

Heute geht es um künstliche Intelligenz. Genauer gesagt um das, was daraus in den Redaktionen gemacht wird.
Man könnte meinen, die Menschheit stehe kurz vor ihrem Ende. Kaum ist eine neue Studie, eine Warnung oder eine Entwicklung rund um KI aufgetaucht, malen die großen Medien auch schon das nächste Schreckensszenario an die Wand. SRF berichtet, der Tages-Anzeiger legt nach, andere Leitmedien übernehmen die Dramaturgie. Und bei 20 Minuten ist man gleich beim Weltuntergang.


Das Muster ist bekannt. Eine wissenschaftliche Aussage wird zur Schlagzeile, aus einer möglichen Entwicklung wird eine konkrete Gefahr und aus einer Unsicherheit eine Gewissheit. Der Leser soll nicht erst überlegen, wie belastbar die Quelle ist. Er soll sich erschrecken.
Dabei wäre gerade bei KI das Gegenteil nötig. Das Thema ist komplex genug. Es gibt reale Risiken, aber auch enorme Chancen. Es gibt seriöse Forschung, unterschiedliche Einschätzungen und große Unsicherheiten. Wer daraus jeden Tag den nächsten Weltuntergang bastelt, betreibt keine Aufklärung. Er produziert Aufmerksamkeit.
20 Minuten folgt dabei einem einfachen Prinzip: Wenn nichts Dramatisches passiert, muss eben etwas Dramatisches daraus gemacht werden. Weltuntergang verkauft sich besser als Einordnung.
Und falls die KI einmal nicht genug hergibt, bleibt immer noch der menschliche Körper als Nachrichtengenerator. Eine Athletin hatte einen Durchfall-Unfall. Auch das schafft es in die Schlagzeilen.


Man fragt sich irgendwann: Was genau soll der Leser daraus mitnehmen?
Vielleicht ist das eigentliche Problem deshalb gar nicht die künstliche Intelligenz. Vielleicht ist es die natürliche Panikmaschine des heutigen Journalismus.
Jede neue Technologie wird zum Risiko, jede Warnung zur Bedrohung und jede ungewöhnliche Episode zum Aufreger. Hauptsache, der Titel zieht.
Über mögliche Gefahren von KI darf und soll berichtet werden. Doch zwischen seriöser Risikoanalyse und medialer Panikmache liegt ein gewaltiger Unterschied. Guter Journalismus prüft die Quelle, ordnet Wahrscheinlichkeiten ein, berücksichtigt Gegenargumente und trennt klar zwischen dem, was bekannt ist, und dem, was lediglich vermutet wird.
Ein schlechter Journalist übernimmt die Dramaturgie.
Genau hier setzt Anti-Tagi an. Nicht mit einem Gegen-Narrativ nach dem Motto „Alles ist halb so wild“, sondern mit einer nüchternen Prüfung der Quellen. Was dort tatsächlich steht, was die Medien daraus machen und welche Informationen dabei unter den Tisch fallen.
Denn manchmal ist die Nachricht gar nicht so dramatisch, wie die Schlagzeile behauptet.
Und manchmal ist die Schlagzeile die eigentliche Nachricht.
Mehr zum Thema – Anti-Tagi: Medien-Watchdog mit Biss – heute: NZZ-Russland-Lügen, Blick-Hysterie, SRF-AfD-Bashing

