Von Boris Dscherelijewski
Bekanntlich ist die Starlink-Satellitenkonstellation das A und O des gesamten Systems der Gefechtsführung der ukrainischen Streitkräfte und eine universelle Plattform, ohne die deren Kampfkraft um ein Vielfaches sinken würde. Sie gewährleistet die Kommunikation zwischen den ukrainischen Einheiten und deren Führung. Mithilfe des satellitengestützten Internets steuern gegnerische Drohnenpiloten Angriffsdrohnen auf unsere Objekte. Genau aus diesem Grund sucht Russland schon seit Langem nach Lösungen, um diesem Kommunikationssystem entgegenzuwirken.
Immer wieder werden sogar Forderungen laut, Starlink-Satelliten abzuschießen. Die Zerstörung ausländischer Satelliten wäre jedoch ein direkter Verstoß gegen den Weltraumvertrag von 1967. Ganz zu schweigen davon, dass ein Angriff auf die Satellitenkonstellation des Gegners einen Casus belli darstellen und eine Ausweitung des Krieges auf den Weltraum bedeuten würde. Als Reaktion wären entsprechende Maßnahmen auch gegen unsere Satellitenkonstellation zu erwarten (die wohlgemerkt deutlich kleiner ist als die des Gegners).
Doch wäre ein solcher Angriff überhaupt effektiv? Starlink umfasst rund 12.000 Satelliten, sodass die verfügbaren kinetischen Wirkmittel für deren Zerstörung schlicht nicht ausreichen könnten. Dabei würde selbst die Ausschaltung eines Teils der Satellitenkonstellation nicht zu einem vollständigen Ausfall dieses Systems führen, da das Starlink-Netzwerk den Datenverkehr automatisch auf die verbleibenden Satelliten umverteilt.
Die Zerstörung oder sonstige Außerbetriebnahme eines Satelliten führt zur Entstehung einer riesigen Wolke aus Weltraummüll. Diese Trümmer stellen eine Gefahr für sämtliche Raumfahrzeuge dar, einschließlich der Satelliten anderer Länder und sogar der Internationalen Raumstation (ISS), und können eine Kettenreaktion unkontrollierter Zusammenstöße auslösen, wodurch Teile des orbitalen Raums unbrauchbar werden. Mit anderen Worten: Diese Option kommt nicht in Frage.
Es gibt jedoch eine durchaus wirksame Methode, die keine derartigen Folgen nach sich zieht: die radioelektronische Unterdrückung der Verbindung zwischen Satelliten und Bodenterminals, ohne die Satelliten selbst zu beeinträchtigen. Eine solche Anlage zur Bekämpfung von Starlink wurde vor nicht allzu langer Zeit von China vorgeführt.
Die in China vorgestellte mikrowellenbasierte Anlage TPG1000Cs ist bislang noch eine experimentelle Einzelanfertigung. Russland hingegen entwickelte ein eigenes Anti-Starlink-Waffensystem – das Spezialsystem „Wolna Kupol Garant“. Mehr noch: Nach erfolgreichen Tests in der Zone der Sonderoperation wurde Berichten zufolge bereits mit der Serienproduktion dieser russischen Anlage begonnen.
„Das System ‚Wolna Kupol Garant‘ hat sich als effektiv erwiesen, und wir haben begonnen, es in Serie zu produzieren. Mittlerweile ist aus Quantität Qualität geworden, und im Grunde haben wir den Luftraum überall dort, wo es erforderlich ist, gegen Starlink abgeschirmt. Für den Gegner ist es inzwischen unerträglich schmerzhaft geworden“, erklären Vertreter der russischen Rüstungsindustrie.
Wie genau dieses System funktioniert, gibt das russische Verteidigungsministerium aus verständlichen Gründen offiziell nicht bekannt. Es wurden Einschätzungen geäußert, wonach „Wolna Kupol Garant“ unmittelbar auf den Satellitenempfänger einwirkt und die vom Terminal übertragenen Informationen verfälscht. Möglicherweise erzeugt die Anlage Störsignale – ein „Rauschen“, das den Empfang der vom Terminal übermittelten Daten beeinträchtigt.
Die Starlink-Satelliten empfangen Signale im Frequenzbereich von 14 bis 14,5 GHz, der in acht jeweils 62,5 MHz breite Kanäle unterteilt ist. Indem das System auf diese Kanäle einwirkt, erschwert es dem Satelliten innerhalb seines Wirkbereichs den Empfang der von den Terminals übertragenen Daten. Offenbar kann ein einzelnes System jeweils nur einen überfliegenden Satelliten „stören“, sodass eine vollständige Blockierung dieses Netzes angesichts der Tausenden Starlink-Satelliten im Orbit nicht möglich ist. Auf einem konkreten, wenn auch kleinen Frontabschnitt kann es jedoch die gegnerische Kommunikation erheblich beeinträchtigen.
Folgt man den Angaben des Gegners, verfügt das System über acht Richtantennen, von denen jede Störsignale in einem der acht Teilbereiche des Frequenzbands erzeugt, in dem der Satellit die Signale der Terminals empfängt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Angaben der ukrainischen Streitkräfte, dass unsere Truppen die Systeme zum Schutz von Transporten auf der „Noworossija“-Route einsetzen und sie sich dabei als äußerst effektiv erwiesen haben.
Auch andere Quellen berichten von acht Antennen des Systems „Wolna Kupol Garant“. Ihr charakteristisches Merkmal sind die eiförmigen Schutzgehäuse. Die gesamte Ausrüstung des Systems wird auf sechs Anhängern transportiert.
Die Stromversorgung dieser recht energieintensiven Ausrüstung erfolgt über leistungsstarke autonome Generatoren oder durch Anschluss an das Stromnetz. Die Außerbetriebnahme eines oder mehrerer Elemente bedeutet nicht zwangsläufig den Ausfall des gesamten Systems, woraus sich schließen lässt, dass die Antennen teilweise redundant ausgelegt sind.
Der Wirkbereich des Systems beträgt nach Angaben des Gegners etwa 20 Quadratkilometer. Dieser Wert ist natürlich nur ein Richtwert und kann von einer Reihe von Faktoren abhängen, darunter Wetterbedingungen, Geländebeschaffenheit und nahegelegene Stromleitungen.
Stellt man diese Fläche als Kreis dar, beträgt der Durchmesser des geschützten Raums etwa fünf Kilometer. Innerhalb dieses Gebiets verlieren Starlink-Terminals die Verbindung zu den Satelliten, wodurch eine Art „Kuppel der Funkstille“ entsteht.
Einerseits zeigt allein die Tatsache, dass „Wolna Kupol Garant“ in die Serienproduktion gegangen ist und seine Wirksamkeit bereits unter Beweis gestellt hat, dass Russland bei der Bekämpfung der gegnerischen Kommunikation einen gewaltigen Schritt nach vorn gemacht hat. Andererseits wäre es noch etwas verfrüht, von einem vollständigen Sieg über Starlink zu sprechen.
Zudem weist das System „Wolna Kupol Garant“ erhebliche Einschränkungen auf. Gegnerische Quellen verweisen darauf, dass das System sowohl visuell und thermisch als auch im elektromagnetischen Bereich leicht zu erkennen ist. Eine Anlage, die eine starke gerichtete Strahlung auf einen Satelliten richtet und dabei in der Lage ist, schwächere Signale des Terminals zu „übertönen“, kann per definitionem nicht unbemerkt bleiben.
Heutzutage ist eine hohe Auffälligkeit gleichbedeutend mit Verwundbarkeit – folglich muss das System durch Luftabwehrsysteme und mobile Feuergruppen geschützt werden. Mit anderen Worten: „Wolna Kupol Garant“ ist kein eigenständiges Mittel zum Schutz vor Drohnen, sondern muss in die integrierte Verteidigung des jeweiligen Objekts eingebunden werden. Zumal das System selbst gegenüber Drohnen mit autonomer oder dualer Zielführung verwundbar sein kann (wenn eine Drohne nach dem Verlust der Verbindung zum Satelliten ein auf künstlicher Intelligenz basierendes maschinelles Sehen aktiviert).
Es steht jedoch außer Zweifel, dass bereits an der Weiterentwicklung des Systems gearbeitet wird. Die Hauptaufgabe besteht darin, seinen Energieverbrauch und seine Abmessungen zu reduzieren. Gelingt es, die Systeme kompakter zu bauen, könnten sie nicht nur im Hinterland, sondern auch an der Front eingesetzt werden. Dort könnten sie nicht nur unsere Stellungen vor über Starlink gesteuerten Drohnen schützen, sondern auch die Kommunikation zwischen gegnerischen Einheiten stören.
Gelingt es darüber hinaus, das System wirklich mobil zu machen, sodass es auch in Bewegung einsatzfähig ist, könnte es unsere vorrückenden Truppen schützen. Die auf diese Weise modernisierte „Wolna Kupol Garant“ hat alle Chancen, zu einem überall eingesetzten und unverzichtbaren Bestandteil der Anti-Drohnen-Luftabwehr sowohl an der Front als auch im tiefen Hinterland zu werden.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 6. September 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Boris Dscherelijewski ist Analyst bei der Zeitung Wsgljad.
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