CIA-Direktor John Ratcliffe soll russische Regierungsvertreter bei seinem unangekündigten Moskau-Besuch in dieser Woche davor gewarnt haben, den Konflikt mit den NATO-Verbündeten der USA weiter zu eskalieren. Besonders soll er in diesem Zusammenhang Estland, Lettland und Litauen genannt haben. Das berichten das Wall Street Journal und Politico am Donnerstag.

Zudem soll der US-Geheimdienstchef Russland bei seinem seltenen Besuch in der russischen Hauptstadt am Dienstag dazu gedrängt haben, seine militärische und wirtschaftliche Unterstützung für Iran zurückzufahren. 

Die Nachricht über Ratcliffes Reise nach Russland, die die US-Regierung erst an diesem Morgen offiziell bestätigte, hatte in Washington und Europa für zahlreiche Spekulationen gesorgt. Es war der erste bekannte Besuch eines CIA-Direktors in der russischen Hauptstadt seit Donald Trumps Amtsantritt. Ende 2021 hatte der damalige US-Geheimdienstchef Bill Burns den russischen Präsidenten Wladimir Putin vor einer Offensive in die Ukraine „gewarnt“. Drei Monate später startete Russland seine Sonderoperation in der Ukraine.

Ratcliffes Besuch fällt in eine Phase, in der Russland und die Ukraine eine zunehmende Serie von Drohnen- und Raketenangriffen weit hinter den eigentlichen Frontlinien durchführen. Zugleich hat Russland in den vergangenen Wochen wiederholt NATO-Staaten gedroht, die die Ukraine unterstützen. Dies hat die „Sorge“ im Westen verstärkt, Moskau könnte zu „aggressiveren hybriden Maßnahmen“ oder zu „begrenzten militärischen Aktionen gegen NATO-Staaten“, darunter auch das Vereinigte Königreich, greifen. Dafür gibt es bisher allerdings keine Belege.

„Bei dem Treffen ging es vor allem darum, Russland vor jeglichen eskalierenden Maßnahmen gegen die baltischen Staaten zu warnen“, hieß es in den Westmedien. Das Wall Street Journal hatte bereits am Mittwoch berichtet, dass Ratcliffe Russland bei seinem Besuch vor Angriffen auf NATO-Staaten gewarnt habe, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Ein Sprecher des Weißen Hauses verwies Politico auf Äußerungen Trumps vom Mittwoch.

In einem Radiointerview am Mittwoch wies US-Präsident Donald Trump Spekulationen zurück, Ratcliffe sei nach Moskau gereist, um Putin davon abzubringen, die Entschlossenheit der NATO auf die Probe zu stellen oder Großbritannien anzugreifen. London hatte in dieser Woche angekündigt, seine Unterstützung für die Ukraine weiter zu verstärken.

Trump bezeichnete den Besuch als „halbwegs routinemäßig“, räumte jedoch ein, dass es dabei auch um ein Ende des Krieges gegangen sei. „Ich möchte die Leute nur ungern enttäuschen. Wir würden gerne sehen, dass der Krieg mit der Ukraine endet“, sagte er.

Am Montag drohte Finanzminister Scott Bessent damit, die Sanktionen gegen Länder, die sich weigern, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu Iran abzubrechen, deutlich auszuweiten. Auch dieses Thema sprach Ratcliffe nach Angaben der Westmedien gegenüber russischen Regierungsvertretern an. Ratcliffe habe Moskau demnach aufgefordert, seine Lieferung von Waffen und Verteidigungstechnologie an Iran einzustellen.

Russland soll Material an Iran geliefert haben, um dessen Drohnenarsenal auszubauen. Zudem könnte Moskau Teheran dabei unterstützen, Angriffe auf US-Einrichtungen im Nahen Osten präziser zu planen, hieß es. Ein Sprecher des US-Finanzministeriums reagierte am Mittwoch nicht auf eine Anfrage um Stellungnahme.

Der Besuch in Moskau ist der jüngste Fall, in dem Trump seinen CIA-Direktor eingesetzt hat, um schwierige diplomatische Verhandlungen mit einem wichtigen Gegner der USA zu steuern. Bereits im Mai war Ratcliffe heimlich nach Kuba gereist, um die kommunistische Führung des Landes vor die Wahl zu stellen: grundlegende Reformen im Sinne Washingtons einzuleiten oder eine US-Druckkampagne zu riskieren.

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