Seit Anfang Januar 2026 erhalten junge Leute des Jahrgangs 2008 Post von der Bundeswehr. In dem Brief zur Wehrerfassung, den das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr versendet, ist ein QR-Code enthalten, der zu einem Online-Fragebogen führt. Bis Ende Juni waren bereits 300.000 Wehrerfassungsbriefe verschickt worden.

Für junge Männer ist die Bearbeitung dieses Fragebogens verpflichtend, jungen Frauen ist es freigestellt, ob sie das Bundeswehr-Anschreiben beantworten. Auf diejenigen Männer, die die Antwort verweigern, wartet ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Dementsprechend unterschiedlich fällt der Rücklauf aus: 96 Prozent der angeschriebenen männlichen 18-Jährigen füllten den Fragebogen aus, bei ihren Altersgenossinnen betrug die Rücklaufquote lediglich vier Prozent.

Ein großer Erfolg ist die Briefaktion für die Bundeswehr bisher nicht: Für den Wehrdienst haben sich erst 530 Freiwillige verpflichtet, ergab eine Auswertung des Bundesverteidigungsministeriums. Vielleicht ist dies der Grund, dass die Bundeswehr bereits jetzt junge Männer zur Musterung vorlädt, die ihr Desinteresse am Wehrdienst bekundet hatten.

Denn eigentlich war erst für den Juli 2027 geplant, alle Männer eines Jahrgangs nach Vollendung des 18. Lebensjahres einer Musterung zu unterziehen. Sie sollen dabei auf ihre körperliche und psychische Eignung für den Militärdienst geprüft werden. Die Gemusterten können allerdings auch bei attestierter Tauglichkeit einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen.

Bisher fehlte noch die Infrastruktur für eine durchgehende Musterung eines ganzen Jahrgangs. Die Bundeswehr will für die verpflichtende Tauglichkeitsuntersuchung insgesamt 24 über ganz Deutschland verteilte Musterungszentren errichten.

Wie der öffentlich-rechtliche Radiosender Deutschlandfunk von einer Sprecherin des Bundesministeriums der Verteidigung in Erfahrung gebracht hat, hat die Bundeswehr trotz dieser Infrastrukturprobleme bis Ende Juli 2026 bereits Hunderte junge Männer gegen ihren erklärten Willen zur Musterung einbestellt. Es handelt sich um rund 470 junge Männer, die die Bundeswehr trotz ihrer in dem Fragebogen bekundeten Ablehnung des Wehrdienstes zur Tauglichkeitsprüfung zitiert.

Es bleibt abzuwarten, ob diese behördliche Vorladung Widerstand unter den Betroffenen hervorruft. Die Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ hat jedenfalls für diesen Herbst wieder Proteste angekündigt. Am 25. September soll es losgehen. Weitere Aktionen sind für Anfang Oktober und Ende November geplant.

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