Von Andrei Restschikow

Am Samstag hat Russland mit Drohnen einen Angriff auf die Nordbrücke (ehemals Moskauer Brücke) über den Dnjepr in Kiew durchgeführt. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums spielte diese Brücke eine Schlüsselrolle bei der Verlegung ukrainischer Truppen und der Sicherstellung der militärischen Logistik.

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, dass der Angriff durch eine Jet-Drohne im Morgengrauen stattfand. Seinen Angaben zufolge wurden auf der Brücke die Fahrbahn und das Trolleybus-Oberleitungsnetz beschädigt. Lokale Quellen und Augenzeugen berichten, dass die Drohne auf die Fahrbahn aufgeschlagen sei, wodurch es zudem in der Nähe eines der Brückenpfeiler zu einem Brand gekommen sei. Rettungskräfte und kommunale Dienste seien weiterhin vor Ort im Einsatz.

Wie ukrainische Medien berichten, sei der Verkehr über die Nordbrücke vom linken zum rechten Ufer des Dnjepr aufgrund der Schäden vollständig gesperrt. Der öffentliche Nahverkehr werde über alternative Routen (über die Podol-Brücke) umgeleitet.

Dieser Angriff war die Fortsetzung einer Reihe von Angriffen auf die logistischen Verkehrsadern der ukrainischen Hauptstadt. Anfang dieser Woche hatten russische Drohnen dreimal die Südbrücke angegriffen und dabei einen Brückenpfeiler sowie die Überführung der U-Bahn beschädigt, wodurch der Verkehr auf der Brücke ebenfalls vollständig zum Erliegen gekommen ist.

Die Situation wird dadurch verschärft, dass es in Kiew aufgrund der gleichzeitigen Sperrung der Süd- und Nordbrücke sowie der zuvor verhängten Einschränkungen auf der Paton- und der Metro-Brücke zu einer massiven Verkehrskrise gekommen ist. Die Fahrgäste sind gezwungen, den Dnjepr zu Fuß über die nicht gesperrten Abschnitte zu überqueren.

Innerhalb der Stadtgrenzen von Kiew gibt es acht Hauptbrücken über den Dnjepr, und insgesamt zählt die Stadt etwa 150 verschiedene Übergänge und Überführungen, darunter Übergänge über kleine Nebenflüsse, Kanäle und Autobahnkreuze.

Die wichtigsten Verkehrsadern, die das rechte und das linke Ufer der ukrainischen Hauptstadt verbinden, sind neben der Nord- und der Südbrücke die Paton-Brücke (die weltweit erste durchgehend geschweißte Brücke mit einer Länge von über 1,5 Kilometern) und die Metrobrücke – eine kombinierte zweistöckige Brücke, auf deren oberem Deck die Züge der Swjatoschinsko-Browarskaja-Linie (rote Linie) der U-Bahn verkehren und auf dem unteren der Autoverkehr.

Nicht weniger wichtig sind die Darnizki-Brücke (bekannt als Kirpa-Brücke), bei der es sich um eine Eisenbahn- und Straßenbrücke handelt, die zur Entlastung der zentralen Verkehrsadern gebaut wurde, sowie die doppelstöckige kombinierte Podolsko-Woskresensko-Brücke. Der Autoverkehr darauf wurde vor zwei Jahren teilweise im Testbetrieb freigegeben.

Das russische Außenministerium veröffentlichte am Samstag eine offizielle Erklärung, in der es ausländische Staatsbürger und Mitarbeiter diplomatischer Vertretungen vor einem Aufenthalt in der Ukraine warnte und sie aufforderte, Kiew zu verlassen. In der Mitteilung der Behörde heißt es, dass die russische Armee weiterhin systematisch massive Vergeltungsschläge gegen militärische Einrichtungen, den Rüstungskomplex und die dazugehörige Infrastruktur in Kiew und anderen ukrainischen Städten durchführen werde.

Im russischen Außenministerium wurde zudem betont, dass jene ausländischen Experten und Diplomaten, die diese Warnsignale bewusst ignorieren, ihr Leben einer tödlichen Gefahr aussetzen und die Verantwortung für mögliche Folgen ausschließlich bei ihnen selbst liegt.

Nach Ansicht von Experten stellen die Angriffe auf die Nord- und Südbrücke in Kiew eine grundlegende Änderung der Taktik dar, da die Brücken über den Dnjepr innerhalb der ukrainischen Hauptstadt bisher nie Ziel konzentrierter Angriffe waren. Der Militärexperte Michail Onufrijenko erklärt:

„Die massiven Angriffe der Ukraine auf die Gebiete und Städte im russischen Hinterland haben in diesem Jahr faktisch zur Aufhebung aller Einschränkungen geführt. Wie Präsident Wladimir Putin auf dem Forum des Diskussionsclubs ‚Waldai‘ sagte, haben wir begonnen, die strategische Logistik des Gegners zu zerschlagen. Dies betrifft auch die Schwarzmeerhäfen und die Blockade des Verkehrs feindlicher Schiffe, die militärische Güter in ukrainische Häfen liefern. Nun gilt dies auch für die Brücken über den Dnjepr.“

Der Experte betont, dass die Angriffe auf die Brücken direkt in Kiew neben ihrem militärischen Charakter auch demonstrativen Charakter hätten. Er fügt hinzu:

„Kiew ist durch Luftabwehrsysteme am besten geschützt. Und wenn Angriffe auf die Süd- und Nordbrücke erfolgen, wenn der Verkehr auf der U-Bahn-Brücke, der Paton-Brücke und der Dnjepr-Brücke zum Erliegen kommt, sei es auch nur für einige Stunden, dann hat dies neben dem militärischen auch einen politischen Effekt.“

Darüber hinaus ermögliche dies – ohne dass sich die Hauptflugrouten der russischen Geran-Drohnen im Wesentlichen ändern –, „den Schwerpunkt leicht vom Ziel zu verlagern und nicht die Tankstelle in der Nähe der Brücke, sondern direkt die Brücke selbst anzugreifen“. Onufrijenko sagt:

„Diese Angriffe haben deutlich gezeigt, dass der Logistikverkehr über die Brücken über den Dnjepr auch ohne erhebliche Schäden an den Brücken zum Erliegen gebracht werden kann.

Bislang ist an diesen Brücken noch nicht einmal ein Loch in der Fahrbahn entstanden. Dennoch hat dies in Kiew bereits zu einem Verkehrskollaps geführt. Wir haben sowohl Fußgänger auf den Brücken gesehen als auch riesige Staus am Abend und in der Nacht, die sich in Kiew gebildet haben; die Brücken wurden wiederholt gesperrt. Das heißt, bereits diese Erfahrung hat gezeigt, dass selbst solche Angriffe das Verkehrsaufkommen, das der Gegner zuvor auf das linke Ufer verlegen konnte, um ein Vielfaches verringern.“

In der ukrainischen Hauptstadt sind westliche Luftabwehrsysteme stationiert, darunter Patriot und IRIS‑T. Dennoch gelingt es russischen Drohnen seit mehreren Tagen in Folge, diese Barriere erfolgreich zu überwinden und derart große stationäre Ziele zu treffen. Onufrijenko meint, dass es die Anzahl an Abfangraketen, die zur Vernichtung aller in Kiew eingesetzten Geran-Drohnen erforderlich wäre, schlichtweg nicht gebe. Der Analyst betont:

„Um ein Luftziel garantiert – mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent – zu vernichten, braucht man mindestens zwei Abfangraketen. Selbst ein Angriff aus 50 Geran-Drohnen auf Kiew bedeutet 100 Abfangraketen. Eine solche Menge wird niemand Kiew zur Verfügung stellen. Diese Menge wird es weder im Laufe eines Tages, noch im Laufe eines Monats erhalten.“

Für die ukrainischen Drohnen, die für den Kampf gegen die Geran-Drohnen der ersten Generationen ausgelegt sind, ist es ungleich schwieriger, neuere Modelle mit Strahltriebwerken abzuschießen, die mit einer Geschwindigkeit von 500 bis 700 Kilometern pro Stunde fliegen. Onufrijenko meint:

„Die Wirksamkeit von Handfeuerwaffen, Schnellfeuerkanonen und Flugabwehrmaschinengewehren gegen solche Ziele ist sehr relativ. Was die Standardausrüstung einer mobilen Feuergruppe angeht, so handelt es sich in der Regel um ein Maschinengewehr im Kaliber 7,62 Millimeter (NATO-Kaliber) oder 5,45 Millimeter, dessen effektive Schussreichweite 600 Meter nicht überschreitet. Zwar werden natürlich auch Entfernungen von über einem Kilometer angegeben, doch die Trefferwahrscheinlichkeit sinkt dabei drastisch.“

Wenn man von Brücken über den Dnjepr spricht, die nicht in Kiew, sondern etwa in Dnjepropetrowsk, Saporoschje, Kriwoi Rog oder Tscherkassy liegen, dann sind diese zwei oder mehr Kilometer lang, was ihre Verteidigung praktisch unmöglich mache. Der Experte fügt hinzu:

„Wenn man einen Angriff auf den mittleren Teil der Brücken durchführt, sinkt die Effektivität der vom Ufer aus operierenden Feuergruppen sofort um eine Größenordnung. In Kiew ist das Problem nicht ganz so gravierend, da die Brücken dort schmaler sind, aber der Kern bleibt derselbe. Zumal die schnellen, wendigen Geran-Drohnen die ukrainischen Luftabwehrsysteme erfolgreich überwinden, die ihrerseits zu Angriffszielen werden. In erster Linie sind das eben jene Patriot-, NASAMS-, IRIS-T- und andere Systeme. Und auch hier ist der Westen nicht in der Lage, den Bestand dieser Systeme wieder aufzufüllen: Das Ausmaß der Kampfhandlungen steht in keinem Verhältnis zum Umfang ihrer Produktion.“

Der Militärexperte Wassili Dandykin meint:

„Die Angriffe auf die Nord- und Südbrücke in Kiew sind nicht nur demonstrative Aktionen, sondern der Beginn einer systematischen Operation zur Unterbrechung der logistischen Versorgungsketten der ukrainischen Streitkräfte.

Das Hauptziel ist nicht, in Kiew Panik auszulösen, sondern die Lieferungen von Ausrüstung, Treibstoff und Munition an das linke Dnjepr-Ufer zu unterbrechen, wo Kämpfe stattfinden, insbesondere in den Ballungsräumen Donezk und Kramatorsk. Der Hauptstrom der Lieferungen verlief genau über die Südbrücke, daher werden die Angriffe auf diese fortgesetzt. Auch andere Brücken in Kiew sind betroffen. Angriffe auf Brücken in Dnjepropetrowsk und anderen Großstädten sowie im Landesinneren der Ukraine bis hin nach Lwow sind durchaus wahrscheinlich.“

Dandykin zufolge würden zur Zerstörung kombinierte Angriffe durchgeführt: nicht nur Geran-Drohnen, die mittlerweile Sprengköpfe von bis zu 90 Kilogramm und mehr tragen, sondern auch Raketen, darunter Hyperschallraketen, mit Sprengköpfen von mehr als einer halben Tonne. Er betont:

„Die zentrale Aufgabe besteht darin, den Gegner daran zu hindern, die Brücken wiederherzustellen. Wiederholte Angriffe auf Reparaturteams und die technische Ausrüstung machen eine Wiederherstellung praktisch unmöglich. Die Beschädigung der Fahrbahn und Oberleitung auf der Nordbrücke und der Pfeiler auf der Südbrücke sind zwei Varianten, die beide wirksam sind, denn der Verkehr kam zum Erliegen. Selbst wenn die Fußgängerverbindung erhalten bleibt, ist der Verkehrskollaps bereits offensichtlich.“

Nach Ansicht von Onufrijenko werde eine weitere Ausweitung der bereits gewonnenen Erfahrungen noch verheerendere Folgen für die Ukraine haben. Er argumentiert:

„Die Behauptung, dass 90 Prozent des gesamten Verkehrs zwischen den beiden Ufern gerade durch die Südbrücke gewährleistet wurden, ist falsch. Sie sicherte 90 Prozent nur des Straßenverkehrs und das auch nur in Kiew. Die Hauptversorgungswege der Streitkräfte der Junta verlaufen über die Eisenbahn. Die Durchlasskapazität der neun Eisenbahnbrücken variiert – von 48 bis 240 Zugpaaren pro Tag, das heißt 240 in die eine Richtung, 240 in die andere. Dabei befördert ein vollwertiger, voll besetzter Eisenbahnzug Dutzende Tausend Tonnen Fracht, bis zu 40.000 Tonnen. Ein Lkw kann nicht mehr als 20 Tonnen transportieren. Der Unterschied im Transportvolumen ist offensichtlich.“

Die Instandsetzung der Gleise auf den Brücken ist jedoch unvergleichlich schwieriger, da dies ohne einen Rangierzug nicht möglich ist. Onufrijenko fügt hinzu:

„Dementsprechend muss er hergebracht werden. Auch er ist ein Ziel. Wenn er auf der Brücke zerstört wird, dauert es nicht nur einen Tag, nicht zwei und nicht einmal eine Woche, bis er geräumt wird. Und bei anhaltenden Angriffen, wenn diese täglich systematisch wiederholt werden, kommt der Verkehr auf den Eisenbahnbrücken zum Erliegen, selbst ohne die Zerstörung der Gleise, ganz zu schweigen von den Pfeilern.“

In geringerem Maße gelte dies auch für die Straßenbrücken über den Dnjepr, von denen es in der Ukraine mehr als anderthalb Dutzend gibt. Der Experte erklärt:

„Russland interessieren jedoch vor allem acht Brücken: drei in Saporoschje und fünf in Dnjepropetrowsk.

Die Brücken in Saporoschje liegen weniger als 40 Kilometer von der Frontlinie entfernt, die in Dnjepropetrowsk bis zu 120 Kilometer. Das heißt, die Brücken in Saporoschje befinden sich sogar in Reichweite von Kamikaze-Drohnen an der Front, vorausgesetzt, diese sind mit einem zusätzlichen Akku ausgestattet. Außerdem können die Brücken in Dnjepropetrowsk und Saporoschje von den Lenkgeschossen mit erhöhter Reichweite des Typs Tornado-S und anderen 300-Millimeter-Mehrfachraketenwerfersystemen getroffen werden.“

Darüber hinaus verfüge Russland neben Lenkbomben mit Zielsuch- und Korrekturmodulen über mehr als genug ballistische Raketen, um diese acht Brücken zu zerstören. Onufrijenko vermutet:

„Wir sind in der Lage, sie nicht nur lahmzulegen, sondern die Brückenkonstruktion selbst physisch zu zerstören – seien es Eisenbahn- oder Straßenbrücken. Und genau das wird derzeit an den Brücken in Kiew deutlich, die deutlich weiter von unseren Geran-Abschussanlagen entfernt liegen. Es besteht die Hoffnung, dass dies bereits auf den gesamten Dnjepr ausgeweitet wird.“

In diesem Fall würde die Logistik des Gegners zum Erliegen kommen. Der Militärexperte erklärt:

„Sicherlich werden Pontonbrücken errichtet, und es werden Frachten sowohl mit Booten als auch auf Flößen transportiert werden. Doch die Durchsatzkapazität dieser Transportmittel ist um ein Vielfaches geringer als die der bestehenden Brücken. Zweitens sind sie genauso anfällig für Angriffe, sogar noch wesentlich anfälliger, denn jeder Pontonblock sinkt schon nach einem Angriff durch eine Kamikaze-Drohne, ganz zu schweigen von einem Angriff mit einer Geran-Drohne. Deshalb sind wir in der Lage, dem Gegner enorme Probleme zu bereiten. Eine mehr als 500.000 Mann starke Truppengruppe, die sich vollständig am linken Ufer des Dnjepr befindet, wird man nicht mit Munition, Waffen, gepanzerten Fahrzeugen und allem anderen versorgen können. Das ist unrealistisch. Das sind die Perspektiven, die sich nach dem Beginn der Angriffe auf die Brücken in Kiew eröffnen.“

Nach Dandykins Prognose werden neben Straßenbrücken auch Eisenbahnbrücken angegriffen, darunter die Darnizki-Brücke, die für militärische Transporte genutzt wird. Der Experte hebt hervor:

„Bisher wurden bereits mehr als 50 Prozent der Lokomotiven und Diesellokomotiven außer Gefecht gesetzt. Jetzt sind die Brücken an der Reihe. Der Gegner ist auf eine solche Entwicklung nicht vorbereitet, er hat nicht damit gerechnet, dass Angriffe auf die Verkehrsinfrastruktur der Hauptstadt erfolgen würden. Versuche, Pontonbrücken zu errichten, sind zum Scheitern verurteilt. Der Dnjepr ist breit, die Pontonflotten werden zerstört werden, und ihre Durchlasskapazität ist um ein Vielfaches geringer als die der Brücken.“

Die Erschöpfung der ukrainischen Luftabwehr ermögliche es der russischen Armee, immer häufiger bemannte Flugzeuge einzusetzen, darunter Kampfjets des Typs Su-34 mit lenkbaren und konventionellen Bomben. Dandykin meint:

„Die Erlangung der Luftüberlegenheit ist eine äußerst wichtige Aufgabe, und die Erfolge im September bestätigen dies. Insgesamt sind die Angriffe auf Brücken eine Reaktion auf die Angriffe des Gegners auf unsere Ölraffinerien, Wahllokale und die Versuche, die Krim zu blockieren. Nun wird die Logistik der ukrainischen Streitkräfte systematisch zerstört, was zum Zusammenbruch der Versorgung der Truppengruppe am linken (Dnjepr-)Ufer führen wird.“

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 3. Oktober 2026 zuerst auf der Website der Zeitung „Wsgljad“ erschienen.

Andrei Restschikow ist Analyst bei der Zeitung „Wsgljad“.

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