Die Schweiz erwägt Tempo 80 auf Autobahnen, um Treibstoff zu sparen. Der Bund hat eine entsprechende Vorlage innerhalb der Verwaltung zur Stellungnahme vorgelegt. Hintergrund ist die angespannte Versorgung mit Diesel und Flugtreibstoff infolge internationaler Lieferprobleme.

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung prüft die Temporeduktion als mögliche Maßnahme gegen eine schwere Treibstoffmangellage. Bislang gilt auf Schweizer Autobahnen eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern.

Die Versorgungslage hat bereits konkrete Folgen. Der Bund erlaubt bis zum 22. November 2026 die Entnahme von bis zu 45.000 Kubikmetern Diesel aus den Pflichtlagern. Auch Reserven für Flugtreibstoff wurden freigegeben.

Zu den Belastungsfaktoren zählen der Krieg zwischen den USA und Iran, Lieferverzögerungen nach Unwettern in Frankreich und der niedrige Wasserstand des Rheins. Dieser erschwert den Transport von Mineralölprodukten auf dem Wasserweg.

Eine niedrigere Geschwindigkeit kann den Verbrauch deutlich senken, weil der Luftwiderstand mit zunehmendem Tempo stark steigt. Wie groß die Einsparungen durch Tempo 80 auf Schweizer Autobahnen wären, hängt vom Fahrzeug und den Fahrbedingungen ab.

Nach einer Berechnung könnte ein modernes Dieselfahrzeug bei konstant 120 Stundenkilometern rund 6,2 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Bei 80 Stundenkilometern wären es etwa 3,6 Liter. Das entspräche unter diesen Bedingungen einer Einsparung von rund 40 Prozent.

Für Autofahrer hätte die Temporeduktion spürbare Folgen. Wer 300 Kilometer bei konstant 120 Stundenkilometern zurücklegt, benötigt rechnerisch zweieinhalb Stunden. Bei 80 Stundenkilometern steigt die Fahrzeit auf drei Stunden und 45 Minuten. Das sind 75 Minuten mehr.

Die möglichen Einschränkungen stoßen auf politischen Widerstand. SVP-Nationalrat Thomas Knutti fordert statt einer Temporeduktion eine vorübergehende Aussetzung der Mineralölsteuer. Der Bund müsse nachweisen, wie viel Treibstoff sich mit Tempo 80 tatsächlich einsparen lasse.

Der Automobil-Club der Schweiz ACS steht der Maßnahme ebenfalls skeptisch gegenüber. Bei einer schweren Mangellage würde der Verband eine zeitlich begrenzte Temporeduktion allerdings nicht bekämpfen. Voraussetzung sei eine tatsächliche Gefährdung der Versorgung und ein nachweisbarer Nutzen.

Die Grünen unterstützen dagegen eine rasche Senkung des Tempos. Parteipräsidentin Lisa Mazzone sieht darin eine Möglichkeit, den Verbrauch kurzfristig zu reduzieren und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern.

Rückkehr zur Ölkrise der 1970er-Jahre?

Die Schweiz hat solche Einschränkungen bereits erlebt. Während der Erdölkrise im Jahr 1973 führte der Bundesrat autofreie Sonntage ein und senkte die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen zeitweise auf 100 Stundenkilometer.

Heute steht der Bund erneut vor der Frage, wie sich der Treibstoffverbrauch bei einer schweren Mangellage rasch senken lässt. Neben einem tieferen Tempolimit kommen Fahrgemeinschaften, weniger vermeidbare Autofahrten und die stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel infrage.

Autofahrer können auf Schweizer Autobahnen vorerst weiterhin mit bis zu 120 Stundenkilometern unterwegs sein. Sollte der Bundesrat Tempo 80 anordnen, müssten sich Reisende auf längere Fahrzeiten einstellen. Die Maßnahme soll helfen, Treibstoff zu sparen und die vorhandenen Reserven länger zu sichern.

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