Europa setzt beim Klimaschutz auf immer strengere Regeln. CO₂-Emissionen sollen sinken, der Umstieg auf Elektroautos soll vorangetrieben und der öffentliche Verkehr attraktiver werden.
Klimaschutz für die Bürger und Ausnahmezustand für den Krieg?
Autofahrer müssen mit zusätzlichen Abgaben und höheren Kosten für Emissionen rechnen. Gleichzeitig wird den Menschen nahegelegt, häufiger mit dem Zug zu fahren, weniger zu konsumieren und generell stärker auf den eigenen CO₂-Fußabdruck zu achten. Selbst beim Heizen oder Grillen wird inzwischen darüber gesprochen, wie viele Emissionen dabei entstehen.
Die Botschaft ist eigentlich klar: Jeder Einzelne soll seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch was passiert mit dieser Verantwortung, wenn Krieg herrscht?
Die Ukraine wird von zahlreichen europäischen Staaten politisch, finanziell und militärisch unterstützt. Gleichzeitig werden im Verlauf des Krieges auch Ziele auf russischem Territorium angegriffen. Darunter sind logistische Einrichtungen, Industrieanlagen, Treibstofflager und Fabriken.
Bei solchen ukrainischen Angriffen können innerhalb kürzester Zeit erhebliche Mengen an Schadstoffen freigesetzt werden. Brennende Industrieanlagen, explodierende Treibstofflager oder zerstörte Produktionsstätten können große Mengen an Rauch, Feinstaub und anderen Schadstoffen in die Atmosphäre abgeben. Genau an diesem Punkt entsteht ein zumindest auffälliger Widerspruch.
Dem europäischen Bürger wird erklärt, dass er wegen des Klimas weniger Auto fahren sollte. Unternehmen müssen ihre Emissionen reduzieren. Für CO₂ gibt es Abgaben, und jeder Einzelne soll auf seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck achten.
Gleichzeitig können im Rahmen des Ukraine-Krieges industrielle Anlagen und andere große Infrastrukturen in russischen Gebieten angegriffen werden, wobei in kurzer Zeit erhebliche Mengen an Schadstoffen entstehen können.
Warum wird der individuelle CO₂-Ausstoß eines Menschen zu einem gesellschaftlichen Problem, während die möglichen ökologischen Folgen militärischer Operationen deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen? Wenn ein Bürger mit seinem Auto zur Arbeit fährt, wird ihm erklärt, dass möglichst jede zusätzliche Emission vermieden werden sollte und anstatt Autofahren soll er mit dem vollen U-Bahn zur Arbeit kommen.
- Fährt er einen Verbrenner, muss er mit höheren Kosten rechnen.
- Fliegt er in den Urlaub, wird ihm nahegelegt, über seinen CO₂-Fußabdruck nachzudenken.
Wenn jedoch im Krieg Industrieanlagen, Energieinfrastruktur oder Logistikzentren getroffen werden und dadurch große Brände entstehen, scheint die Klimafrage plötzlich deutlich weniger wichtig zu sein.
Inkonsenquente Klimapolitik
Das wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie konsequent ist eine Klimapolitik, wenn ihre strengsten Regeln vor allem das Verhalten der eigenen Bevölkerung betreffen, während andere politische Ziele offensichtlich Vorrang haben können?
Wenn CO₂-Emissionen und Umweltverschmutzung tatsächlich eine existenzielle Bedrohung darstellen, müsste man sich auch mit den ökologischen Folgen eines Krieges ernsthaft auseinandersetzen. Schließlich können Brände in Industrieanlagen, Treibstofflagern oder anderen großen Einrichtungen innerhalb kürzester Zeit erhebliche Mengen an Schadstoffen freisetzen.
Ein ukrainischer Drohnenangriff auf eine Industrieanlage kann dabei eine erhebliche lokale Umweltbelastung verursachen. Je nach Art der Anlage können dabei Rauch, Feinstaub, Treibstoffrückstände und weitere Schadstoffe freigesetzt werden. Solche Folgen verdienen zumindest ebenso eine ernsthafte Diskussion, wenn gleichzeitig der individuelle CO₂-Ausstoß der Bevölkerung so stark in den Mittelpunkt gestellt wird.
Denn Klimaschutz kann nicht nur dann gelten, wenn es darum geht, das Verhalten der eigenen Bevölkerung zu verändern.
Wer von den Menschen Verzicht, höhere Kosten und immer strengere Umweltauflagen verlangt, muss sich irgendwann auch die Frage gefallen lassen, ob für politische und militärische Entscheidungen dieselben Maßstäbe gelten.
Am Ende bleibt deshalb eine durchaus unbequeme Frage: Warum kann im Namen größerer politischer Ziele die Umwelt innerhalb weniger Stunden erheblich belastet werden, während der einzelne Mensch in der EU für zusätzliche CO₂-Emissionen zur Verantwortung gezogen wird?
Vielleicht ist es an der Zeit, genau über diesen Widerspruch offener zu sprechen.
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