Der US-Vizepräsident JD Vance machte am Mittwoch den anhaltenden Iran-Krieg für das schlechte Abschneiden der Republikaner bei den Zwischenwahlen (Midterms) verantwortlich. „Jeder weiß, warum wir verloren haben. Und jede Diskussion darüber, wie es weitergeht, muss dort ansetzen“, schrieb Vance in einem langen Beitrag auf der Online-Plattform X.

Der Vizepräsident hatte zuvor geschrieben:

„Wenn man argumentieren möchte, dass es das wert war – dass es wert war, den Senat für sechs Jahre zu verlieren –, dann soll man das tun.“

Zuvor hatte Präsident Trump den Iran-Krieg teilweise für die deutlichen Wahlniederlagen der republikanischen Kandidaten verantwortlich gemacht. Zugleich zeigte er sich unbeirrt und erklärte, er hätte den Krieg wieder begonnen: Vor Journalisten im Ballsaal des Weißen Hauses, der derzeit umgebaut wird, räumte Trump ein, dass ihm bewusst gewesen sei, dass der Krieg Auswirkungen auf das Wahlverhalten haben würde.

„Aber unabhängig davon, ob er sich auf die Wahl ausgewirkt hat oder nicht: Iran darf keine Atomwaffen besitzen, und er wird niemals Atomwaffen besitzen.“

Trump wurde wenig später auf die Analyse von Vance angesprochen und sagte: „Ich denke, das stimmt größtenteils.“ Zugleich bekräftigte er: „Was diesen Krieg betrifft, hätte ich nichts anders gemacht“ – da es darum gegangen sei, dass Iran keine Atomwaffe haben dürfe. Damit führten Trump und Vance eine Art Ferndiskussion.

Regierungsvertreter bemühten sich unterdessen rasch, die Verantwortung für das verheerende Abschneiden der Republikaner von sich zu weisen. Keine der beiden großen Parteien hatte in den vergangenen 50 Jahren bei einer Zwischenwahl ein derart schlechtes Ergebnis erzielt. Die Ergebnisse gelten weithin als Urteil der Wähler über Trumps Präsidentschaft.

Seit Beginn des Krieges Ende Februar sind die Benzin- und Dieselpreise in den USA und weltweit stark gestiegen. Dies verstärkte den Unmut vieler Wähler, nachdem Trump im Wahlkampf 2024 versprochen hatte, Auslandskriege zu beenden und die Lebenshaltungskosten zu senken.

Vance, der seit langem ein Kritiker amerikanischer Militäreinsätze im Ausland ist, versucht angesichts des äußerst unpopulären Krieges öffentlich auf Distanz zu gehen. Hintergrund könnte auch eine mögliche Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2028 sein. Bereits zu Beginn des Krieges war berichtet worden, dass Vance einem US-amerikanischen Angriff auf Teheran skeptisch gegenüberstand und sich dagegen ausgesprochen hatte, während Trump noch über einen solchen Schritt beriet.

Zwar verteidigte Vance die Operation „Epic Fury“ nach Kriegsbeginn öffentlich. In den vergangenen Monaten bemühte er sich jedoch, das Thema weitgehend zu meiden.

In seinem Beitrag auf X vom Dienstag betonte der US-Vizepräsident, dass die Republikaner trotz ihrer deutlichen Verluste vor der Wahl durchaus optimistisch gewesen seien. Interne Analysen hätten gezeigt, dass die Wahlbeteiligung in einigen Bundesstaaten durchaus respektabel, in anderen sogar außergewöhnlich hoch gewesen sei.

Das Hauptproblem sei jedoch nicht die Wahlbeteiligung gewesen. Vielmehr hätten zahlreiche Menschen, die 2024 für Trump und Vance gestimmt hatten, 2026 den Demokraten ihre Stimme gegeben. Als Gründe nannte Vance den Unmut über den Iran-Krieg, die hohen Lebenshaltungskosten und die Inflation, die mangelnde Konzentration auf eine Politik nach dem Prinzip „America First“ sowie das derzeitige Verhältnis der USA zu Israel.

Nach einer Prognose von Decision Desk HQ (DDHQ) verloren die Republikaner mindestens sieben Sitze im Senat. Zwei Senatswahlen in Mississippi und Alaska waren am Mittwochmorgen noch nicht entschieden. Im Repräsentantenhaus verloren die Republikaner laut DDHQ zudem 30 Sitze. Bei mehr als 20 Wahlkreisen stand das Ergebnis noch aus.

„Es wird viele interne Auseinandersetzungen und Diskussionen darüber geben, was passiert ist und warum“, räumte Vance ein. Einer der Meinungsforscher, dessen Einschätzung er besonders schätze, habe ihm gesagt, dass die wirtschaftspolitische Kommunikation der Republikaner in der Schlussphase des Wahlkampfs nicht prägnant genug gewesen sei. „Ich bin sicher, dass das stimmt“, fügte er hinzu.

Der Sprecher des iranischen Parlaments reagierte später auf Vances Beitrag mit scharfer Kritik:

„Das ist die Haltung eines Verlierers, der beim Glücksspiel nicht aufhören kann und immer weiter am Tisch sitzen bleibt. Während der Chef bereits die nächste Phase des Krieges vorbereitet, steht Amerika am Abgrund einer ‚Israel First‘-Politik. Spar dir den langen Vortrag. Warum sagst du das nicht deinem Chef ins Gesicht?“

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