Von Stanislaw Leschtschenko
Der finnische Verband für Kamine und Schornsteine hat nicht ohne Stolz mitgeteilt, dass die von allen Haushalten des Landes angehäuften Brennholzvorräte ein Wärmespeicherpotenzial von etwa 6,6 TWh bergen, was in etwa der jährlichen Energieproduktion eines Kernreaktors entspricht. Jari Hautala, Vorstandsmitglied des Verbandes, bemerkt:
„Die finnischen Holzstapel sind praktisch ein nationaler Wärmespeicher.“
Bereits heute decke Holz als Brennstoff in Finnland etwa 30 Prozent des gesamten Energieverbrauchs.
Dabei beklagt sich der Verband über die „Unbewusstheit“ der Bevölkerung. Angeblich verzichteten viele Finnen beim Bau neuer Häuser darauf, Öfen und Kamine einzubauen. Hautala betont:
„Der Börsenpreis für Strom kann sich innerhalb von 15 Minuten ändern. Brennholz hingegen kann man schon im Voraus zu einem günstigen Preis für den Winter kaufen und im eigenen Garten lagern.“
Diese einfache Wahrheit haben viele Finnen erkannt – seit 2023 werden in Finnland zu Heizzwecken solche Mengen an Holz verbrannt, die mit dem Verbrauch eines großen Holzverarbeitungswerks vergleichbar sind. Bekanntlich ist die Nachfrage nach Brennholz in Finnland nach dem Einstellen der Holzlieferungen aus Russland stark gestiegen. Bis 2022 war Russland der Hauptlieferant von Rundholz nach Nordeuropa. Allein im Jahr 2021 importierte Finnland rund zehn Millionen Kubikmeter Holz aus Russland.
Nun verbrennen die Finnen notgedrungen nicht nur Energieholz, sondern auch Holz, das für die Zellstoff- und Papierindustrie geeignet ist. Nach Angaben des finnischen Statistikamtes werden etwa 18 Prozent des gesamten im Land geschlagenen Rundholzes direkt verbrannt. Dabei wird fast die Hälfte dieser Menge in Privathaushalten verwertet, der Rest in den Kesseln von Heiz- und Kraftwerken. In der Branchenzeitung Maaseudun Tulevaisuus wird betont, dass die fortgesetzte Nutzung von Holz zum Heizen eine „kluge Entscheidung“ sei.
Allerdings sind bei Weitem nicht alle in Finnland gleichermaßen stolz auf diesen Prozess. Andere Experten beklagen, dass das Land, das noch vor Kurzem Forstprodukte im Wert von Milliarden Euro exportierte, heute seine eigenen Wälder lediglich zum Heizen verbrennt.
Nach Angaben des finnischen Waldzentrums belief sich das Einschlagvolumen in privaten Wäldern im Jahr 2024 auf rund 65 Millionen Kubikmeter – elf Millionen mehr als im Jahr zuvor und 7,5 Millionen mehr als im Jahr 2021. Die dramatischsten Folgen des Brennholzbooms spürt derzeit die finnische Forstwirtschaft – eine Branche, die historisch gesehen das Rückgrat der nationalen Wirtschaft bildete.
Die größten Hersteller von Holzprodukten – UPM, Stora Enso, die Metsä Group – melden einen drastischen Rückgang ihrer Gewinne und sind gezwungen, Produktionsstätten zu schließen. Timo Aalto, Geschäftsführer des Verbandes finnischer Sägewerke, beklagt:
„Der Holzpreis ist weitaus stärker gestiegen als der Preis für das Endprodukt – das Schnittholz. Das Preisverhältnis zwischen Rundholz und Schnittholz hat den höchsten Stand der letzten fünfzehn Jahre erreicht, was die wirtschaftliche Lage äußerst schwierig macht.“
Im August 2026 wurde bekannt, dass das Zellstoffwerk Metsä Fibre in Joutseno (einem Vorort von Lappeenranta) nahe der russischen Grenze möglicherweise endgültig geschlossen wird. Grund dafür sind die Einstellung der Holzimporte aus Russland und der Preisverfall für Zellstoff in China. Dabei ist das Werk in Joutseno eines der ältesten finnischen Zellstoff- und Papierwerke, dessen Geschichte bis ins Jahr 1909 zurückreicht.
Das Problem all dieser Betriebe besteht darin, dass Holz, das als industrieller Rohstoff dienen könnte, nun in den Kessel wandert. Das bedeutet, dass Finnland faktisch sein industrielles Potenzial verschleudert, indem es das verbrennt, was eigentlich Mehrwert und Arbeitsplätze schaffen könnte.
Auch Umweltschützer sind über diese Entwicklung empört. Im vergangenen Jahr übte der World Wide Fund for Nature (WWF) scharfe Kritik an der Forstpolitik Finnlands und Schwedens. Der WWF betonte:
„Tausende Hektar Wald mit hohem Naturschutzwert werden jedes Jahr abgeholzt, trotz ihrer Bedeutung für die Klimastabilität, die Artenvielfalt und die langfristige ökologische Gesundheit.“
Die Umweltwissenschaftlerin Kelsey Perlman stellt fest:
„In Finnland ist der Holzeinschlag mittlerweile so intensiv, dass der Forstsektor seit mindestens fünf Jahren mehr Treibhausgase ausstößt, als die verbleibenden Wälder binden können.“
Von den Abholzungen sind unter anderem auch alte Wälder betroffen – Ökosysteme, die sich über Jahrhunderte hinweg gebildet haben und nicht schnell wiederhergestellt werden können. Da jedoch keine Lieferungen aus Russland mehr erfolgen, haben die Skandinavier keine andere Wahl – im vergangenen Jahr wandten sich Finnland und Schweden an die Europäische Kommission mit der Bitte, ihnen eine „flexible“ Anwendung der strengen EU-Vorschriften für Wälder zu gestatten.
Die EU-Richtlinie über Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) legt für die EU-Länder rechtsverbindliche Zielvorgaben für den Netto-Kohlenstoffabbau für den Zeitraum der Jahre 2026 bis 2030 fest und verlangt, dass die Flächen und Wälder jedes Staates nicht zu einer Netto-Emissionsquelle werden. Nach Erhalt der Bitte der Schweden räumte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein, dass es für einige Länder „schwierig“ sei, die LULUCF-Ziele zu erreichen, und versprach, nach „pragmatischen Lösungen“ zu suchen. In der Folge forderten mehr als 50 Umwelt-NGOs die Europäische Kommission auf, den Antrag auf „Flexibilität“ abzulehnen, da dieser die Klimapolitik der EU untergrabe und einen gefährlichen Präzedenzfall schaffe.
Der Politologe Maxim Rewa ist der Ansicht, dass die Situation rund um den Brennholzboom in Finnland ein klassisches Beispiel dafür ist, wie ein geopolitischer Schock eine Kette von Ereignissen mit unvorhersehbaren Folgen auslösen kann. Er erklärt:
„Die Einstellung der Lieferungen russischer Rohstoffe wurde der finnischen Bevölkerung von den Behörden als ‚Notwendigkeit‘ und ‚Preis für die Beseitigung unserer Abhängigkeit von einem aggressiven Nachbarn‘ auferlegt.
Die Intensivierung der Abholzung und die Verbrennung immer größerer Mengen an Holz haben jedoch dazu geführt, dass solche Erklärungen die Finnen mittlerweile eher verärgern. Die finnische Forstwirtschaft befindet sich in einer doppelten Zwickmühle: Einerseits herrscht Rohstoffknappheit und die Preise steigen, andererseits sinkt die Nachfrage nach Papier aufgrund der Digitalisierung. Die Verbrennung von Holz, das für die Produktion geeignet wäre, verschärft diese Situation noch und beraubt die Branche potenzieller Rohstoffe.“
Er fügt hinzu, dass die ökologischen Folgen für Finnland zwar verzögert, aber irreversibel sind. Der Experte betont:
„Es geht um die Frage, welches Land die Finnen ihren Kindern hinterlassen wollen: ein Land mit gesunden Ökosystemen oder ein Land, das wegen eines Konflikts mit Russland seine Wälder verbrannt hat, um einige kalte Winter zu überstehen. Die ‚grüne‘ Identität Finnlands, eines Landes, das einst stolz auf seine prächtigen Waldgebiete war, steht nun stark in Frage.“
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 16. September 2026 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Stanislaw Leschtschenko ist Analyst bei der Zeitung Wsgljad.
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