Wie die Zeitung Iswestija unter Berufung auf die Pressestelle des Handelshafens von Murmansk berichtet, hat dieser soeben zum ersten Mal einen Zug mit Getreide für den Weitertransport auf ausländische Märkte empfangen. In einer zu diesem Anlass veröffentlichten Mitteilung der Pressestelle des Hafens heißt es:
„Der Handelshafen von Murmansk hat den ersten Zug mit Getreide – 47 Waggons, 3.400 Tonnen Getreide – aus den wichtigsten Agrarregionen Russlands empfangen. Dies ist die erste Erfahrung des Hafens mit einer solchen Ladung. Angesichts der Einschränkungen auf den traditionellen Exportrouten eröffnet der Hafen von Murmansk den russischen Landwirten zügig einen alternativen Zugang zu den ausländischen Märkten.“
Die Pressestelle betonte, dass die vielseitige Infrastruktur des Hafens es ermögliche, neue Frachtarten zügig zu erschließen und das Transportvolumen je nach den Bedürfnissen der Exporteure zu steigern. Für die Annahme der Ladung im Hafen wurde die erforderliche Ausrüstung im Voraus vorbereitet und ein Verfahren zum Entladen spezieller Eisenbahnwaggons – sogenannter Hopper – entwickelt, wie Iswestija weiter berichtet. Das Getreide wird über einen Sammelbunker und ein System mobiler Förderbänder direkt auf das Schiff befördert.
Angesichts der fast kritischen Lage, die sich aufgrund der Drohnenangriffe auf die südlichen Häfen ergeben hat, könnte die Inbetriebnahme der Kapazitäten des Hafens von Murmansk einen Durchbruch bedeuten. Denn seit Juli des Jahres 2026 ist die geopolitische Lage in den Gewässern des Schwarzen und des Asowschen Meeres zu einem entscheidenden destabilisierenden Faktor für den russischen Getreideexport geworden, schreibt die Fachnachrichtenagentur Serno Online. Eine Reihe von Drohnenangriffen auf die Hafeninfrastruktur in Noworossijsk, Taman und anderen Orten hat zu einem teilweisen oder vollständigen Stillstand der größten Exportterminals geführt.
Dabei ist die Exportlogistik für Getreide aus dem Süden Russlands historisch gesehen auf das Asow-Schwarzmeer-Becken ausgerichtet – und der Ausfall dieses logistischen Glieds hat bereits zu einem beispiellosen Druck auf die Logistik und die Landwirtschaft geführt.
So könnte Russland in diesem Jahr etwa 140 Millionen Tonnen Getreide ernten, doch ein Teil der Felder bleibt unter anderem aufgrund von Schwierigkeiten bei der Lagerung der Ernte nicht abgeerntet, wie Experten anmerken. Die Getreidespeicher und Lagerhäuser sind seit dem letzten Jahr noch nicht vollständig geräumt worden, während die Ernte 2026 recht hoch ausfiel. Die Probleme beim Getreideexport über die südlichen Häfen werden auch durch Branchenangaben bestätigt. Das Landwirtschaftsministerium teilte Anfang Oktober mit, dass der Export in der Saison 2026/27 durch die logistische Situation im Asow-Schwarzmeer-Becken erschwert wird, über das zuvor bis zu 80 Prozent der Lieferungen abgewickelt wurden. Als Alternative werden Häfen an der Ostsee und im Fernen Osten sowie Landtransportwege genutzt. Das Institut für Agrarmarktkonjunktur hatte zuvor gewarnt, dass Russland aufgrund der logistischen Einschränkungen im Asow-Schwarzmeer-Becken im laufenden Agrarjahr bis zu 14–15 Millionen Tonnen Weizen weniger auf die Außenmärkte exportieren könnte.
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