Fast 50 Millionen Menschen in Europa haben nach Angaben von EU-Energie- und Wohnungsbaukommissar Dan Jørgensen bereits in einem gewöhnlichen Winter Schwierigkeiten, ihre Heizkosten zu bezahlen. Im Interview mit dem ungarischen Nachrichtenportal 444.hu warnte er vor weiteren Belastungen für Haushalte und Unternehmen.

„In Europa haben in einem normalen Winter fast 50 Millionen Menschen Schwierigkeiten, ihre Heizrechnungen zu bezahlen. Wer sich das Heizen nicht leisten kann, muss sich faktisch zwischen Hungern und Frieren entscheiden. Das ist nicht hinnehmbar“, sagte Jørgensen.

Der bevorstehende Winter könnte für europäische Bürger und Unternehmen schwierig werden. Als Gründe nannte der Kommissar Europas Abhängigkeit von Energieimporten und die Unsicherheit auf den Weltmärkten. Diese Faktoren machten Europa verwundbar.

„Wir wissen nicht, wie kalt es wird. Aber wir wissen, dass wir mehr Brennstoff benötigen werden. Und die Knappheit auf dem Weltmarkt treibt die Preise nach oben“, erklärte Jørgensen.

Die Europäische Kommission arbeite daran, die Energiekosten zu senken. Viele der notwendigen Veränderungen würden jedoch Jahre dauern, räumte er ein. Dazu zählten die stärkere Elektrifizierung der europäischen Wirtschaft, der Ausbau erneuerbarer Energien und der Kernenergie sowie die Erweiterung der Stromnetze.

Die Schwierigkeiten bei der Bezahlung von Energie würden durch die Wohnungsnot zusätzlich verschärft. Jørgensen bezeichnete die Lage auf dem Wohnungsmarkt als „Notstand“. Die Politik – einschließlich seiner selbst – habe das Problem in den vergangenen Jahren möglicherweise nicht ernst genug genommen.

„Wir prüfen derzeit auch, was sich gegen die Probleme durch Kurzzeitvermietungen unternehmen lässt. Vielerorts treiben sie die Preise nach oben und verdrängen die Bewohner aus ihren Stadtvierteln“, sagte er.


Die EU habe ihre Beihilfevorschriften bereits geändert, damit die Mitgliedstaaten bezahlbaren Wohnraum und dessen Bau leichter fördern könnten.
Eine Rückkehr zu russischen Gaslieferungen lehnte Jørgensen auch für den Fall eines Friedensschlusses in der Ukraine ab. Das für 2027 vorgesehene Importverbot werde auch dann bestehen bleiben. Eine Wiederaufnahme der Käufe wäre aus seiner Sicht ein „Fehler“.

Ende September waren die Gasspeicher der EU nach Daten von Gas Infrastructure Europe zu 71,3 Prozent gefüllt. Das war der niedrigste Stand für diesen Zeitpunkt seit Beginn der Erfassung im Jahr 2011. Analysten des Zentrums für Preisindizes führten die Entwicklung auf den vorangegangenen kalten Winter und ein knappes weltweites Angebot an Flüssigerdgas zurück. Dieses sei durch Störungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus zusätzlich eingeschränkt worden.

Die Europäische Kommission erklärte dagegen am 8. Oktober, das europäische Gassystem könne den Winterbedarf trotz niedriger Speicherstände durch höhere Flüssigerdgasimporte decken. Die europäischen Fernleitungsnetzbetreiber mahnten zugleich, Reserven für mögliche Kälteperioden gegen Ende der Heizsaison vorzuhalten.

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