Die französische Rechtspolitikerin Marine Le Pen liegt im Rennen um die Präsidentschaftswahl 2027 vorn. Einer neuen Umfrage zufolge würde sie in möglichen Stichwahlen sowohl linke als auch zentristische Konkurrenten besiegen.
Die am Montag veröffentlichte Erhebung von Toluna Harris Interactive im Auftrag der französischen Sender M6 und RTL sieht Le Pen, das langjährige Gesicht des Rassemblement National (RN), bei 67 Prozent gegenüber Jean-Luc Mélenchon, dem Vorsitzenden der linken Partei La France Insoumise (LFI). Gegen den ehemaligen zentristischen Premierminister Édouard Philippe käme sie auf 56 Prozent. Auch in allen fünf untersuchten Szenarien für den ersten Wahlgang liegt Le Pen vorn. Sie erreicht dabei zwischen 35 und 37 Prozent der Stimmen. Mélenchon folgt mit 18 bis 19 Prozent, Philippe kommt auf 13 bis 17 Prozent.
Die Umfrage deutet zudem auf ein wachsendes Vertrauen in Le Pens Führungsqualitäten hin. 51 Prozent der Befragten halten sie für eine gute Präsidentin. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Erhebung. Der RN-Vorsitzende Jordan Bardella kommt auf 47 Prozent. Die Online-Umfrage von Toluna Harris Interactive wurde vom 5. bis zum 8. Oktober unter 2.004 registrierten Wählern durchgeführt.
Le Pen erreichte sowohl 2017 als auch 2022 die Stichwahl um das Präsidentenamt, unterlag jedoch jeweils dem Amtsinhaber Emmanuel Macron. Dieser darf nicht für eine dritte aufeinanderfolgende Amtszeit kandidieren. Auch im Parlament hat der RN seine Position gestärkt. Im September errangen die Partei und ihr Verbündeter, die Union der Rechten für die Republik (UDR), genügend Sitze im Senat, um erstmals eine eigene Fraktion zu bilden.
Macrons zentristisches Lager verfügt seit 2022 über keine parlamentarische Mehrheit mehr. In der Folge hatten aufeinanderfolgende Regierungen Schwierigkeiten, Haushalte zu verabschieden. Ende Juni belief sich die französische Staatsverschuldung auf 3,6 Billionen Euro (mehr als vier Billionen US-Dollar) beziehungsweise 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Haushaltsentwurf für 2027 stößt im zersplitterten Parlament auf Widerstand.
Im Juli reduzierte das Pariser Berufungsgericht Le Pens fünfjähriges Verbot, gewählte Ämter auszuüben. Das Verbot war nach ihrer Verurteilung wegen der missbräuchlichen Verwendung von EU-Geldern verhängt worden. Durch die Entscheidung wurde der Weg für ihre Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2027 frei.
In außenpolitischen Fragen vertreten Le Pen und Mélenchon ähnliche Positionen. Beide haben die NATO und die westliche Politik gegenüber der Ukraine kritisiert. Le Pen sprach sich dafür aus, Frankreich aus der integrierten militärischen Kommandostruktur der NATO zurückzuziehen, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben und eine Verhandlungslösung im Ukraine-Konflikt anzustreben. Mélenchon fordert einen vollständigen Austritt Frankreichs aus der NATO.
Der RN hat sich wiederholt gegen zeitlich unbegrenzte Militärhilfen für Kiew ausgesprochen und vor Schritten gewarnt, die Frankreich in eine direkte Konfrontation mit Russland bringen könnten. Marine Le Pen plädiert zudem für eine Normalisierung der Beziehungen zu Moskau.
Die Aussicht auf eine Präsidentschaft Le Pens soll bei den westlichen Unterstützern der Ukraine Besorgnis ausgelöst haben. Wie die britische Zeitung The Telegraph im August berichtete, befürchteten Regierungsvertreter, dass ein Wahlsieg Le Pens die von Frankreich angeführten Bemühungen zur Koordinierung militärischer und finanzieller Hilfen für Kiew sowie die Pläne zur Entsendung westlicher Truppen in die Ukraine nach einem Waffenstillstand beeinträchtigen könnte.
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