Genau wie damals 2008 steigen 2026 die Zinsen. Die Folge: Staatsanleihen verlieren an Wert. Deshalb lassen die  Banken ihre Papiere lieber im Depot. Warum das gefährlich werden kann, zeigte 2023 die Pleite der Silicon Valley Bank.

Von MEINRAD MÜLLER | In den Jahren 2020 und 2021 boomte die amerikanische Technologiebranche. Junge Unternehmen brachten Milliarden zur Silicon Valley Bank. Ihre Kundeneinlagen stiegen auf 189 Milliarden Dollar. Wohin mit dem vielen Geld? Die Nachfrage nach Krediten war gering. Also kaufte die Bank für Milliarden Staatsanleihen. Sie wollte auf Nummer sicher gehen. Schließlich gilt Vater Staat als zuverlässiger Schuldner.

Wie aus 5 Cent 1000 Dollar werden

Staatspapiere sind kein Sachwert. Punkt. Während eine Kuh ein realer Sachwert auf vier Beinen ist, braucht der Staat weder Stall noch Heu. Er lässt einfach die Druckerpresse laufen und druckt auf jedes DIN-A4-Blatt ganz dick das Wort „STAATSANLEIHE“.

Das Blatt Papier kostet keine 0,5 Cent, bringt aber 1.000 Dollar ein. Dafür verspricht Vater Staat jährlich Zinsen und nach zehn Jahren die Rückzahlung der 1.000 Dollar.

Wenn die neuen Kühe fünfmal mehr Milch geben

Stellen wir uns vor, Vater Staat hätte der Bank damals statt einer Anleihe eine Kuh für 1.000 Dollar verkauft. Sie sollte jährlich zehn Liter Milch geben. Nach zehn Jahren würde er sie für 1.000 Dollar zurücknehmen. Die Bank war zufrieden. Bessere Kühe gab es damals zu vergleichbaren Bedingungen nicht.

Das ist wie in der Landwirtschaft. 1960 gab eine Kuh vielleicht acht Liter Milch am Tag. Heute schafft eine moderne Hochleistungskuh 35 Liter. Hätte man die alte Rasse unverändert behalten, würde heute kaum noch ein Bauer diese Rasse kaufen.

Die Turbo-Kühe aus der Druckerpresse

Höher, schneller, weiter. Auch Geld soll möglichst viel Milch geben. Nur nennt man das bei Staatsanleihen Zinsen. Im September 2026 bringen zehnjährige US-Staatsanleihen rund 5,1 Prozent Rendite. Vater Staat muss jetzt mehr Zinsen bieten, damit die Anleger ihm sogar seine neuen Kühe überhaupt noch abkaufen wollen.

Für 1.000 Dollar gibt es jetzt rechnerisch 51 Liter Milch im Jahr statt nur 10. Wer würde da noch 1.000 Dollar für die alte Kuh bezahlen? Wer würde einer Bank die alten schwachbrüstigen Staatsanleihen aus dem Jahr 2021 denn überhaupt noch abkaufen wollen?

Die alten Kühe bleiben im Stall, bis der Metzger kommt

Deshalb behalten die Banken ihre alten Kühe lieber. In ihren Büchern können die entsprechenden Staatsanleihen mit dem ursprünglichen Kaufpreis stehen. Das nennt sich „Hold to Maturity“. Auf Deutsch: Halten bis zur Fälligkeit. Die Bank wartet, bis Vater Staat die Kuh zum vereinbarten Preis zurücknimmt.

Doch was bezahlt ein Käufer heute für die alten Staatsanleihen? 80 oder nur noch 70 Prozent? Besonders drastisch ist der Wertverlust bei Papieren mit langer Laufzeit. Eine 2021 ausgegebene amerikanische Staatsanleihe mit ursprünglich 30 Jahren Laufzeit wurde am 22. September 2026 für rund 59 Prozent ihres Nennwerts gehandelt. Wer dafür einst 1.000 Dollar bezahlt hatte, bekam beim Verkauf nur noch rund 590 Dollar. Fast die Hälfte ist futsch! Das ist keine Vermutung. Die Börsenkurse verraten stündlich, was die alten Papiere heute noch wert sind.

Am 9. März 2023 war die Bank pleite

Also bleiben die alten Kühe bei den Banken im Stall. Dort geben sie weiterhin Milch, sprich die ursprünglich vereinbarten Zinsen. Und in den Büchern sieht der Bauernhof besser aus als auf dem Viehmarkt. Bis die Anleger an ihr Geld wollen.

Genau hier begann im März 2023 das Drama der Silicon Valley Bank. Schon damals hatten steigende Zinsen den Verkaufswert ihrer alten Papiere gedrückt. Doch immer mehr Kunden wollten an ihr Geld. Die Bank verkaufte Wertpapiere für rund 21 Milliarden Dollar. Dabei verlor sie rund 1,8 Milliarden Dollar.

Eine Bankaktie ist ein Stück vom Bauernhof

Die Kunden wurden nervös. Am 9. März verlangten sie die Auszahlung von rund 42 Milliarden Dollar. Einen Tag später wurde die  Bank geschlossen. Die amerikanischen Behörden griffen ein. Die Kunden bekamen ihre Guthaben vollständig zurück. Die Aktionäre hingegen wurden nicht gerettet. Wer Bankaktien kauft, sollte wissen: Er kauft ein Stück des Bauernhofs. Geht der Hof pleite, kann seine Beteiligung vollständig verloren sein.


MEINRAD MÜLLER (71), Unternehmer im Ruhestand, kommentiert mit einem zwinkernden Auge Themen der Innen-, Wirtschafts- und Außenpolitik für diverse Blogs in Deutschland. Der gebürtige Bayer greift vor allem Themen auf, die in der Mainstreampresse nicht erwähnt werden. Seine humorvollen und satirischen Taschenbücher sind auf Amazon zu finden. Müllers bisherige Beiträge auf UNSER MITTELEUROPA gibt es
hier, seinen Ratgeber für Hobbyautoren hier.



UNSER MITTELEUROPA erscheint ohne lästige und automatisierte Werbung innerhalb der Artikel, die teilweise das Lesen erschwert. Bei uns gibt es auch keine Zahlschranke und aufdringliche Pop-Ups. Falls Sie das zu schätzen wissen, sind wir für eine Unterstützung unseres Projektes dankbar.

Details zu Spenden (PayPal oder Banküberweisung) hier.



 

Bitte unterstützen Sie unseren Kampf für Freiheit und Bürgerrechte. Und auch gegen die Klima-Hysterie, die letztlich der Nährboden für Programme ist, die uns das Geld aus der Tasche ziehen sollen, wie wir bereits jetzt schon erfahren dürfen. Stichwort: Energiewende. Und das ist erst der Anfang! Die Umverteilung von unten nach oben hat gerade erst begonnen.

Für jede Spende (PayPal oder Banküberweisung) ab € 10.- erhalten Sie als Dankeschön auf Wunsch ein Dutzend Aufkleber „KLIMA-HYSTERIE? NEIN DANKE“ portofrei und gratis! Details hier.

 



x

Abbildung des Banners Meinung ist keine Straftat
Nach oben scrollen