Der auf Initiative von US-Präsident Donald Trump ins Leben gerufene „Rat des Friedens“ hat einen Plan für den sechsmonatigen Wiederaufbau des Gazastreifens vorgestellt und den baldigen Beginn der Arbeiten angekündigt. Für die erste Phase sind 2,45 Milliarden Dollar vorgesehen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Bericht von Axios.
Der Plan umfasst 66 Projekte und ist das Ergebnis einer einjährigen Arbeit von Vertretern des Rates und der palästinensischen technokratischen Regierung. Dem Rat gehören 28 Staaten an. Im Mittelpunkt stehen zunächst die dringendsten Bedürfnisse der Bevölkerung. Dazu gehören die Bereitstellung von Unterkünften, die Wiederherstellung der Wasser- und Stromversorgung, die Beseitigung von Trümmern und nicht explodierter Munition sowie die Reparatur von Krankenhäusern. Auch Sicherheitsmaßnahmen sind vorgesehen.
In Infrastrukturprojekte soll rund eine Milliarde Dollar fließen. Für den Sicherheitsbereich sind weitere 885 Millionen Dollar eingeplant. In Rafah soll zudem ein dauerhafter, befestigter Standort für bis zu 5.000 Angehörige der internationalen Stabilisierungskräfte entstehen.
Milliarden zugesagt, aber bislang kaum ausgezahlt
Bei einem Treffen mit Mitgliedern des „Rates des Friedens“ am Rande der UN-Generalversammlung in New York räumte Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn und Mitglied des Gaza-Exekutivkomitees des Rates, ein, dass die Finanzierung des Vorhabens bislang hinter den Zusagen zurückbleibt. Seinen Angaben zufolge haben mehrere Länder insgesamt 18 Milliarden Dollar zugesagt. Tatsächlich seien bislang jedoch lediglich 280 Millionen Dollar abgerufen worden. Kushner erklärte:
„Das Projekt hatte aus verschiedenen Gründen mit Verzögerungen zu kämpfen. Das Ziel des heutigen Treffens bestand im Wesentlichen darin, Ihnen zu zeigen: Wir sind fest entschlossen, das Vorhaben umzusetzen.“
Die Organisatoren wollen nun weitere Mittel mobilisieren und darauf drängen, dass die bereits zugesagten Gelder bereitgestellt werden. Die Umsetzung des Wiederaufbauplans steht jedoch neben der Finanzierung auch vor politischen und sicherheitspolitischen Herausforderungen.
71,4 Milliarden Dollar für zehn Jahre
Der jetzt vorgestellte Plan für die ersten sechs Monate ist lediglich der Auftakt eines wesentlich umfangreicheren Wiederaufbauprogramms. Laut dem „Rat des Friedens“ wird der physische Schaden im Gazastreifen auf rund 35,2 Milliarden Dollar geschätzt. Für den vollständigen Wiederaufbau werden in den kommenden zehn Jahren weitere 71,4 Milliarden Dollar benötigt.
Die Mitglieder des Rates wollen deshalb auf eine rasche Auszahlung der bereits zugesagten Mittel drängen und weitere Gelder mobilisieren. Auch Steve Witkoff, US-Sondergesandter für Friedensmissionen und Mitglied des Exekutivkomitees für Gaza, zog eine Bilanz der vergangenen Monate:
„Vor einem Jahr sah die Situation bei den Vereinten Nationen noch ganz anders aus. Heute können wir auf echte, greifbare Fortschritte verweisen. Alle Geiseln sind zu Hause. Es gilt eine Waffenruhe – so unvollkommen sie auch sein mag, sie gilt weiterhin. Die humanitären Bemühungen haben historische Ergebnisse erzielt: Milliarden Dollar wurden bereitgestellt, gespendet und zugesagt, um den dringenden Bedarf zu decken und die langfristigen Wiederaufbaubemühungen zu unterstützen.“
EU arbeitet mit dem Rat zusammen
Der „Rat des Friedens“ geht auf eine Initiative von US-Präsident Donald Trump zurück. Im November 2025 wurde er durch eine Resolution des UN-Sicherheitsrates als Übergangsverwaltung für den Gazastreifen gebilligt. Im Januar 2026 wurde die Charta des Rates in Davos ratifiziert. Der Rat erhielt ein Mandat für eine Übergangsverwaltung im Gazastreifen und soll die Wiederaufbauarbeiten koordinieren. Zudem ist der Einsatz einer internationalen Stabilisierungstruppe vorgesehen. Diese soll unter anderem zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und zur Stabilisierung der Sicherheitslage beitragen.
Dem Rat gehören nach Angaben Trumps knapp 30 Staaten an. Die Europäische Union ist der Organisation bislang nicht beigetreten, beteiligt sich jedoch an Gesprächen und Koordinierungsformaten mit ihr. So nahm die EU-Kommissarin für den Mittelmeerraum, Dubravka Šuica, am 23. September an einer hochrangigen Unterrichtung des Rates am Rande der UN-Generalversammlung in New York teil.
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