Als Landespolitiker, der das Amt des sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten anstrebt, ist Außenpolitik nicht das Hauptfeld von Ulrich Siegmund. Dies erklärte er bereits Mitte August im Gespräch mit RT DE am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Weferlingen. Dennoch äußerte er sich auf Nachfrage zu seiner Haltung gegenüber Russland.
In diesem Kurzinterview betonte Siegmund die Dringlichkeit eines „klaren diplomatischen Kurses“ gegenüber Russland. „Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass wir einen ersten Schritt in die Richtung dessen gehen, was ich mir auch von einer Bundesregierung wünschen würde – einen vernünftigen diplomatischen Kurs“, sagte er.
Jedes Land habe schließlich Interessen, mit denen klarzukommen die Aufgabe der Diplomatie sei. Zu respektieren seien deshalb auch die Interessen Russlands, ebenso wie die Interessen Chinas, der USA oder weiterer Länder. Als Charakteristikum einer AfD-Außenpolitik nannte er, dass diese wieder die Frage nach den deutschen Interessen in den Mittelpunkt rücken werde.
Im deutschen Interesse liege ein friedliches Auskommen mit anderen Ländern. Krieg könne keine Lösung für Deutschland darstellen. Als weiteren wichtigen Punkt nannte der Wahlkämpfer Siegmund die Erschließung vielfältiger Rohstoffquellen, um nicht abgehängt zu werden. Derzeit hätte Deutschland die höchsten Energiepreise zu zahlen. Das könne so nicht weitergehen.
In ihrem Wahlprogramm stellt sich die AfD klar gegen die im Jahre 2022 eingeleitete Sanktionspolitik gegen Russland. Hauptgrund dafür ist die Verteuerung der Energiepreise infolge des Handelsembargos. „Eine AfD-geführte Landesregierung wird sich im Bundesrat dafür einsetzen, dass die energiepolitischen Sanktionen gegen Russland beendet und die deutsch-russischen Handelsbeziehungen normalisiert werden“, heißt es in dem Programm.
Auch sollten die beschädigten Stränge der Pipeline Nord Stream 1 sowie der beschädigte Strang A von Nord Stream 2 „schnellstmöglich repariert werden“. Der einzig verbliebene intakte Strang B von Nord Stream 2 zur Wiederaufnahme von Gasimporten aus Russland soll laut dem Wahlprogramm während der Arbeiten umgehend wieder genutzt werden.
Nach Angaben des außenpolitischen Sprechers der Partei, Markus Frohnmaier, wäre das russische Staatsunternehmen Gazprom bei Vorliegen der politischen Voraussetzungen bereit, innerhalb von drei Monaten alle technischen Vorkehrungen für die Wiederaufnahme von Gaslieferungen an Deutschland zu leisten. Dies habe ihm Gasprom-Chef Alexei Miller in einem Gespräch am Rande des Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg im Juni mitgeteilt, sagte er im Gespräch mit RT DE im sachsen-anhaltinischen Weferlingen.
Bezüglich der Ausbildung ukrainischer Soldaten auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts meinte Siegmund, dass diese nicht im deutschen Interesse liege. „Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass am Luftwaffenstützpunkt Holzdorf 12.000 ukrainische Soldaten ausgebildet wurden“, wurde Siegmund gefragt. Die Ukrainer führten einen Krieg, „der nicht unserer ist“, stellte Siegmund daraufhin klar. Auch die Finanzierung der ukrainischen Kriegsführung stellte Siegmund in Frage. Die Ausbildung und Finanzierung des ukrainischen Militärs betrachtet er als Symptome einer Politik, die nicht im deutschen Interesse handele.
Zur Frage der Einbindung des Landes Sachsen-Anhalt in den Operationsplan Deutschland als Drehscheibe von Truppenbewegungen im Krisenfall nahm er dagegen nur ausweichend Stellung. Ihm sei bewusst, dass es Szenarien gebe, die diskutierten, wie man der AfD auch nach einer Wahl das Leben schwer machen kann. So verwies er darauf, dass auf Bundesebene über eine mögliche Entmachtung der AfD-geführten Landesregierungen nach Ausrufung eines Spannungs- oder Verteidigungsfalls diskutiert werde.
Was hingegen eindeutig ist: Siegmund steht für eine starke Bundeswehr. Das hat er etwa in einem Interview mit der Berliner Zeitung verdeutlicht, in dem er betonte: „Wir brauchen eine starke, selbstbewusste Verteidigungsarmee.“ Im Juni ließ er sich bei der Bundeswehr blicken und begrüßte die Soldaten und Offiziere recht herzlich als „Kameraden“.
Ein Vorschlag der AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt, der in den Medien als Zeichen der „Russlandfreundlichkeit“ wahrgenommen wird, ist ihre Forderung nach dem Erhalt und Ausbau des Russischunterrichts in den Schulen.
„Unabhängig von tagesaktuellen politischen Konstellationen wird Russland ein Land von großer internationaler Bedeutung und von hoher Bedeutung für Deutschland und Sachsen-Anhalt bleiben“, hieß es in einer Anfrage im Landtag Sachsen-Anhalt im Jahr 2023. Aktuell gebe es im Land 366 Lehrkräfte, die Russisch unterrichten. Da in den nächsten zehn Jahren viele Lehrkräfte für das Fach Russisch aus dem Berufsleben ausscheiden, bestehe jedoch Handlungsbedarf, um sicherzustellen, „dass die russische Sprache auch noch in 10, 20 und 30 Jahren an den Schulen in Sachsen-Anhalt unterrichtet wird“. Der Antrag wurde im von CDU, SPD und FDP dominierten Landtag abgelehnt.
Der Religionswissenschaftler und Fraktionsvize Dr. Hans-Thomas Tillschneider gilt als einer der wichtigen Vordenker in Sachsen-Anhalt in Fragen der Außen- und Kulturpolitik. Ende 2025 reiste er mit einer Reihe weiterer Landespolitiker in die USA. Er plädiert für einen stärkeren deutsch-russischen Austausch im Bereich Kultur und geopolitischer Interessenausgleich mit Russland. Ausführlicher legte er seine Positionen in einem Interview dar, das RT DE im Dezember mit ihm geführt hat.
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