Von Astrid Sigena

Der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt läuft auf Hochtouren. Es sind nur noch 14 Tage bis zur Landtagswahl, bei der die AfD unter Ulrich Siegmund die absolute Mehrheit erreichen könnte. Anlass auch für die Mainstream-Medien und gerade für die Öffentlich-Rechtlichen noch einmal alles zu geben, um einen AfD-Wahlsieg zu verhindern.

Ein Agieren, das zunehmend hilflos wirkt. Wie das regelmäßige Scheitern beweist, den gewandten Siegmund in Wortgefechten zu stellen, droht der AfD-Politiker für den deutschen Medien-Mainstream tatsächlich „der gefährlichste Mann Deutschlands“ zu werden. Bisher prallen sämtliche Versuche, im Interview die Oberhand zu gewinnen, an Siegmunds Teflon-Taktik ab.

Vorerst letztes Opfer von Siegmunds Medienstrategie, keine Angriffsfläche zu bieten, wurde Fabian Köster, der – von einem Security-Mann begleitet – mutmaßlich von der ZDF Heute-Show gegen den AfD-Spitzenkandidaten ins Treffen losgeschickt worden war. Das Ergebnis: Die Begegnung mit Siegmund geriet für Köster, der für sich in Anspruch nahm, den „Grundfunk“ und nicht das ZDF zu vertreten, zu einer Niederlage geradezu epischen Ausmaßes.

Eine offizielle ZDF-Veröffentlichung gibt es zwar noch nicht, aber Mitschnitte von anwesenden Zeugen des Aufeinandertreffens von AfD-Politiker und Mainstream-Reporter im Ort Oranienbaum (in diesem Video ab Stunde 1, Minute 14). Dort hatte die AfD gestern einen Infostand.

Ausschnitte aus dem Gespräch gehen derzeit in den Sozialen Netzwerken, etwa auf der Plattform X, viral. Kösters Desaster wird dabei von vielen gefeiert, bei den sich die Heute-Show wegen ihrer Einseitigkeit offenbar schon länger verhasst gemacht hat.

Siegmunds Geheimnis? Provokante Fragen lässt er einfach an sich abperlen. Kommt der ZDF-Reporter mit tatsächlichen oder vermeintlichen Skandalen mit NS-Bezug, nutzt der Spitzenkandidat nicht – wie viele AfD-Politiker das früher getan hatten – den vermeintlich leichten, aber die Anhänger enttäuschenden Ausweg der Distanzierung, sondern stellt sich hinter seinen Mitarbeiter, auf den der Vorwurf abzielte: „Guter Mann! Solche Leute gibt’s beim ZDF nicht.“

Der sachsen-anhaltische AfD-Politiker reagierte auch nicht pikiert oder verärgert auf solche Fragen, sondern blieb stets freundlich und zugewandt. Die Oberhand in der Unterhaltung behielt er unter anderem dadurch, dass er den GEZ-Journalisten duzte und ihm die Hand auf die Schulter legte. Sollte das ZDF darauf gehofft haben, verbale Ausrutscher von AfD-Seite einfangen zu können, hat es sich getäuscht.

Natürlich hatte der AfD-Mann ein leichtes Spiel bei einem Reporter, der in Oranienbaum sich nicht zum ZDF bekennen wollte und – mit den Deutschlandfarben auf der Kappe – nach eigenen Aussagen den „Grundfunk“ vertrat.

Denn dieser Begriff ist eine langjährige AfD-Forderung, die die Rundfunkbeiträge abschaffen und die Öffentlich-Rechtlichen verschlanken und umwandeln möchte – eben in einen Grundfunk. Der gehemmt wirkende Köster fungierte so als wandelnde Werbesäule für eine AfD-Forderung.

Ulrich Siegmund scheute auch nicht zurück, das ZDF mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Seit Jahren benutzt die Heute-Show die Falschbenennung des AfD-Politikers Björn Höcke als „Bernd“ für einen humoristischen Dauer-Gag. Analog dazu begrüßte der AfD-Wahlkämpfer den Journalisten Fabian Köster wie einen alten Bekannten mit Handschlag als „Florian“ und forderte ihn auf: „Gib mal alles jetzt!“

Siegmund ging auch sonst in die Offensive und fragte „Florian“, was er denn machen wolle, wenn der „Rundfunkzwangsbeitrag“ erst einmal abgeschafft sei. Kösters Konter zielte recht altbacken darauf ab, was Siegmund denn machen wolle, wenn nach einem Schlaganfall kein „blonder, blauäugiger“ Arzt vorhanden sei. Eine holzschnittartige Frage, der Siegmund nicht zu Unrecht Witzlosigkeit attestierte.

Kösters Tiefpunkt kam, als er Siegmund nach der von der AfD gewünschten Geburtenwende fragte: „Sind Sie aufgeklärt worden? Wissen Sie, wie lange das dauert, von der Zeugung bis zur Fachkraft?“ Siegmunds Gegenfrage: „Hast du Kinder?“ brachte den 31 Jahre alten ZDF-Journalisten, der mit „nee, bin ja selbst noch ein Kind“ verneinen musste, sichtlich in Verlegenheit.

Den verbalen Gnadenstoß erhielt Köster schließlich mit Siegmunds Fazit: „Ich dachte, es wird witzig. Aber offenbar gibt’s beim ZDF schon die ersten Sparmaßnahmen. Wir merken sie heute. Herzlich willkommen in Sachsen-Anhalt! Hier zerschellt der öffentlich-rechtliche Rundfunk an der Realität.“

Der Kommentar eines Zuschauers nach Kösters Auftritt „Sie sind doch heimlicher AfD-Wähler, oder?“ sagt alles.

Die Schadenfreude in den Sozialen Netzwerken war groß. Der X-Nutzer Bernd Kaiser sprach etwa von einem „absoluten Lehrstück in Sachen Demontage“ und lobte: „Chapeau, Herr Siegmund! Man kann die Schnappatmung in den Mainzer Redaktionsstuben förmlich hören.“

Klar ist allerdings auch: Sollte Siegmund Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt werden, wird er Fragen nach der Umgestaltung des Rundfunks oder der Bewältigung des Fachkräftemangels nicht einfach gutgelaunt weglachen können. Ebenso, was Berichte über den fragwürdigen Umgang mancher Parteimitglieder mit dem Erbe aus der NS-Zeit angeht. Für die Kommunikation mit dem bundesdeutschen Medienkartell reicht eine solch gelassene Haltung aber allemal.

Mehr zum ThemaNach AfD-Kritik im Unterricht: ZDF lauert Eltern zu Hause auf

Abbildung des Banners Merch Gegen Oben
Nach oben scrollen