Die japanischen Behörden hoffen, von Russland erneut eine Genehmigung für visumfreie Besuche der Südkurilen zu erhalten. Dies teilte Iswestija am Mittwoch unter Berufung auf die japanische Botschaft in Russland mit. Es handelt sich um visumfreie Reisen für ehemalige Bewohner der Südkurilen zu den Gräbern ihrer Angehörigen. Die japanische diplomatische Vertretung erklärte, Tokio werde sich weiterhin für eine baldige Wiederaufnahme dieser humanitären Besuche einsetzen. „Wir beabsichtigen insbesondere, unsere Bemühungen nachdrücklich fortzusetzen, um von der russischen Seite die schnellstmögliche Wiederaufnahme der Grabbesuche auf den betreffenden Inseln aus rein humanitären Gründen zu erreichen“, erklärte die Botschaft.
Seit 1999 galt für ehemalige Inselbewohner und deren Familienangehörige eine Sonderregelung für visumfreie Besuche. Im Jahr 2022 setzte Russland die Vereinbarung als Reaktion auf die westlichen Sanktionen gegen das Land aus, denen sich auch Japan angeschlossen hatte.
Moskau hat auf die Erklärung der japanischen Botschaft unverzüglich reagiert. Der Kreml hat eine Wiederaufnahme der besonderen Reisebestimmungen ausgeschlossen. Japan habe eine äußerst unfreundliche Haltung gegenüber Russland eingenommen und sich allen Sanktionen angeschlossen, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow. „Tatsächlich steht es auf der Liste unfreundlicher Staaten“, sagte er und fügte hinzu, dass man „daher vorerst wohl kaum auf irgendwelche gegenseitigen Erleichterungen hoffen“ könne. Dabei betonte der Kremlsprecher, dass nicht Russland die Verschlechterung der bilateralen Beziehungen initiiert habe.
Die japanische Regierung sollte keine weiteren Probleme in den Beziehungen schaffen, wenn Tokio die drängenden Fragen lösen will. So kommentierte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, den Wunsch der japanischen Behörden, die visumfreie Einreise für japanische Staatsbürger zu den Kurilen wieder einzuführen. „Wahrscheinlich sollte man nicht beharrlich darauf drängen, sondern sich einfach anständig verhalten. Und wenn man den Wunsch hat, seine dringenden Fragen irgendwie zu lösen, sollte man nicht noch mehr Probleme in den bilateralen Beziehungen schaffen“, merkte sie an.
Die Erklärung der japanischen Botschaft erfolgte einen Monat nach der Überreaktion Tokios auf den Besuch Wladimir Putins auf den Kurilen am 13. August. Am Tag zuvor hatte der russische Präsident erklärt, dass Russland Japan nicht bedrohe und keine Gebietsansprüche erhebe, während Tokio im Kurilenkonflikt weiterhin Ansprüche gegen Moskau habe.
Die japanische Premierministerin Sanae Takaichi hat Putins Besuch scharf verurteilt und als „inakzeptabel“ bezeichnet. Die Südkurilen seien „sowohl historisch als auch völkerrechtlich untrennbarer Bestandteil des japanischen Staatsgebiets“, betonte Takaichi. Im Zusammenhang mit Putins Reise auf Iturup hat das japanische Außenministerium den russischen Botschafter Nikolai Nosdrjow einbestellt und scharfen Protest eingelegt.
Als Reaktion auf die Äußerungen von Premierministerin Takaichi hat das russische Außenministerium den japanischen Botschafter Akira Muto vorgeladen. Der Diplomat wurde darauf hingewiesen, dass Russlands Souveränität über die südlichen Kurilen-Inseln unantastbar sei. Das russische Außenamt erinnerte die japanische Seite daran, dass diese Gebiete nach dem Zweiten Weltkrieg gemäß den entsprechenden Vereinbarungen der Alliierten und der UN-Charta Teil Russlands geworden seien.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Kurilen Gegenstand eines Territorialstreits zwischen Russland und Japan. Tokio erhebt Anspruch auf Iturup, Kunaschir, Schikotan und die Habomai-Inseln und bezeichnet diese Gebiete als „Nordterritorien“.
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