In Thüringen eskaliert der sich kontinuierlich aufbauende interne Machtkampf des BSW-Landesverbands. Am 6. September soll nun ein Sonderparteitag in Erfurt den andauernden Streit rund um die Brombeer-Koalition und damit verbundene Parteiaustritte klären. Zuvor hatte der Thüringer Landesvorstand um Katja Wolf und Gernot Süßmuth abgelehnt, die sogenannte „Brombeer-Koalition“ mit der CDU und der SPD zu beenden, ausgehend von der Aberkennung des Doktorgrades von CDU-Ministerpräsident Mario Voigt.
Am kommenden Sonntag kämpft das BSW in Sachsen-Anhalt um das politische Überleben. Dafür sind erhoffte Wählerstimmen rund um die fragile Chance des Einzugs in das Landesparlament in Magdeburg notwendig. Rund 160 Kilometer entfernt treffen sich die Parteikollegen des Landesverbands Thüringen, um das andauernde Chaos seit Jahresbeginn zu diskutieren. Hauptthema ist die Zukunft als aktuelle Koalitionspartei in der Landesregierung.
Dabei verließen am Mittwoch drei BSW-Abgeordnete die Partei und die Fraktion, wodurch das BSW mit seiner Fraktion in der mitregierenden Partei von ursprünglich 15 auf 12 Mitglieder schrumpft. Die bisherige Patt-Regierung wird somit zur Minderheitsregierung. Auf der Webseite des BSW heißt es zum Sonderparteitag am 6. September:
„Im Fokus steht die Generaldebatte und Aussprache auf Grundlage der Anträge zur Einberufung des Sonderparteitags der Kreisverbände Nordhausen, Eichsfeld, Kyffhäuserkreis, Unstrut-Hainich, Ilm-Kreis und Wartburgkreis.“
Die Thüringer Allgemeine (Bezahlschranke) stellt zum jüngsten Chaos im BSW-Landesverband die Frage:
„Steht jetzt die Regierungskoalition final auf der Kippe? Die Landtagsabgeordneten Stefan Wogawa, Dirk Hoffmeister und Roberto Kobelt sind am Mittwoch aus dem BSW und aus der Fraktion ausgetreten. Damit haben binnen weniger Tage insgesamt vier Landtagsabgeordnete der Wagenknecht-Partei in Thüringen den Rücken gekehrt. Bereits am Montag hatte Matthias Herzog seinen Austritt erklärt. Jetzt zerfällt auch die Fraktion.“
Der Termin am Sonntag sorgte im Vorfeld laut Welt-Artikel (Bezahlschranke) „für Unmut“ bei den anderen 15 Landesverbänden der Partei. Grund sei die mit Spannung erwartete Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. In einem Brief forderten die Landesvorsitzenden daher, den Sonderparteitag in Thüringen zu verschieben. Dass dieser am Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geplant sei, „haben wir mit Irritation zur Kenntnis genommen“, heißt es in dem Schreiben, das von der dpa-Agentur zitiert wurde.
Die Berliner Zeitung berichtet, dass zuvor bereits „80 von etwa 550 Thüringer BSW-Mitgliedern“ bereits im Sommer einen kritischen Brief unterstützten, in dem im politischen Alltag „zu wenig BSW-Politik und zu viel Nähe zu CDU und SPD beklagt wurden“. Die entsprechenden Landesverbände der Brombeer-Kritiker forderten daraufhin den Sonderparteitag in Erfurt.
Exemplarisch für das parteiinterne Chaos und damit das uneinheitliche Bild in der Außenwirkung bei Wählern und Sympathisanten präsentieren sich die jüngsten Umfragewerte. So erreichte die Partei bei der Landtagswahl 2024 noch 15,8 Prozent. In der jüngsten veröffentlichten Thüringer Insa-Umfrage vom Juli 2026 waren es noch sieben Prozent. Die Berliner Zeitung kommentiert zu möglichen Gründen und Wahrnehmungen:
„Für die Kritiker ist das der Preis des sogenannten Thüringer Weges: Wer als Protest gegen das Weiter-so gewählt werde und anschließend gemeinsam mit CDU und SPD regiere, verliere sein Alleinstellungsmerkmal.“
Die politische Realität lautete mit der Entwicklung vor dem Krisentreffen, dass aufgrund der vorliegenden Mehrheitsverhältnisse im Landtag die Koalition bis dato auf Stimmen oder Enthaltungen aus der Opposition angewiesen war.
CDU, BSW und SPD verfügen als „Brombeer-Koalition“ dabei ebenso über 44 Sitze wie Linke und AfD. Durch den Austritt der drei Abgeordneten fehlen der Landesregierung damit mindestens vier Stimmen für eine Mehrheit.
Die Mitglieder entscheiden nun beim Sonderparteitag über den weiteren machtpolitischen Weg des BSW in Thüringen und damit auch über die Zukunft der stellvertretenden Ministerpräsidentin Katja Wolf. Diese hatte laut eigenen Angaben das letzte Gespräch mit BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht „vor dem Parteitag im letzten Jahr, Ende April 2025“ hatte, wie Wolf Ende August in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz mitteilte.
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