Deutsche Staatsbürger haben häufiger als Angehörige anderer EU-Länder Anträge auf Gewährung von vorübergehendem Asyl in Russland gestellt. Das berichtet TASS mit Verweis auf die Daten des russischen Innenministeriums, die der Agentur vorliegen.

So gingen von Januar bis September dieses Jahres von 49 deutschen Staatsbürgern Anträge auf Gewährung von vorübergehendem Asyl in Russland ein. Dies ist die höchste Zahl unter den Ausländern aus EU-Ländern. An zweiter und dritter Stelle stehen Staatsangehörige Lettlands und Litauens mit 36 beziehungsweise zwölf Antragstellern.

Unter den Ausländern aus EU-Ländern befinden sich außerdem Staatsangehörige Italiens und Estlands (jeweils sieben Personen), Frankreichs (6), Bulgariens und Tschechiens (jeweils 4), Griechenlands (3) sowie Polens (3). Vereinzelte Anträge gingen auch von Staatsangehörigen Ungarns, Dänemarks, Spaniens, der Niederlande und der Slowakei ein. Insgesamt haben in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres 136 Staatsangehörige aus EU-Ländern solche Anträge in Russland gestellt. Mehr als 60 Prozent davon entfielen auf Staatsangehörige Deutschlands und Lettlands.

Deutsche Staatsangehörige nehmen diese Spitzenposition nicht erst seit diesem Jahr ein. So gingen im Jahr 2025 Asylanträge von 93 deutschen Staatsangehörigen ein, im Jahr 2024 von 116 und im Jahr 2023 von 111. Damit lag Deutschland in diesen Jahren jeweils vor den anderen EU-Ländern. Insgesamt haben in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres 3.802 Ausländer Asylanträge gestellt.

Gründe für Asylanträge aus dem NATO- und EU-Raum liegen oft in politischen Spannungen und der Angst vor Verfolgung oder Benachteiligung im Beruf wegen prorussischer Ansichten. So erhielt RT-Kolumnistin Dagmar Henn im April 2024 vorübergehendes politisches Asyl in Russland. Die aus München stammende Journalistin wird in Deutschland wegen ihrer Texte und ihrer Überzeugungen strafrechtlich verfolgt. Inzwischen ist Henn russische Staatsbürgerin – Präsident Wladimir Putin hat den entsprechenden Erlass am 16. Oktober unterzeichnet.

In den baltischen Staaten sind die Diskriminierung der Russen und der russischen Kultur sowie Repressionen wegen Kritik daran oft Gründe für die Flucht und die Beantragung von Asyl. Auch die Ablehnung der sogenannten westlichen Werte könnte zur Beantragung von Asyl führen. Aus diesem Grund erhielt die Familie des Kanadiers Arend Feenstra im Jahr 2024 Asyl in Russland. Er und seine Frau ziehen in der Region Nischni Nowgorod acht Kinder groß.

Asyl in Russland gewährt einer Person das Recht auf einen legalen Aufenthalt im Land. Außerdem darf sie ohne Genehmigung arbeiten und medizinische Leistungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen. Darüber hinaus können Personen, denen in der Russischen Föderation vorübergehendes Asyl gewährt wurde, Dokumente für die Aus- und Einreise sowie Zugang zu Bildung und finanzielle Unterstützung beantragen. Dies ist der erste Schritt zum Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung und der russischen Staatsbürgerschaft.

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