Russlands Angriffe auf Ziele im tiefsten Hinterland der Ukraine beeinträchtigen den Verkehr an den polnisch-ukrainischen Grenzübergängen in der Woiwodschaft Lublin. Wegen der Sicherheitslage wurde der Übergangsbetrieb vorübergehend ausgesetzt, woraufhin sich lange Warteschlangen gebildet haben. Dies melden polnische Medien wie etwa Polskie Radio, auf dessen Online-Portal ein entsprechender Artikel in der ukrainischen Sprache verfasst  und veröffentlicht wurde. In diesem beklagt man vor allem die lange Schlange und die für alle Arten von Fahrzeugen (Pkw, Busse, aber auch Lkw) sehr langen Wartezeiten zur Abfertigung. Hierzu zitiert der Radiosender Michał Deruś von der Steuerverwaltung in Lublin:

„In Dorohusk beträgt die Wartezeit für die Zollabfertigung 40 Stunden, in Hrebenne sind es mehr als 24 Stunden und in Zosin acht Stunden.

In der Nacht gab es innerhalb weniger Stunden neun Luftalarme. Heute Morgen folgten weitere. Somit haben diese zahlreichen Alarme in der Nähe der Grenzübergänge – vor allem in Dorohusk und Zosin – zu vorübergehenden Unterbrechungen bei der Abfertigung von Güterverkehr sowie von Privatfahrzeugen und Bussen geführt. Die Warteschlangen sind somit auch eine Folge der russischen Aktivitäten in Grenznähe.„

Journalisten des Polskie Radio übernehmen weiter:

„Nach Angaben der Zoll- und Steuerbehörden warten derzeit 880 Lastwagen in Hrebenne und 250 in Zosin auf die Abfertigung. In den vergangenen 24 Stunden haben die Zoll- und Steuerbeamten an den Grenzübergängen in der Region Lublin mehr als 3.000 Lastwagen sowie über 3.700 Personenkraftwagen abgefertigt.“

Was derartigen Meldungen jedoch nicht zwingend ohne Weiteres zu entnehmen ist, ist die Verteilung des Personen- und Lastverkehrs auf die beiden Seiten der betreffenden Übergänge. So sind es Zeugen zufolge vor allem Lkw, die auf der polnischen Seite auf die Einfahrt in die Ukraine und die dazugehörige Zollabfertigung warten – die Kolonnen an Auflieger-Fuhren in Polen sind mittlerweile je mehrere Dutzend Kilometer lang, berichtet die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti mit Verweis auf Zeugen vor Ort. Allein vor dem Übergang Dorohusk-Jagodin haben sich mehrere Tausend Lkw angesammelt – und die vorausgesagte Wartezeit für sie betrage mehrere Tage. Dabei beginne die eigentliche Schlange de facto rund 30 Kilometer von der eigentlichen Grenze: Die polnische Polizei halte die Fuhren bereits in der Anfahrt auf die Stadt Chełm an geeigneten Stellen an, damit sie den Verkehr zwischen ihr und anderen Ortschaften nicht blockieren. Bilder von der Einfahrt aus Polen zeigen fast ausschließlich Lkw.

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Demgegenüber scheint es auf der ukrainischen Seite vor allem Personenverkehr zu sein, der an der Grenze feststeckt, was Bild- und Videomaterial von grenznahen Straßen dort zeigt.

Indes wurde die Abfertigung nicht gänzlich unterbrochen, scheint es, sondern allenfalls um ein Vielfaches heruntergefahren – und interessant ist in diesem Zusammenhang vor allem auch die Zahl der an Übergängen in der polnischen Grenzwoiwodschaft Lublin jeweils abgefertigten Personenwagen und Lastwagen: Für den 18. Oktober 2026 wird für Pkw eine Zahl von rund 3.700 genannt, für Fuhren sage und schreibe gut 3.000.

Hieraus lassen sich zwei Dinge folgern.

Erstens ist die Zahl der Menschen, die aus der Ukraine so schnell wie möglich ausreisen wollen, in der letzten Zeit sprunghaft angestiegen. Russlands Angriffe mit Langstreckenlenkwaffen auf militärisch relevante Ziele im ukrainischen Hinterland erfassen also nun sehr viele Dual-Use-Objekte aus der Zahl derer, die Russland zuvor eher nicht angriff, weil ihre Bedeutung für die Versorgung von Zivilisten doch recht wichtig ist. Und besagte Zivilisten suchen nun das Weite, weil sie vor allem im Winter Versorgungsengpässe im Hinblick auf Heizung, Strom, Trinkwasser und womöglich auch Lebensmittel befürchten. Möglicherweise kommen Ängste, dass die Wehrämter beim Zwangseinzug von Menschen zum Militär bald noch härter vorgehen könnten, als es bereits jetzt geschieht.

Damit aber verliert die Ukraine zumindest für die Restdauer des Krieges noch mehr erwerbsfähige Bevölkerung, als zuvor ohnehin geschehen, und das Kiewer Regime verliert nochmals an Stabilität. Quellen in der Ukraine selbst wie etwa der Ökonom Alexei Kuschtsch warnten vor einem Fall der Inlandsbevölkerung auf etwa 20 Millionen Menschen im Vergleich zu etwa 40 Millionen vor Eskalation des zuvor lange Zeit lediglich schwelenden Ukraine-Krieges im Januar 2022 durch das Kiewer Regime. Derweil stellen Westmedien wie etwa European Conservative Rekordzahlen an Menschen fest, die aus der Ukraine ausreisen, und sagen dem Land einen demografischen Zusammenbruch voraus. Auch der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij selbst gab Rekordzahlen an Auswandernden zu und kündigte die Schaffung eines Ministeriums an, das sich eigens den Kontakten mit den Ausgereisten widmen solle.

Zweitens hat Russland – und das vermelden sowohl sein Verteidigungsministerium als auch Quellen in der Ukraine und im Westen – neuerdings in der Tat auch eben Ziele nahe der westlichen Grenze der Ukraine angegriffen. Obwohl die Anfahrten zu den Grenzübergängen selbst davon unbetroffen sind, sind diese Angriffe wohl Anlass genug für die Unterbrechung vom Grenzübergangsbetrieb – und so scheint sich dies doch beträchtlich auf die Menge an Material auszuwirken, die das Kiewer Regime auf dem Landwege aus beziehungsweise über die EU-Staaten erhält: Wenn die Grenzübergänge nur einer polnischen Woiwodschaft sogar im „eingeschränkten Notbetrieb“ immerhin 3.000 Lkw pro Tag abfertigen, kann man leicht Aussagen über ihre Zahl bei uneingeschränktem Betrieb der Grenzübergänge treffen.

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