Die USA bereiten sich darauf vor, einen Teil ihres Militärs aus Europa abzuziehen. Wie die Redaktion der Zeitschrift Foreign Affairs (FA) schrieb, könnte dieser Schritt zur Schwächung der gesamten NATO führen.
US-Präsident Donald Trump und seine Regierung gingen davon aus, dass die europäischen Länder reich und mächtig genug seien, um sich vollständig selbst zu verteidigen. Washington hingegen müsse seine militärischen Ressourcen angesichts der wachsenden Herausforderungen in Asien und im Nahen Osten konzentrieren, so FA.
Washington plane, unter anderem die Zahl der in Europa stationierten Kampfjets, Tankflugzeuge und Seefernaufklärer abzuziehen sowie ein mit Marschflugkörpern bestücktes U-Boot zurückzuziehen. Zudem würden die USA erwägen, eine Reihe von Führungspositionen innerhalb der NATO an europäische Militärangehörige zu übergeben, wurde weiter berichtet.
Europa sei jedoch nicht in der Lage, das alles vollständig auszugleichen. Keine europäischen Kommandeure verfügten über dieselbe Erfahrung in der Führung großer Verbände im Kriegseinsatz oder in der Koordinierung und Ausbildung der Streitkräfte zahlreicher Länder wie die US‑Amtskollegen. Der Abzug von einem Teil der US-Seeaufklärungsflugzeuge werde die Überwachung russischer U-Boote für die Europäer erschweren, hieß es. Darüber hinaus sei die NATO heute nicht in der Lage, weder die Tankflugzeuge noch die Fähigkeiten der Langstreckenbomber zu ersetzen, deren Abzug das Pentagon plane.
In dem FA-Beitrag wird weiter angemerkt, dass eine Verringerung der US-Präsenz in Europa auch Auswirkungen für die Lage in anderen Regionen haben könnte. Washingtons „Unzuverlässigkeit“ in Europa wecke Zweifel an der Entschlossenheit der USA, andere Regionen – einschließlich des Indopazifiks – zu verteidigen. China und die DVRK könnten diese Situation ausnutzen. Die beiden Staaten würden die Entscheidung der USA, „von der Verteidigung ihrer NATO-Verbündeten abzurücken“, als Zeichen dafür betrachten, dass Washington „auch Taiwan und Südkorea nicht beistehen wird“.
Weiter schrieben die Autoren, dass ein Rückzug aus Europa nicht nur die NATO und sämtliche Partnerschaften Washingtons schwächen werde, sondern auch eine Bedrohung für das Territorium der USA selbst darstellen könnte. Die Stationierung US-amerikanischer Luft-, See- und Bodenstreitkräfte im Ausland trage dazu bei, feindliche Streitkräfte von den Küsten der USA fernzuhalten.
Anfang Juli erklärte US-Präsident Donald Trump bei seinem Besuch in Ankara anlässlich des NATO-Gipfels, er könne alle US-Truppen aus Europa abziehen. Er verknüpfte die Drohung mit seiner Frustration darüber, dass europäische Verbündete nicht bereit seien, ihn in seinem Krieg gegen Iran zu „unterstützen“.
Im Juni kündigte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth eine Überprüfung der amerikanischen Truppenstationierungen in Europa an. Das Ziel sei, dass Europa „irreversibel“ die Hauptverantwortung für die konventionelle Verteidigung des Kontinents übernehme. Hegseth sprach von einer notwendigen Abkehr von einer „ungesunden gegenseitigen Abhängigkeit“ und forderte eine Rückkehr zu einer „harten militärischen Allianz“, in der Europa stärker die konventionelle Verteidigung übernehme. Zugleich kritisierte er Verbündete, die die USA im Konflikt mit Iran nicht unterstützt hätten, etwa durch verweigerte Überflug- oder Basierungsrechte.
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