Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Bank, über die ein Großteil der Förderprogramme des Bundes abgewickelt werden, führt einmal jährlich eine Umfrage bei kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland durch, dieses Jahr zum 24. Mal. Dabei handelt es sich um Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro. Der öffentliche Sektor, Banken und nicht gewinnorientierte Unternehmen sind ausgeschlossen. Die Befragung wurde zwischen dem 16. Februar und dem 10. Juli durchgeführt. Die Antworten von 10.773 Unternehmen flossen in die Auswertung ein.
Diese Befragung gibt einen recht tiefen Einblick in den Zustand der deutschen Wirtschaft, auch, weil tatsächlich über 70 Prozent der Beschäftigten bei solchen, abgekürzt KMU genannten, Unternehmen arbeiten (international ist die Abkürzung SME, small and medium enterprises).
Und das diesjährige Ergebnis ist zwar auf der einen Seite nicht wirklich düster, auf der anderen aber doch ungewöhnlich und deutet an, dass eher Stillstand verwaltet wird und sich viele dieser Betriebe gleichsam einmauern, so etwas wie Optimismus und Aufschwung aber nicht in Sicht ist. Im Gegenteil, an manchen Punkten offenbart sich tiefes Misstrauen.
Die Umsätze haben sich in der Gesamtheit in etwa gehalten – nominal lagen sie um 2,2 Prozent über dem Vorjahr. An diesem Punkt findet sich Stillstand, was mit der andernorts festgehaltenen schlechten Konsumlaune zusammenpasst (die ihrerseits wieder durch Lohnstagnation und Inflation ausgelöst wird). Auch bei der Beschäftigung tut sich wenig – einzig im Dienstleistungssektor gibt es Zuwächse, in der Fertigung Rückgänge, aber in Summe ergibt sich kein großer Einbruch.
Die Verlagerung auf digitale Vertriebswege setzt sich weiter fort. Hier gab es 2025 ein Wachstum von 13 Prozent, was dann, da die Umsätze insgesamt nicht zugenommen haben, einen Rückgang bei den traditionellen Vertriebswegen auslöste.
Gerade die Kleinstunternehmen, die insgesamt etwa 81 Prozent aller Unternehmen stellen, leiden bereits seit sechs Jahren unter Stagnation. Aber auch insgesamt wird keine Besserung erwartet – in der Befragung antworteten jeweils 29 Prozent, ihr Umsatz werde in den kommenden drei Jahren steigen oder sinken; in Summe eine glatte Null.
Die Umsatzrenditen sind allerdings gestiegen. Verluste machten zwölf Prozent, das ist ein durchschnittlicher Wert, und die durchschnittliche Rentabilität lag bei 7,5 Prozent, erstmals wieder auf dem Niveau vor Corona. Dabei ist sie quer durch die Größenklassen und die Branchen gestiegen. Nur bei den kleinen Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten ging dieser Wert im Vergleich zu 2024 etwas zurück, langfristig ist aber dennoch eine deutliche Steigerung zu sehen (2005 lag der Wert bei 9,9 Prozent, aktuell liegt er bei 12,2).
Was aber verblüfft, ist die konstant steigende Eigenkapitalquote, die inzwischen 30,7 Prozent beträgt (2002 waren es noch 18,4). Ausnahme sind hier wieder die kleinen Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten; dort fiel die Quote auf 18,3 Prozent. Unter den Branchen ist es das sonstige verarbeitende Gewerbe, das mit 42,6 Prozent die Spitze hält. Dabei ist quer durch die Größenklassen der Anteil der Unternehmen mit geringem Eigenkapital gesunken und jener mit hohem Eigenkapital gestiegen.
Die entscheidende Frage ist aber, warum das geschah. Und hier finden sich zwei Punkte, die zusammen den Effekt von Einmauern und Überwintern auslösen. Der erste: Es wird wenig investiert; am meisten noch in den forschungs- und entwicklungsintensiven Teilen des Verarbeitenden Gewerbes, wo 53 Prozent der Unternehmen investieren. Allgemein investieren die größeren Unternehmen deutlich mehr als die kleineren. Allerdings – der Median dieser Investitionen liegt gerade mal bei 15.000 Euro, der Durchschnitt bei 56.000 Euro. Der Anteil des Mittelstands an allen Unternehmensinvestitionen ist auf 45 Prozent gefallen. Preisbereinigt ist inzwischen das gesamte Investitionsvolumen das dritte Jahr in Folge gefallen, dabei wird außerdem noch deutlich häufiger in gebrauchte Güter investiert. In Summe werden ganze 5,4 Prozent des Jahresumsatzes investiert.
Der Grund sind jedoch nicht die Banken. Nur 55 Prozent der Unternehmen haben ihre geplanten Investitionsvorhaben in diesem Jahr bisher auch ausgeführt, 33 Prozent haben sie vermindert oder verschoben und elf Prozent völlig aufgegeben – aber nur in zehn Prozent der Fälle, in denen Investitionskredite nachgefragt wurden, verweigerte sie die Bank. Sie werden wenig nachgefragt, was sich unter anderem in der hohen Eigenkapitalquote zeigt. Gefragt, warum sie keine Kreditfinanzierung wollen, antworteten 63 Prozent, sie wollten Schulden vermeiden, und 50 Prozent, sie wollten grundsätzlich keine Fremdfinanzierung. Beide Werte sind in den letzten Jahren massiv angestiegen; 2017 hatten erst 15 Prozent jede Fremdfinanzierung abgelehnt, und 40 Prozent wollten Schulden vermeiden.
An der Spitze der benannten Investitionshemmnisse lagen die Preise für Energie, Material und Löhne, die 33 Prozent als „sehr hemmend“ und weitere 30 Prozent als „eher hemmend“ benannten. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung brachte es auf 20 Prozent „sehr hemmend“ und weitere 41 Prozent „eher hemmend“. Als Nächstes kamen dann die gesetzlichen Vorgaben, also Inflation, Wirtschaftslage und Bürokratie. Diese wurden zu 27 Prozent als „sehr hemmend“ und zu 31 Prozent „eher hemmend“ bewertet. Zusammen mit einem ausgeprägten Misstrauen gegenüber den Banken, wie es sich aus den Werten für „keine Fremdfinanzierung“ ablesen lässt.
Dass nur neun Prozent die Liquiditätssituation des eigenen Unternehmens als sehr und weitere 30 Prozent als eher hemmend für Investitionen bezeichnen, bestätigt das. Auch die Umsatzentwicklung wirkt sich im Vergleich weit weniger aus. Es ist nicht der Mangel an Geld, der Investitionen blockiert, es ist der Verdacht, sie könnten sich nicht lohnen.
Die Wirkung dieser Haltung kann man kaum unterschätzen. Nicht nur, weil eine niedrige Investitionsquote eine schwache Nachfrage noch weiter schwächt, sondern auch, weil sich die wirtschaftliche Stimmung sehr weit verbreitet – dank der über 70 Prozent der Beschäftigten, die sie täglich erleben. Da kann Bundeskanzler Friedrich Merz noch so sehr versuchen, einen Aufschwung herbeizureden. Große Teile des deutschen Wirtschaftslebens streben aktuell nur noch danach, zu überwintern.
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