Wie das Bundesministerium der Verteidigung in einer Pressemitteilung vom 16. September 2026 mitteilte, wird die Bundeswehr Kampfflugzeuge ins Baltikum entsenden. Dies geschehe auf Bitten der lettischen Regierung. Demnach hatte Lettland beantragt, die deutsche Luftwaffe solle den lettischen Luftraum während der Parlamentswahlen absichern. Die Wahlen finden am 3. Oktober statt.
Begründet hatten die lettischen Regierungsvertreter ihr Ersuchen offenbar mit den wiederholten Drohnen-Vorkommnissen der letzten Zeit, bei denen mehrfach der lettische Luftraum verletzt worden sei. Deshalb bitte man die NATO-Bündnispartner um Unterstützung beim Luftraumschutz, um die Parlamentswahlen sicher abhalten zu können.
Tatsächlich war es immer wieder zu Drohnenvorfällen im lettischen Luftraum gekommen. Im Frühjahr 2026 waren mutmaßlich fehlgeleitete ukrainische Drohnen in estnisches und lettisches Gebiet eingedrungen. Im Mai 2026 setzte eine solche wahrscheinlich irregegangene Drohne ein Öllager in der lettischen Stadt Rēzekne in Brand. Auch bei einem NATO-Kampfjet-Einsatz im August 2026 war die bekämpfte Drohne Medienberichten zufolge ukrainischer Herkunft und wohl aufgrund der russischen elektronischen Abwehrmaßnahmen auf lettisches Gebiet abgelenkt worden.
Das deutsche Verteidigungsministerium erklärte nun in seiner Pressemitteilung, die Bundesrepublik stehe „verlässlich an der Seite seiner an der Ostflanke besonders exponierten Verbündeten.“ Man werde deshalb für die Zeit von Ende September bis Anfang Oktober vier Eurofighter nach Lettland verlegen. Die Verlegung finde im Rahmen der eAPN-Mission (enhanced Air Policing North) beziehungsweise als Teil der integrierten NATO-Luftverteidigung (IAMD – Integrated Air and Missile Defence System) statt. Die Bundeswehr wolle damit Verteidigung und Abschreckung zum Schutze des NATO-Bündnisgebiets demonstrieren.
Die vier Kampfflugzeuge stammen aus dem Taktischen Luftwaffengeschwader 74 im oberbayerischen Neuburg an der Donau. Sie sind für die rund eine Woche andauernde Überwachungsmission auf dem zentral-lettischen Militärflugplatz Lielvārde stationiert.
Dazu kommen ein Neuburger Bundeswehr-Kontingent „im mittleren zweistelligen Bereich“ nach Lettland sowie Fachleute aus weiteren Dienststellen der deutschen Streitkräfte. Gegenüber der Neuburger Rundschau bestätigte Swen Jacob, der stellvertretende Kommodore des Neuburger Geschwaders, einen Aufbruch der Mannschaft bereits kommende Woche.
Das lettische Verteidigungsministerium bestätigte am gestrigen Nachmittag die zeitweilige Stationierung der deutschen Eurofighter auf lettischem Gebiet. Auf der Plattform X schrieb ein lettischer Militärvertreter: „Die Luftverteidigung des lettischen Luftraums wird während der Wahlen durch alliierte Kampfflugzeuge verstärkt. Ende September werden 4 ‚Eurofighter‘-Kampfflugzeuge der deutschen Luftwaffe in der Militärbasis Lielvārde eintreffen. Zusätzliche Beiträge leisten auch die Luftstreitkräfte Italiens und der Türkei.“
Die deutsche Luftwaffe bleibt für die nächste Zeit im Baltikum. Nach der Lettland-Mission der Neuburger Eurofighter werden fünf Kampfflugzeuge des Taktischen Luftgeschwaders 71 „Richthofen“ aus dem ostfriesischen Wittmund ins Baltikum aufbrechen.
Dabei handelt es sich ebenfalls um Eurofighter, die dann nicht in Lettland, sondern im nordwest-estnischen Ämari untergebracht werden sollen. Die Kampfflugzeuge und die rund 120 Bundeswehrsoldaten in ihrer Begleitung haben den Auftrag, für den Zeitraum von Dezember 2026 bis März 2027 den Luftraum an der NATO-Nordostflanke zu kontrollieren.
Die deutsche Luftwaffe hat sich seit dem Jahr 2004 schon mehr als ein Dutzend Mal an der Luftraumsicherung im Baltikum beteiligt. Diesmal fällt der Einsatz allerdings in eine Zeit zunehmender geopolitischer Spannungen und anschwellenden Säbelrasselns seitens der NATO.
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