Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat im Rahmen eines Pressetermins heute bekannt gegeben, dass die ostfriesische Küstenstadt Emden einen neuen Marinehafen erhalten wird. Die Baumaßnahme erfolge, da aufgrund „der internationalen Bedrohungslage“ die Bundesmarine einen zweiten Standort benötige. Ziel sei die Realisierung Anfang der 2030er Jahre, wobei mit einer vierstelligen Zahl an militärischen und zivilen Beschäftigten gerechnet werde.

Die Marine soll im Zuge einer neuen Bundeswehrstrategie aufgerüstet werden und braucht daher einen weiteren Hafen in der Nordseeregion. Die Marine und das Bundesverteidigungsministerium hatten zuvor mögliche neue Standorte geprüft, darunter auch Bremerhaven. Bei seinem heutigen Pressetermin am Schöpfwerk Knock auf dem Rysumer Nacken an der Emsmündung erklärte der Verteidigungsminister nun vor der Presse:

„Wir haben aktuell die kleinste Marine in der Geschichte der Bundeswehr bei gleichzeitig dem größten und umfangreichsten Aufgabenportfolio. Also muss die Marine wachsen und das wird sie.“

Laut NDR–Bericht würden nach Einschätzung von Experten eine Reihe von Gründen für den ausgewählten künftigen Standort des zusätzlichen Marinehafens sprechen. Dazu heißt es:

„Emden habe zum Beispiel den geografischen Vorteil, dass die ostfriesische Stadt gerade noch außerhalb des Wirkungsbereiches von russischen Mittelstreckenraketen liege. So könne ein Stützpunkt dort den großen Stützpunkt in Wilhelmshaven unterstützen und wäre im Notfall eine Alternative.“

In Verbindung mit dem existierenden Logistikknotenpunkt Bremerhaven hätte die Marine ab dem Jahr 2030 dann, so die Planung, an der deutschen Nordseeküste drei militärstrategische Anlaufpunkte.

Der anvisierte Marinehafen mache die Truppe „flexibler und erhöhe im Ernstfall die operativen Möglichkeiten im Nordatlantik“, so die Ausführungen des SPD-Ministers vor der Presse. Wörtlich gab Pistorius zu Protokoll:

„Damit erhöhen wir die Abschreckungsfähigkeit Deutschlands und der NATO.“

Konkret habe die Marine laut Agenturmeldung „Bedarf an sieben Liegeplätzen für Fregatten, zehn Liegeplätzen für Minensuchboote sowie zehn Liegeplätzen für Schlepper“. Der zusätzliche Marinehafen in der Nordsee ist damit ein wichtiger Teil der neuen Strategie der deutschen Marine. Zur Planung und Umsetzung hieß es seitens Pistorius:

„Eingebunden werden dabei die Marine, alle Verantwortlichen für Natur- und Küstenschutz und die Niedersachsen-Ports GmbH. Was diesem Projekt sehr zugutekommen wird, ist das Infrastrukturbeschleunigungsgesetz, das wir im Sommer durchs Kabinett gebracht haben, das jetzt im Parlament liegt und das wesentliche Beschleunigungen für Rüstungs- und sicherheitspolitische Bauvorhaben ermöglicht und damit nochmal für mehr Tempo sorgt.“

Langfristig könnten dem Minister zufolge bis zu 2.000 Dienstposten in Emden entstehen. Ohne genauere Investitionszahlen zu nennen, heißt es in Agenturmeldungen, dass von einer benötigten „Milliardensumme“ für die Umsetzung des Vorhabens ausgegangen wird. Für den Standort sprächen „die große Flächenverfügbarkeit und die gute Erreichbarkeit des Nordatlantiks“, so der Minister.

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