten wurde, ihre Entscheidung zu überdenken. Reza Pahlavi ist der Ansicht der Unterzeichner zufolge nicht geeignet, als Treuhänder für das iranische Volk zu fungieren. Zu den Unterzeichnern gehörten die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), der frühere Präsident des UN-Menschenrechtsrates Joachim Rücker, der Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) und die evangelische Theologin Margot Käßmann.
Die FNF focht das nicht an. Sie hielt an Pahlavi als Empfänger des Freiheitspreises fest. Dieser wiederum warf Kritikern vor, Propaganda-Narrative der Gegenseite zu verbreiten. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch anlässlich des Brüssel-Besuchs des selbsternannten iranischen Oppositionsführers.
Aus Teheran ist bisher von offizieller Seite nichts zur Preisverleihung zu vernehmen. Man verzichtete offenbar auf eine Stellungnahme. Lediglich von der den Revolutionsgarden nahestehenden Tasnim News Agency kam eine Meldung. Diese zitiert eine Einschätzung des aus dem Ausland sendenden Kanals Iran International, der zufolge Pahlavi den Rückhalt der deutschen Regierung verloren habe.
Mehr zum Thema ‒ Berlin: Schah-Sohn Reza Pahlavi besucht die Hauptstadt ‒ Kanzleramt lehnt Treffen ab

