Von Dawid Narmanija

Verlust der Initiative

Die Offensive der Huthi in den ersten Septembertagen verlief ursprünglich weder schlecht noch recht. Mehr noch, an einigen Abschnitten gingen die Kräfte des Präsidialrats in die Offensive über – etwa in der Provinz al-Hudaida sowie im zentralen Teil des Landes, in den Provinzen al-Dschauf und Ma’rib. Sie erhielten Luftunterstützung von der saudischen Luftwaffe, die allein in den ersten Kampftagen 120 Angriffe gegen die Stellungen von Ansar Allah (wie die Huthi offiziell heißen) flog.

Doch in der Nacht vom 9. auf den 10. September brachen die Huthi im Südwesten durch und nahmen die Städte Mokka und Hais sowie später die Inseln Hanisch und Perim in der Straße Bab al-Mandab. In al-Dschauf schlugen sie ihre Gegner in die Flucht und erbeuteten Lager mit Waffen und Kriegsgerät, darunter Panzerwagen Oshkosh. Wie der militärische Sprecher der Bewegung Yahya Sari ankündigte, brachten die Huthi eine Fläche von 5.400 Quadratkilometern unter ihre Kontrolle. Dabei griff die saudische Luftwaffe weiter an und flog innerhalb von fünf Tagen über 300 Einsätze.

Doch auch die Huthi blieben keine Antwort schuldig: Ihre Raketen und Drohnen trafen die Ölraffinerie in Dschisan, eine der größten in Saudi-Arabien, ein Öllager in Abha und die King Khalid Air Base in Chamis Muschait. Zudem schossen sie nach Angaben Saris eine F-15 der saudischen Luftwaffe im Himmel über dem Gouvernement Ma’rib ab.

KI und mehr

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Entwicklung ist die Zersplitterung von Kräften, die den Huthi gegenüberstehen. Im Januar eroberte die international anerkannte Regierung Jemens Gebiete zurück, die zuvor vom Südlichen Übergangsrat (STC) eingenommen worden waren, der die Gründung eines separaten Staats fordert. Doch hinter der scheinbaren politischen Konsolidierung kam es nicht zu einer realen Vereinigung. Einzelne Formationen des STC unterstanden dem jemenitischen Präsidialrat nur formell, was zum ungünstigsten Zeitpunkt zum Vorschein kam.

Beispielsweise versuchten Einheiten des STC während der gegenwärtigen Eskalation, den Verteidigungsminister des Jemen Tahir al-Akili zu verhaften, als dieser die Stadt ad-Dali besuchte. Zuvor war das Militärressort nämlich von Mohsen ad-Daeri, einem Einheimischen, der vom STC unterstützt wurde, geleitet worden.

Die Huthi nutzten die fehlende Koordination unter ihren Gegnern aus. Wie der von der jemenitischen Regierung kontrollierte Fernsehkanal Al-Dschumhurija berichtet, kopierten sie mithilfe einer KI die Stimme des Vizepräsidenten des Präsidialrats, Oberst Tarik Saleh, und nahmen ein gefälschtes Audio auf, das die Soldaten zu einem Rückzug wegen eines Verrats aufrief.

Die Audioaufnahme verbreitete sich schnell über soziale Netzwerke. Eines der Accounts, der sie teilte, hatte rund 560.000 Abonnenten.

Darüber hinaus machte der Konzern Anthropic im Norden des Jemen eine Gruppe ausfindig, die seinen KI-Agenten Claude zur Entwicklung von Raketensoftware nutzte. Anthropic merkte an:

„Wir haben keine Beweise dafür, dass sie ein funktionierendes Gerät in Betrieb nehmen konnten, allerdings führten sie den Probeflug eines Marschflugkörpers durch. Anscheinend verlief dieser erfolglos – nach wenigen Tagen wandten sich die gleichen Menschen an Claude wieder, um die Gründe für das Scheitern zu ermitteln.“

Wie dem auch sei, die Angriffsmöglichkeiten der Huthi haben erheblich zugenommen. Sie veröffentlichten mehrere Videos, die Drohnenaufnahmen ihrer Raketentreffer zeigten.

Globale Folgen

Auch wenn der Konflikt im Jemen als lokal gilt, kann er globale Folgen haben. Die Huthi brachten die Straße von Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle, die gemeinsam mit der bereits blockierten Straße von Hormus als eine der wichtigsten Handels- und Öltransportadern für die ganze Welt fungierte. Wegen der Blockierung der Straße von Hormus versuchte Riad, den Export über das rote Meer umzuleiten. Die Huthi warnten offiziell, dass sie keine saudischen Öltanker durch Bab al-Mandab lassen würden. Dabei betonten sie, dass für die Schifffahrt anderer Staaten keine Gefahr bestehe.

Zusätzlich erschweren die ständigen Angriffe auf die Ölinfrastruktur die Lage für Riad. Zu den schwersten Folgen führte der Angriff gegen die Pipeline Ost-West aus dem irakischen Gouvernement Maisan, über die das im Persischen Golf geförderte Öl an die Küste des Roten Meeres transportiert wurde. Die Reparatur der Pipeline könnte sechs Wochen in Anspruch nehmen.

Solche Schocks beeinträchtigen ernsthaft die weltweiten Treibstoffprobleme. Der Wirtschaftsexperte Greg Priddy schrieb für die Zeitschrift The National Interest:

„Der Ölmarkt kommt aus der sommerlichen Selbstberuhigung heraus, die Preise für das Öl der Marke Brent sind nach den Freitagsnachrichten rapide angestiegen. Doch viele wiegen sich immer noch in falscher Sicherheit, weil sie mit der quantitativen Analyse nicht vertraut sind. Nachdem der erste Kriegsschock abgeflaut war, herrschte zu Sommerbeginn die Meinung vor, dass sich die Iran-Krise auf eine Verhandlungslösung zubewege und dass es mehr als genug strategische und kommerzielle Reserven gebe.“

Priddy führte fort: Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass es keine schnelle Lösung gebe, und die sechs Monate Unterbrechung in Lieferungen erschöpften die strategischen und kommerziellen Ölreserven auf der ganzen Welt. Die Benzinpreise in den USA erreichen weitere Spitzenwerte, der Preis für Dieseltreibstoff erreichte sogar den historischen Rekord von 6,30 Dollar pro Gallone. Das ist eine fast zweifache Zunahme seit dem letzten Jahr.

Vor diesem Hintergrund wandte sich Saudi-Arabien nach Angaben von Politico mit der Bitte um Hilfe an die USA. Doch wie die Quelle der Publikation behauptet, versuche Washington, eine aktive Beteiligung an einem weiteren Konflikt im Nahen Osten zu vermeiden. Die USA haben bereits ihre eigene, nicht besonders erfolgreiche Erfahrung der Konfrontation mit den Huthi im Rahmen des Unternehmens Prosperity Guardian. Doch den Einfluss dieses Konflikts auf die weltweite und die eigene Wirtschaft zu ignorieren, fällt dem Weißen Haus nicht leicht.

Riads Lage wird immer verzweifelter. Wie die Zeitung Israel Hayom meldet, hatten die Saudis selbst Tel Aviv um Unterstützung gebeten, zumindest im Bereich von Aufklärungsdaten. Darüber hinaus werden Verhandlungen mit Ägypten geführt. Doch die Region ist bereits durch einen großen Konflikt erschöpft, und wenige sind gewillt, sich in einen zweiten verstricken zu lassen.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 17. September.

Mehr zum Thema – Die Huthi beginnen, den Verlauf der Weltpolitik und des Welthandels zu beeinflussen

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