Total-Privatisierungen lassen atlantische Herzen der kollektiven Mitläufer in U.S.-Protektoraten stets höher schlagen. Nur eines hat man übersehen: Die Rechnung wurde ohne transnationale Monopol-Oligarchen gemacht!

Ryan Perkins: „Akademische Netzwerke haben gewissen Weltanschauungen Normalität zu verschaffen!“ – Teil 2b

Akademische Inkubationsprozesse zur legalistischen Vereinnahmung radikaler Energien

Nachdem das Modell der privaten Stiftungen etabliert worden war, bestand die nächste Phase darin, diese Methode systematisch in der akademischen Welt mit dem ausgewiesenen konkreten strategischen Bildungsauftrag einbetten zu lassen: Zur Umleitung radikaler sozialer Energien weg von destabilisierenden direkten Aktionen hin zum rechtlich und politisch etablierten Establishment.

Stiftungen, insbesondere die Ford-Stiftung, wurden zu den wichtigsten Förderern aufstrebender akademischer Fachgebiete, welche den sozialen Bewegungen der 1960er – und 70er Jahre entsprungen waren. Diese stellten entscheidende Anschubfinanzierungen bereit, um Programme für Bereiche wie Frauenforschung, Ethnische Studien und Kritische Rechtswissenschaft an amerikanischen und europäischen Universitäten etablieren zu lassen. Die besagte Finanzierung war nicht neutral: Eine grundlegende Studie im „Law & Society Review“ vertritt, dass die Ford-Stiftung neben anderen Stiftungen in den 1960er Jahren einen bewussten „rechtszentrierten“ Ansatz für sozialen Wandel verfolgt hatten. Angesichts des disruptiven Potenzials von Basisbewegungen für rassische und wirtschaftliche Gerechtigkeit setzten sich die Strategen der Stiftungen aktiv für Rechtsstreitigkeiten, Lobbyarbeit und politische Reformen als überlegener bzw. besser kontrollierbarer Weg ein:

Das erzielte doppelte Wirkung und schuf ein mächtiges, sich selbst erhaltendes System!

Einerseits wurde der Widerstand professionalisiert: Durch die Akademisierung radikaler Kritik wurden Forderungen nach einer systemischen Umgestaltung in theoretische Rahmenkonzepte, Fachjargon und begutachtete Artikel abgeleitet. Aktivismus wurde zu einem Fachgebiet für Karrieren auf dem Weg zu Festanstellungen, wodurch eine Klasse professioneller Intellektueller geschaffen wurde, deren Erfolg an Universitätssysteme – nicht die Straße mehr – gebunden war.

Andererseits wurde Unzufriedenheit in Legalismus kanalisiert. Durch großzügige Finanzierungen von Anwaltskanzleien für öffentliches Interesse, Bürgerrechtsklagen und gemeinnützigen Interessenverbänden machten Stiftungen das Rechtssystem zum primären Schauplatz für den Kampf gegen Ungerechtigkeit. Dadurch gelang es, revolutionäre Impulse in reformistische Petitionen umzuleiten. Die Zielsetzung verlagerte sich vom Abbau der Systeme, welche von Natur aus ausbeuterisch angelegt waren, hin zum Austragen von Rechtsstreitigkeiten, dem Erlass von Verordnungen und zur Sicherung von Diversitätsquoten innerhalb solcher Systeme.

Dieser Prozess schuf den „Non-Profit-Industriekomplex“, in dem die Energie sozialer Bewegungen über ein spenderabhängiges Netzwerk und NGOs absorbiert wird, um Fördermittel und institutionelles Überleben über transformativen Wandel zu stellen. Auf diese Weise wurde sozialen Bewegungen die Schärfe genommen, zumal die eloquentesten und am besten organisierten Anführer motiviert wurden, innerhalb staatlicher Regeln, denen sie einst die Stirn bieten wollten, Arbeit finden zu können.

Die Ford-Stiftung: Aufbau der akademischen Architektur!

Das Engagement der Ford-Stiftung bei der Gestaltung der akademischen Landschaft begann unmittelbar nach Auflösung der offen antikommunistisch ausgerichteten CCF [Congress for Cultural Freedom made by CIA] im Jahr 1967 – mit dem Ziel, ab 1970 neue, kritische Perspektiven im Universitätssystem selbst verankern zu lassen.

Rolle der Stiftung bestand nicht in ad-hoc-Philanthropie, sondern in der Errichtung einer strategischen Architektur von [akademischen] Feldern. Ihre Fördermittel bauten systematisch die akademische Infrastruktur für die Ideologie der „Neuen Linken“ auf und stellten sicher, dass

… diese sich in angesehenen Institutionen verwurzelten, doch nicht in Basisbewegungen verirrten!

In den 1970er- und 1980er-Jahren war die Ford-Stiftung wichtiger Förderer, der Startkapital bereitstellte, um das Fachgebiet der Frauen- und Ethnischen Studien (Black Studies, Chicano Studies [zu den Lebensrealitäten mexikanisch-amerikanischer Bevölkerungen] usw.) als legitime akademische Disziplinen etablieren zu lassen. Dazu gehörten auch Fördermittel zur Einrichtung eigener Fachbereiche und Forschungszentren an Universitäten sowie Professuren und Stipendien für Postdoktoranden und Wissenschaftler für diese neuen Fachgebieten sowie die Entwicklung von Bildungsaufträgen und Veröffentlichungen grundlegender Lehrpläne.

Darüber hinaus unterstützte die Ford-Stiftung von den 1980er bis in die 2000er Jahre die Kritische Theorie. Im Zuge der Weiterentwicklung dieser Fachgebiete stellte die Ford Stiftung erhebliche Mittel für die Entwicklung und Verbreitung der Critical Race Theory (CRT) und des intersektionalen Feminismus bereit. Die Finanzierung von Studiengängen an juristischen Fakultäten, die sich auf die CRT konzentriert hatten, verwandelte das Konzept von einem akademischen Randgebiet bzw. einer Nischen-Rechtstheorie in eine breiter aufgestellte intellektuelle Bewegung. Die Ford Stiftung unterstützte zudem Forschung und Konferenzen, bei denen postkoloniale Theorie und Queer-Theorie auf politische Themen verwandt wurden.

Die von der Ford-Stiftung geleistete Unterstützung war keine direkte Befürwortung dieser Ideen, sondern eine strategische Entscheidung, die Bereiche Wissenschaft und Recht zur Kanalisierung radikaler Energien heranziehen zu lassen. In den 1990er- und 2000er-Jahren begann sich die Sprache der Ford Stiftung von radikaler Kritik hin zu „Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion“ zu verschieben, während die intellektuellen Rahmenkonzepte, die zur Institutionalisierung beigetragen hatten, für diese Arbeit zentral erhalten blieben.

Das charakterisierte den „Inkubationsprozess“: Es stellte die gezielte, langfristige Investitionen in den Aufbau selbsttragender akademischer Netzwerke dar, um eine bestimmte Weltanschauung zur Normalität zu machen. Das radikale Potenzial feministischer oder kritischer Theorie wird entkräftet, sobald es in einen spezialisierten akademischen Diskurs umkanalisiert würde – komplett mit eigenen Fachzeitschriften, Konferenzen und Karrierewegen, die anfänglich alle von Förderungen durch die Ford Stiftung abhängig waren.

Im Wesentlichen bestand der Hauptbeitrag der Ford-Stiftung darin, die Vorläufer dessen, was heute abwertend als „Woke–Ideologie“ qualifiziert wird, zu professionalisieren und akademisieren, indem man die finanzielle Unterstützung bereitstellte und aktivistische Kritik in unbefristete Professuren und Universitätsfachbereiche verwandelte. Man verwandelte linke akademische Randbestrebungen in vollwertige Universitätsfakultäten mit unbefristeten Professuren.

Die Privatisierung der Hegemonie: Von Fords Entwürfen zur Umsetzung über Soros [und seine Open Society Foundations]

Während die Ford-Stiftung die intellektuelle Vorhut stellte, sorgte George Soros für die nachfolgende Massenmobilisierung!

Der im akademischen Bereich entwickelte ideologische Rahmen – Theorien zu [Menschen-]Rechten, Identität und rechtlichem Aktivismus – blieb theoretisches Instrumentarium:

Doch um zu einer aktiven geopolitischen Kraft zu werden, bedurfte es eines neuen Vehikels: Eines mit der strategischen Intention einer staatlichen Behörde, aber mit der Agilität und glaubwürdigen Abstreitbarkeit [plausible deniability] einer privaten Einrichtung. Dieses Vehikel entstand dank Soros’ Open Society Foundations (OSF) und markierte den entscheidenden Wandel von der Theoriebildung zur systemverändernden Umsetzung. Damit dieses private Netzwerk maximale Wirkung erzielen konnte, bedurfte es der Integration in den staatlichen Apparat. Aus dieser Verschmelzung entstand der moderne „NGO-Komplex“, …

… über eine öffentlich-private Partnerschaft zur ideologischen Reformatierung!

Institutioneller Träger wurde die 1983 gegründete US-amerikanische National Endowment for Democracy (NED). Die NED war die offizielle Antwort des Staates auf das Dilemma, politischen Wandel im Ausland zu bewirken, ohne die Rückschläge, welche das Auffliegen verdeckter CIA-Operationen mit sich gebracht hätten, riskieren zu müssen. Die Logik war elegant und einfach zugleich: Die Zivilgesellschaft sollte politische Prozesse prägen: Daher konnten durch Finanzierung besagter Zivilgesellschaften dank NGOs – mittels „unabhängiger Medien“, Gewerkschaften und politischer Interessenverbände – die politischen Prozesse unter Kontrolle gebracht werden: In der Praxis schuf dies eine …

… vom U.S.-Kongress finanzierte Einrichtung zur direkten Finanzierung politischer Akteure innerhalb souveräner Staaten!

Wie Allen Weinstein, einer der Gründer der National Endowment for Democracy (NED), unverblümt zugab: „Vieles von dem, was wir heute machen, wurde vor 25 Jahren verdeckt von der CIA ausgeführt!“

Die Übertragung von Macht [an NGOs] stellte jedoch keine Abweichung von den Zielen der USA dar, …

… sondern war nur deren Privatisierung und Optimierung!

Soros [und seine Open Society Foundations] passte als perfekter Partner in ein solches Konzept. Wie ein freigegebener Bericht der US-Agentur für internationale Entwicklung (USAID) aus dem Jahr 1991 bestätigt, stünden Soros’ Aktivitäten „im Einklang mit den Zielen der USAID“, indem staatliche Mittel eingesetzt würden, um sein privates Kapital und seine politischen Verbindungen in Osteuropa „zu nützen“.

[Anmerkung der Redaktion: Die nachrichtendienstlichen Querverbindungen zwischen CIA und vormaliger USAID sollten inzwischen zum Allgemeinwissen einer gebildeten Öffentlichkeit zählen und keiner gesonderten Erwähnung bedürfen.]

Fortsetzung mit Teil 2c folgt

Übersetzung UNSER-MITTELEUROPA

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  • Teil 1a der Serie von Ryan Perkins, „Wie im Kalten Krieg noch Kulturkriege entstanden!“, findet man: HIER
  • Teil 1b der Serie von Ryan Perkins, „Der Kongress für kulturelle Freiheit“, findet man: HIER
  • Teil 1c der Serie von Ryan Perkins, „Das Kulturkrieger-Spektrum von CIA bis zur Philanthropie“, findet man: HIER
  • Teil 2a der Serie von Ryan Perkins, „Wie der NGO-Komplex Identitäts-Debatten zu Waffen schmiedet!“, findet man: HIER
  • Die Serie „The Ghost in the Machine Part 2 – How the NGO Complex Weaponized Identity (and Why the Right Still think it’s a Marxist Plot)“ im Original auf English: HIER

Zum Autor: Ryan Perkins ist Senior Analyst und als Editor für den Global Economic Indicator tätig. Er lebt in Peking. Seine Analysen wurden in internationalen Medien wie dem „The Atlantic Magazine“ veröffentlicht und sowohl von Unternehmen wie auch Thinktanks in Anspruch genommen. Sein Substack-Blog erreichte Platz 49 in der Kategorie „Weltnachrichten und Politik“.



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