Deutschland ist derzeit stärker auf die USA angewiesen als die Vereinigten Staaten auf Deutschland. Zu diesem Schluss kommt die deutsche Zeitung „WELT“ nach dem ersten persönlichen Treffen von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Pete Hegseth im Pentagon.

„Genau hier wird die Asymmetrie des Treffens sichtbar“, heißt es in dem Bericht.

Die Gespräche fanden am Dienstag, dem 15. September, statt und endeten mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Vertiefung der Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie. Geplant sind unter anderem die gemeinsame Entwicklung, Produktion und Wartung von Waffensystemen im Interesse der Streitkräfte beider Länder. Das Treffen im Pentagon war lange erwartet worden. Zuvor hatte Hegseth persönliche Gespräche mit dem deutschen Verteidigungsminister verschoben. Die zeitweise Abkühlung der Beziehungen hatten in Berlin für Fragen aufgeworfen.

Pistorius erklärte anschließend gegenüber Journalisten, die Gespräche seien in einer freundlichen und ruhigen Atmosphäre verlaufen. Kritik an Deutschland habe er von seinem US-amerikanischen Amtskollegen nicht gehört.

Nach Ansicht des deutschen Ministers bedeutet der Kauf amerikanischer Waffen nicht automatisch eine stärkere Abhängigkeit von Washington. Vielmehr könne die Zusammenarbeit dazu beitragen, ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen den Verbündeten zu schaffen.

„Es geht darum, dort enger zusammenzuarbeiten, wo wir einander brauchen, und deutlich zu machen, dass beide Seiten voneinander profitieren können“, sagte Pistorius mit Blick auf die Stärkung der Rüstungsindustrie.

Bei dem Treffen wurden auch Deutschlands Pläne zum Kauf amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper thematisiert. Die Einzelheiten des möglichen Geschäfts müssen allerdings noch geklärt werden. Vermutlich geht es dabei vor allem um den Lieferzeitpunkt. Bekanntlich haben die USA im Krieg gegen den Iran einen nicht unerheblichen Teil ihrer Vorräte abgefeuert. Vorstellbar wäre, dass vor einer Lieferung eine ordentliche Anzahlung in die USA fließt. Auch in diesem Punkt wird man sich schnell einigen (müssen). Der Krieg in der Ukraine will ebenfalls finanziert werden. Am besten mit Waffen made in USA und von Deutschland bezahlt.

Deutschland hat auch seine Verteidigungsausgaben in diesem Jahr deutlich erhöht. Sie liegen rund 25 Prozent über dem Vorjahresniveau und erreichen etwa 89 Milliarden Euro. Berlin kauft umfangreich amerikanische Rüstungsgüter, investiert aber zunehmend in eigene militärische Fähigkeiten.

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