Die norwegischen Behörden haben auf Spitzbergen das russische Forschungsschiff „Professor Molchanow“ beschlagnahmt. Wie das Büro des Gouverneurs von Spitzbergen mitteilte, sei das im Hafen von Barentsburg liegende Schiff am Mittwoch auf Anordnung des Bezirksgerichts Nord-Troms und Senja arrestiert worden.

Das Bezirksgericht habe der norwegischen Zeitung Aftenposten zufolge die Beschlagnahmung bereits am 31. August angeordnet, und zwar auf Klage des ukrainischen Unternehmens Naftogaz, das damit einen Schiedsspruch über 4,22 Milliarden US-Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro) durchzusetzen versucht. Dieser bezieht sich auf einen Streit um Vermögenswerte, die das Unternehmen im Jahre 2014 auf der Krim verloren hatte. Der amtierende Vorstandschef von Naftogaz, Sergei Fedorenko, erklärte:

„Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit für die rechtswidrige Beschlagnahmung von Naftogaz-Vermögenswerten auf der Krim durch Russland. Russland kann sich seiner Verantwortung nicht einfach dadurch entziehen, dass es die Erfüllung eines internationalen Schiedsspruchs verweigert. Wir werden russische Vermögenswerte weltweit weiter verfolgen, bis die Naftogaz und anderen Unternehmen der Naftogaz-Gruppe zugesprochene Entschädigung gezahlt ist.“

Das Schiff müsse bis zu einer anderslautenden Entscheidung des Gouverneurs oder des Bezirksgerichts in Barentsburg bleiben.

Russlands Minister für die Entwicklung des Fernen Ostens und der Arktis, Alexei Tschekunkow, erklärte später, Schiff und Besatzung befänden sich in Sicherheit. Russische Juristen würden die Entscheidung über die Beschlagnahmung des Schiffs jedoch anfechten. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte am Rande des Ostwirtschaftsforums, der Arrest des Schiffs sei ein Ausdruck von „Piraterie und Gesetzlosigkeit“. 

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte im August erklärt, das Land werde auf eine mögliche Beschlagnahmung russischer Handelsschiffe durch westliche Länder mit Gegenmaßnahmen reagieren. Die Behörden einiger Staaten versuchten, unter Verstoß gegen das Völkerrecht, die Bewegungsfreiheit russischer Schiffe einzuschränken, so Putin. Man sei inzwischen sogar so weit gegangen, die Beschlagnahmung russischer Schiffe und den Verkauf des „geraubten“ Eigentums in Erwägung zu ziehen. Putin bezeichnete dies als „Piraterie und Raub“.

Die „Professor Molchanow“ ist ein russisches Forschungsschiff des Wetterdienstes Roshydromet, das für Polar- und Ozeanforschung eingesetzt wird. Benannt ist es nach dem Meteorologen Pawel Molchanow, dem Erfinder der weltweit ersten Radiosonde. Heimathafen des Schiffs ist Archangelsk. Seit Juni 2025 verkehrt das Schiff regelmäßig zwischen Murmansk und Barentsburg und befördert dabei Fracht und Passagiere.

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