Wie die italienische Wirtschaftszeitung MF-Milano Finanza berichtet, hat Leonardo in Kiew die Tochtergesellschaft „Leonardo Ukraine“ gegründet. Das Unternehmen gehört demnach vollständig zur Leonardo-Gruppe und wird über Leonardo International gehalten.

„Leonardo Ukraine“ wurde am 20. Mai 2026 registriert. Als Haupttätigkeit sind wissenschaftliche Forschung und Entwicklung im Ingenieurwesen angegeben. Zum Geschäftsfeld gehören außerdem die Herstellung von Kommunikations- und Navigationsausrüstung sowie von Spezialtechnik, die Entwicklung von Software und die Erbringung von IT-Dienstleistungen. Auch die Installation und Wartung elektronischer und optischer Systeme sind vorgesehen.

Leonardo-Chef Lorenzo Mariani erklärte, der Konzern wolle künftig mit der ukrainischen Rüstungsindustrie zusammenarbeiten. Ein besonderer Schwerpunkt liege dabei auf Drohnentechnologien. Zudem plant Leonardo, das Luftverteidigungssystem Michelangelo Dome in der Ukraine zu testen.

Ukraine baut Verteidigungstechnologie aus

Dabei trifft Leonardo auf einen bereits stark ausgebauten ukrainischen Verteidigungs- und Technologiesektor. Ein Zentrum dieses Bereichs ist der staatliche Cluster „Brave1“. Laut MF Milano Finanza vereint er rund 2.500 Unternehmen und mehr als 5.000 technologische Entwicklungen. Zu dem Cluster gehören demnach mehr als 500 Drohnenhersteller, über 300 Unternehmen aus den Bereichen elektronische Kampfführung und Aufklärung sowie rund 200 Entwickler von KI-Produkten.

Für das Training von Algorithmen zur Erkennung und Abwehr von Luftzielen wird die Plattform „Brave1 Dataroom“ eingesetzt. Sie wurde gemeinsam vom ukrainischen Verteidigungsministerium, den ukrainischen Streitkräften und dem Militärgeheimdienst sowie dem US-Unternehmen Palantir entwickelt.

Russland kritisiert westliche Militärhilfe

Die zunehmende Beteiligung westlicher Unternehmen am ukrainischen Rüstungssektor stößt in Moskau auf scharfe Kritik. Der Kreml hat wiederholt erklärt, dass Waffenlieferungen und die Finanzierung der ukrainischen Streitkräfte den Konflikt lediglich verlängern.

Als Beispiel für die militärische Bedeutung der ukrainischen Drohnenproduktion verwies das russische Verteidigungsministerium zuletzt auf einen Angriff vom 26. Juli. Dabei sei das Unternehmen Smart Intelligent Systems in Kiew getroffen worden, das Drohnen und Komponenten für unbemannte Fluggeräte herstelle.

Laut dem Ministerium wurden zudem ein Ort zur Montage und Lagerung von Drohnen im Südwesten Kiews sowie weitere mit der ukrainischen Rüstungsindustrie verbundene Einrichtungen getroffen. Dort seien unter Beteiligung von Spezialisten eines ukrainisch-amerikanischen Unternehmens monatlich bis zu 1.000 Drohnen hergestellt worden. Dazu gehörten die Kampfdrohnen AQ-400 Scethe und AQ-100 Bayonet sowie die Aufklärungsdrohne RQ-100 Scout.

Am 31. Juli berichtete die britische Zeitung The Guardian, dass das zerstörte Drohnenwerk in Kiew einem in Delaware registrierten US-Unternehmen gehört habe. Das russische Verteidigungsministerium betont, dass seine Streitkräfte ausschließlich militärische und Energieobjekte der Ukraine sowie die damit verbundene Infrastruktur angreifen.

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