„Operation Hillmore“ ist kaum ein Jahr alt und schon gescheitert. Das unter dieser Bezeichnung bekannt gewordene Abkommen zwischen Großbritannien und Frankreich vom August 2025 droht einem Medienbericht zufolge, nicht mehr verlängert zu werden.
Dabei setzte man beim Abschluss im vergangenen Jahr große Hoffnungen darauf, das britisch-französische Pilotprojekt könne die irreguläre Migration über den Ärmelkanal endlich eindämmen. Damit sollte auch der Schleuserkriminalität Einhalt geboten werden. Der damalige britische Premierminister Keir Starmer feierte die Einigung über die Rückführung von Migranten als „bahnbrechend“.
Nach dem Prinzip „One in, one out“ war seither die britische Regierung befugt, Migranten, die ohne Erlaubnis meist in kleinen Booten die britische Küste erreichen, nach Frankreich zurückzuschicken. Als Gegenleistung sollten die Briten eine entsprechende Anzahl Asylsuchender auf legalem Wege aus Frankreich aufnehmen. Priorität hatten Menschen mit familiären Bindungen an Großbritannien oder aus besonders schutzbedürftigen Nationen.
Doch der Erfolg hielt sich in Grenzen. So wurden den Daten der britischen Regierung zufolge bis Juni dieses Jahres zwar 1.087 Personen nach Frankreich zurückgeführt. Im Austausch dafür gelangten 1.117 Asylbewerber auf regulärem Weg von Frankreich nach Großbritannien. Das ist allerdings nur ein Bruchteil der illegalen Ankünfte über den Ärmelkanal, die im ersten Halbjahr 2026 zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen waren, aber immer noch 11.884 Fälle von illegaler Migration ausmachten.
Betrachtet man die Zahlen seit Abschluss des Abkommens, wirkt der Misserfolg des Projekts sogar noch drastischer: Seit September 2025 waren 32.000 Menschen per Boot nach Großbritannien gelangt. Nur vier Prozent von ihnen schoben die britischen Behörden nach Frankreich ab.
Es kamen auch Fälle ans Licht, in denen bereits abgeschobene Migranten noch einmal den Ärmelkanal überquert hatten und nun unentdeckt in Großbritannien leben. Dennoch entschlossen sich beide Staaten zunächst, „Operation Hillmore“ bis Oktober 2026 zu verlängern und auch auf bereits nach Frankreich zurückgeführte Migranten anzuwenden, die erneut illegal – etwa per Lastwagen – nach Großbritannien einreisen.
Abgesehen von diesem zahlenmäßigen Ungleichgewicht gibt es ein weiteres Problem bei der Verwirklichung des „One in, one out“-Plans: Die nach Frankreich abgeschobenen Flüchtlinge tauchen dort unter. Darauf machte ein Bericht der britischen Tageszeitung The Guardian aufmerksam, der sich auf Erkenntnisse von Menschenrechtsorganisationen beruft, die während einer Anhörung des britischen Parlaments diese Woche an die Öffentlichkeit kamen.
Demnach sind Hunderte illegale Migranten, die von Großbritannien nach Frankreich zurückgeschickt worden waren, verschwunden. Darunter befinden sich auch mehr als 40 Minderjährige. Ihr Alter ist allerdings umstritten. Es handelt sich um Personen, die von sich behaupten, unbegleitete Minderjährige zu sein.
Diese Aussage von Maddie Harris, der Direktorin des Humans for Rights Network, erhält eine zusätzliche Brisanz dadurch, dass die Abschiebung dieser Personengruppe bei „Operation Hillmore“ nicht vorgesehen ist. Unbegleitete Minderjährige dürfen auch nicht in Abschiebehaftanstalten für Erwachsene untergebracht werden.
Das britische Innenministerium bestreitet die Vorwürfe. Alle nach Frankreich Abgeschobenen seien volljährig gewesen. Fälle, in denen das Alter strittig sei, würden nicht zurückgeschickt.
Im Oktober 2026 läuft „Operation Hillmore“ aus. Und es ist ungewiss, ob das Abkommen noch einmal verlängert wird. Bisher hat sich keine der beiden Seiten dazu geäußert. Britische Medien wollen allerdings in Erfahrung gebracht haben, dass die französische Seite das Projekt aufkündigen und durch ein von der gesamten EU vereinbartes Abkommen mit Großbritannien ersetzen will.
Sollte dies eintreten, wäre Großbritannien dann verpflichtet, Migranten aus allen 27 EU-Mitgliedsstaaten im gleichen Umfang aufzunehmen, wie es illegale Einwanderer in die EU zurückschickt. Damit wäre Frankreich von der alleinigen Verantwortung für die über den Ärmelkanal Zurückgeführten befreit.
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