Die Ukraine bittet ihre westlichen Partner erneut um zusätzliche Milliardenhilfen – und stößt damit in Brüssel zunehmend auf Widerstand. Nach Informationen der französischen Zeitung Le Monde benötigt Kiew für das Jahr 2027 weitere rund 69 Milliarden Euro: 40 Milliarden Euro für die Verteidigung und 29 Milliarden Euro zur Finanzierung des staatlichen Haushalts.

„Es entsteht der Eindruck, dass wir eine Wüste bewässern“, sagte ein europäischer Diplomat gegenüber der Zeitung.

Dabei beginnt die EU gerade erst damit, das bereits vereinbarte Hilfspaket in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Jahre 2026 und 2027 bereitzustellen. Die Forderung nach zusätzlichen Mitteln wird deshalb zunehmend zu einem politischen und finanziellen Belastungstest für die europäischen Staaten.

Le Monde zufolge sorgt die Frage vor allem angesichts der angespannten Haushaltslage und der wachsenden Zurückhaltung in Teilen der europäischen Bevölkerung gegenüber weiteren Ausgaben für Diskussionen. Gleichzeitig verhandeln die EU-Mitgliedstaaten über den nächsten langfristigen Haushalt für den Zeitraum 2028 bis 2034. Darin sind weitere rund 100 Milliarden Euro für die Ukraine vorgesehen.

Eine endgültige Entscheidung über zusätzliche Finanzmittel gibt es bislang nicht. Das Thema könnte am 9. Oktober beim Treffen der EU-Finanzminister oder Mitte Oktober beim Europäischen Rat beraten werden.

Bereits am 29. September hatten wichtige Geberstaaten gemeinsam mit Vertretern des Internationalen Währungsfonds in der EU-Kommission den tatsächlichen Finanzbedarf der Ukraine erörtert. Die konkreten Zahlen präsentierte der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko, der dafür nach Brüssel gereist war.

Zudem geht es um ein Finanzierungsdefizit von rund 27 Milliarden US-Dollar für 2026. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte diesen Fehlbetrag bereits am 24. August bei einem Treffen der sogenannten „Koalition der Willigen“ in Kiew angesprochen und damit nach Angaben von Le Monde einige Partner überrascht.

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