Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA verzögert die Zulassung der Boeing 737 Max 10 aufgrund eines neuen Softwareproblems. FAA-Administrator Bryan Bedford zufolge untersucht die Behörde, ob das Softwareproblem ein Sicherheitsrisiko darstellt. Die Zulassung der 737 Max 10 wurde in den kommenden Wochen erwartet, wird aber so lange verschoben, bis die FAA sich vergewissert hat, dass auch wirklich kein Sicherheitsrisiko besteht.
Keine kleine Sache: Es geht hier um die Zulassung des größten Mitglieds der meistverkauften Schmalrumpfflugzeug-Baureihe von Boeing. Nach den Äußerungen des Administrators fielen die Boeing-Aktien auf den niedrigsten Stand seit November 2025 – und schlossen mit einem Minus von 6,9 Prozent bei 184,39 US-Dollar.
Boeing erklärte ganz routinemäßig, man richte sich weiterhin nach den Vorgaben der FAA im Zertifizierungsprozess.
Bedford erklärte, seine Behörde habe die kleinere 737 MAX 7 mit derselben neuesten Softwareversion zertifiziert wie bei der MAX 10. Diese behebe zwar ein bekanntes Problem im vertikalen Navigationssystem, führe aber unerwartet einen neuen, wenn auch kleineren (wie es heißt) Fehler ein. Dieser Fehler ist anscheinend während des Zulassungsprozesses der MAX 7 noch nicht aufgetreten und konnte erst später bemerkt werden.
Das Problem betrifft den Teil des Navigationssystems, der automatisch ein voreingestelltes Höhenprofil gemäß einer programmierten Flugroute beibehält. Der Fehler kann unter folgenden bestimmten Umständen auftreten: Piloten führen nach einem Präzisionslandeanflug mit eingeschaltetem Autopiloten ein Durchstartmanöver aus und ändern anschließend die im Bordcomputer programmierte Flugroute.
In diesem Fall kann sich das vertikale Navigationssystem deaktivieren, wodurch das Flugzeug einige automatische Nicksteuerungsfunktionen verliert. Der Autopilot als solcher bleibt jedoch verfügbar, und Boeing betont, dass Piloten für den sicheren Betrieb des Flugzeugs auch ohne das vertikale Navigationssystem geschult sind:
„Die Piloten behalten die Kontrolle über das Flugzeug. Sie trainieren für solche Szenarien.“
Allerdings kann die Deaktivierung dieser Automatikfunktion die Arbeitsbelastung der Besatzung in einem besonders kritischen Moment des Fluges erhöhen – nämlich genau dann, wenn sich das Flugzeug bereits in Bodennähe befindet und die Piloten gleichzeitig nach einer abgebrochenen Landung einen Durchstart ausführen.
Bei der US-Luftfahrtbehörde kommentierte man die Sache in einer Stellungnahme im Anschluss an Bedfords Bemerkungen wie folgt:
„Die Sicherheit bestimmt den Zeitplan für die Zertifizierung. Wir führen unsere Sicherheitsprüfung durch, um diesen Softwarefehler zu untersuchen, und werden gegebenenfalls unverzüglich Maßnahmen ergreifen.“
Bedford erklärt weiter:
„Wir untersuchen derzeit die Arbeitsbelastung in diesen weniger berechenbaren Situationen – und wie wir diese bewerten sollen. Wir haben noch nicht entschieden, ob es sich um ein Sicherheitsrisiko handelt. Wir werden die Zulassung der 737 Max 10 jedoch verschieben, bis wir sicher sind, dass hier kein Problem vorliegt.“
Die Zertifizierung der Max 10 wurde in den kommenden Wochen erwartet. Dieser lang ersehnte regulatorische Meilenstein ist für Boeing von zentraler Bedeutung, um nach einigen turbulenten Jahren wieder schwarze Zahlen zu schreiben und die eigene Bilanz zu verbessern.
Entscheidend ist er auch für das Bestreben des US-Flugzeugherstellers, die Dominanz des europäischen Konkurrenten Airbus SE auf dem überaus lukrativen Markt der Schmalrumpf-Passagierjets anzugreifen: Schon jetzt übersteigen die aufgegebenen Bestellungen für die Boeing 737 Max 10 die Zahl von 1.500 Flugzeugen und machen die Maschine zu einer der beliebtesten 737-Max-Varianten.
Die MAX 10 ist das größte Modell der 737-Familie und ein wichtiger Bestandteil von Boeings Plan, den hohen Auftragsbestand an Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen abzuarbeiten. Daher könnten zusätzliche Zertifizierungsarbeiten neue Herausforderungen für dieses Programm mit sich bringen – für ein Programm, das bereits seit Jahren von Verzögerungen geplagt ist.
Die US-amerikanischen Fluggesellschaften gaben derweil an, dass sie keine MAX-Flugzeuge mit diesem Problem hätten. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass sie bei Bedarf auf ältere Software für diese Modelle zurückgreifen können und dürfen. Daher sind sie nicht so dringend auf die neuere Version angewiesen, die das oben skizzierte potenzielle Problem aufweist.
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