Am Samstag jährte sich die Entsetzung Wiens zum 343. Mal. Unter Führung des polnischen Königs Jan III. Sobieski schlug ein christliches Entsatzheer in der Schlacht am Kahlenberg 1683 die osmanischen Belagerer. Mit seinen Flügelhusaren führte Sobieski damals zum entscheidenden Angriff. Für identitäre Aktivisten in Österreich ist der Jahrestag schon seit langem Anlass, eine Rettung Europas vor dem Islam zu feiern.
Diesmal war neben der Identitären Bewegung (IB) auch die nationalkatholische polnische Jugendbewegung Młodzież Wszechpolska („Allpolnische Jugend“) an dem Gedenken vor Ort beteiligt. Unter dem Motto „Helden von Wien! Gedenkveranstaltung zur zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683“ trafen sie sich am Sockel des geplanten Sobieski-Denkmals am Kahlenberg. Martin Sellner, einer der Anführer der Identitären Bewegung, hielt eine Rede. Während der Kundgebung stellten die Aktivisten eine mitgebrachte Büste ihres Befreiungshelden auf.
Denn der Sockel war bisher leer geblieben. Zwar gibt es schon eine fertige Sobieski-Statue, die in Polen auf ihren Transport nach Österreich wartet. Doch die Stadt Wien unter der Regierung von SPD und Neos verhindert derzeit die Aufstellung des Denkmals.
Wie Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler von der SPÖ Medienberichten zufolge erklärte, wolle man keine Bühne „für ausländerfeindliche Hetze und das Schüren von islamfeindlichen und antitürkischen Ressentiments“ bieten. Man befürchte eine Instrumentalisierung des Monuments.
Sobieski wrócił na wiedeński Kahlenberg❗
Dziś, w 343. rocznicę Odsieczy, postawiliśmy na wzgórzu symboliczny pomnik króla Jana III Sobieskiego.
Postawiliśmy go wspólnie z austriacką młodzieżą z ruchu identytarystów. Wspólnie oczekujemy tego, by pomnik polskiego króla wreszcie… pic.twitter.com/5QWnJIDtgF
— Młodzież Wszechpolska (@MWszechpolska) September 12, 2026
Und die Wiener SPÖ-Abgeordnete Aslıhan Bozatemur postete auf Facebook: „In Wien gibt es keinen Platz für ein Denkmal, das Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit oder antitürkische Stimmung fördert.“ Die FPÖ und die ÖVP befürworten hingegen ein Sobieski-Denkmal.
Mittlerweile erreicht die umstrittene Erinnerungskultur um Sobieski auch die diplomatische und EU-politische Ebene. So traf sich im März 2026 die Wiener ÖVP-Politikerin Kasia Greco mit dem polnischen Botschafter Zenon Kosiniak-Kamysz vor dem leeren Denkmalsockel. Der polnische Botschafter forderte ein würdiges Gedenken an den großen Landsmann. Auch eine von der ÖVP im August dieses Jahres initiierte provisorische Denkmalsinstallation fand den Beifall der polnischen diplomatischen Vertretung.
Bereits am 6. September hatte die polnische First Lady Marta Nawrocka nach Auskunft der Botschaft an den Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des Sieges während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung teilgenommen.
Auch der ukrainische Botschafter in Österreich ließ es sich nicht nehmen, sich in die gesamteuropäische Gedenkphalanx einzureihen. Auf der Social-Media-Plattform X schrieb Vasyl Khymynets: „Die Schlacht am Kahlenberg am 12.09.1683 ist auch ein Anlass, an den Anteil der ukrainischen Kosaken an der Entsatzschlacht zu erinnern. Gemeinsam mit polnischen Kollegen in Anwesenheit von vielen Freunden und Partnern würdigten wir am Leopoldsberg den Beitrag der ukrainischen Kosaken.“
Der AfD-Europaabgeordnete Tomasz Froelich nahm die Debatte um das Wiener Sobieski-Gedenken zum Anlass, einen Entwurf für eine Resolution des EU-Parlaments zu verfassen. Durch ein Sobieski-Denkmal könnten die europäischen Völker die Triumphe ihrer gemeinsamen Geschichte wieder stärker in den Vordergrund rücken.
Froelichs Angaben zufolge unterstützen bereits 21 Abgeordnete aus Polen, Deutschland, Österreich, Griechenland, der Slowakei und Slowenien die Initiative. Fragt sich nur, was die französischen Abgeordneten dazu sagen. Denn im 16. und 17. Jahrhundert waren das Königreich Frankreich und das Osmanische Reich Bundesgenossen.
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