Nachdem sich führende Linke-Politiker von der Anwesenheit des Berliner Clanchefs Issa Remmo auf einer Wahlparty der Linken distanziert haben, gibt es nun eine neue Wendung in der Diskussion um die Nähe der Partei zum Remmo-Clan. Der Sohn von Issa Remmo meldete sich zu Wort. Auf Instagram postete Firas Remmo den Screenshot eines Chats mit dem Neuköllner Linke-Politiker und Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak. Datiert ist der Chat auf den 17. Februar.
Darin sprechen sich Remmo und Koçak gegenseitig mit „Bruder“ an. „Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater“, schreibt der Linke-Politiker. Zudem bittet er den Remmo-Sohn, einen Videoausschnitt seiner Bundestagsrede zu verbreiten, in der Koçak die pauschale Einstufung von Menschen als Clanmitglieder „allein aufgrund ihres Nachnamens“ verurteilt. Zudem wendet er sich gegen den Begriff „Clankriminalität“, da dies „kein klar definierter Straftatbestand“ sei, sondern „ein politischer Kampfbegriff“.


Firas Remmo teilte die Bundestagsrede auf Instagram und postete direkt im Anschluss den Screenshot des Chats, dem er folgenden Kommentar hinzufügte: „Wir sind Teil von etwas Großem. Wir stehen zusammen, wir halten zusammen und wir kämpfen gemeinsam für unsere Ziele. Denn wir sind nicht hier, um nur dabei zu sein – wir sind hier, um zu schaffen, zu bewegen und zu gewinnen. Wir sind Sieger. Wir sind Macher. Wir sind ein Team. Und gemeinsam schaffen wir Dinge, die alleine niemals möglich wären.“
Die Linken-Parteivorsitzende Ines Schwerdtner, die offenbar bereits über den Chat-Post informiert war, kündigte an, die Angelegenheit mit Koçak „klären“ zu wollen.
Issa Remmo war nach dem Erfolg der Linken bei der Abgeordnetenwahl in Berlin auf einer Wahlparty des Neuköllner Bezirksverbands aufgetaucht, dem auch Koçak angehört. Der Neuköllner Bezirksverband distanzierte sich von Remmo. „Es handelte sich um eine öffentliche Veranstaltung, zu der auch ungeladene Personen Zutritt hatten“, teilte Jorinde Schulz aus dem Bezirksvorstand auf Anfrage der dpa mit.
Remmo habe nicht auf der Anmeldeliste gestanden, erklärte Schulz. „Es gibt weder politische noch persönliche Beziehungen zu dieser Person“, bekräftigte sie. Remmos Besuch der Wahlparty habe daran „selbstverständlich nichts geändert“.
Auch der Landesgeschäftsführer der Berliner Linken, Bjoern Thielebein, versicherte: „Typen wie er sind definitiv nicht Verbündete von uns. Er war weder eingeladen noch stand er auf irgendeiner Gästeliste. Alles, was man über diesen Menschen hört und weiß, ist widerlich.“
Bereits am Sonntagabend hatte Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp erklärt, Remmo habe die Wahlparty verlassen müssen. „Er war nicht eingeladen und wurde wieder rausgeschickt“, sagte sie. „Mit organisierter Kriminalität haben wir nichts zu tun, die bekämpfen wir“, bekräftigte Eralp.
Am Rande der Veranstaltung hatte Remmo gegenüber der Morgenpost gesagt, dass er sich über das Ergebnis der Linken in Berlin freue. Er fühle sich erstmals von einer Partei in Deutschland unterstützt. Zu den Antisemitismusvorwürfen gegen Teile der Berliner Linken sagte der Clanchef: „Die Berliner Linke ist Juden gegenüber nicht feindlich eingestellt. Ich würde keinen judenfeindlichen Politiker wählen.“
Issa Remmo gilt als Oberhaupt der aus dem Libanon stammenden Großfamilie, die seit den 1980er-Jahren in Berlin lebt. Familienmitglieder werden von Ermittlungsbehörden und Medien regelmäßig im Zusammenhang mit Clankriminalität genannt. Angehörige des Remmo-Clans wurden wegen aufsehenerregender Straftaten verurteilt. Dazu gehören der Diebstahl der Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Berliner Bode-Museum im Jahr 2017 und der Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden im Jahr 2019.
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