Die Ukraine bittet um die Genehmigung, mit Starlink ausgestattete Drohnen gegen russische Raketenwerfer bis zu 200 Kilometer tief auf russischem Gebiet einzusetzen. Das berichtete die Financial Times am Freitag. Grund dafür ist ein akuter Mangel an Abfangraketen für die ukrainische Luftabwehr.
Dafür wäre die Zustimmung von Elon Musk erforderlich. Hinzu kommt als ein weiteres mögliches Hindernis, dass der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, der einen direkten Draht zu Musk hatte, kürzlich entlassen wurde.
Der Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ukraine zunehmend Schwierigkeiten hat, die intensiver werdenden russischen Raketen- und Drohnenangriffe abzuwehren. Ballistische Raketen stellen dabei die größte Herausforderung dar. Kiew gehen die Patriot-Abfangraketen aus – das einzige System, mit dem die Ukraine diese Raketen bislang zuverlässig abschießen konnte, hieß es in der FT.
Präsident Wladimir Selenskij hat Trump und andere Partner der Ukraine wiederholt aufgefordert, weitere Abfangraketen bereitzustellen. Deren Einsatz im Nahen Osten – auch während des US-Krieges gegen Iran – hat jedoch den weltweiten Mangel an den in den USA hergestellten Raketen noch verschärft.
Selbst im günstigsten Fall werde die Ukraine voraussichtlich nicht rechtzeitig genügend Abfangraketen erhalten, um ihre derzeitige Luftverteidigungsstrategie aufrechtzuerhalten, sagte der in Wien ansässige Militäranalyst Franz-Stefan Gady. Russland hat die Produktion von Raketen und Drohnen erhöht. Dadurch benötigt die Ukraine Hunderte Patriot-Abfangraketen, um bis zum Jahresende über ausreichend Abwehr zu verfügen.
In diesem Kontext also bittet Kiew nun um die Genehmigung, Starlink auf eigenen Kampfdrohnen einzusetzen, um wichtige russische Ziele auf der anderen Seite der Grenze anzugreifen. Mit Starlink ausgestattete Drohnen nutzen das Satellitennetzwerk von SpaceX, um auch über größere Entfernungen eine stabilere Verbindung zu ihren Bedienern aufrechtzuerhalten als herkömmliche Funkverbindungen. Gleichzeitig sind sie weniger anfällig für gewöhnliche Störmaßnahmen.
Selenskij hatte bereits bei seinem Treffen im Weißen Haus im Juli den US-Präsidenten gebeten, mit Musk über eine Genehmigung für die Ukraine zu sprechen. Nach Angaben der Gesprächsteilnehmer schlug Selenskij vor, Musk solle der Ukraine erlauben, Starlink auf Drohnen für Angriffe bis zu 200 Kilometer tief in Russland einzusetzen. In dieser Reichweite würden sich auch Infrastruktur für den Abschuss ballistischer Raketen, Kommandoeinrichtungen und andere wichtige Ziele befinden, so die ukrainische Darstellung.
Kiew ging davon aus, dass eine Begrenzung der Angriffstiefe Musk dazu bewegen könnte, dem Antrag zuzustimmen. Trump habe sich bei dem Treffen im Oval Office nicht festgelegt und den Plan offenbar nicht unterstützt, wie Teilnehmer des Gesprächs berichten. Die USA gingen davon aus, dass Musk Kiew keine Genehmigung erteilen werde, hieß es in der FT. Musk war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Der Tech-Milliardär hat die umfangreiche Nutzung von Starlink durch die Ukraine für Kommunikation und Verteidigung unterstützt. Der Satelliten-Internetdienst von SpaceX ist für die ukrainischen Streitkräfte von zentraler Bedeutung – sowohl für Führung und Kommunikation als auch für unbemannte Systeme zu Land, zu Wasser und in der Luft, die das Schlachtfeld zunehmend verändern. Musk ist jedoch bislang nicht so weit gegangen, der Ukraine die Nutzung von Starlink für Angriffe auf Ziele innerhalb Russlands zu erlauben.
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