Pünktlich zum 81. Jahrestag seiner Unabhängigkeit hat Indonesien am 17. August einen wichtigen Schritt in Richtung mehr Selbstständigkeit im Finanzbereich getan. Die Zentralbank der größten südostasiatischen Wirtschaft machte das heimische Kartenzahlungssystem mit dem Namen Kartu Kredit Indonesia (KKI) für das breite Publikum zugänglich. Das System war noch im Jahr 2023 zunächst exklusiv für die Regierung ins Leben gerufen worden.

Wie die indonesische Nachrichtenagentur Antara berichtet, funktioniert das neue Kartenzahlungssystem über acht örtliche Geldhäuser. Somit werden Transaktionen auf der Grundlage der internen Infrastruktur des südostasiatischen BRICS-Staates abgewickelt. Gleich nach dem landesweiten Start funktioniert das Zahlungssystem anfangs jedoch zu 100 Prozent nur digital: Die Begleichung erfolgt durch das Scannen des jeweiligen QR-Codes. Physische Zahlungskarten sollen voraussichtlich erst ab dem Jahr 2028 emittiert werden.

Das japanische Nachrichtenportal Nikkei Asia hebt hervor, dass das neue Zahlungssystem in Indonesien ausländische Plattformen wie Visa oder Mastercard direkt herausfordert, die bislang im Inselstaat dominiert haben. Um den Nutzern den Übergang zu KKI schmackhaft zu machen, stellt die indonesische Zentralbank signifikante Vergünstigungen in Aussicht. So soll ab dem 1. Oktober für sämtliche Transaktionen unter 100.000 Rupien oder 4,85 Euro keine Gebühr entrichtet werden. Dies bedeutet auch einen spürbaren Vorteil für Geschäfte. Für den Rest der Transaktionen ist eine Gebühr von höchstens 0,7 Prozent vorgesehen, was deutlich unter der Marke von 1,15 bis 3,3 Prozent liegt, die international agierende Zahlungsdienstleister fordern. Dank des eingebauten QR-Code-Systems QRIS, das ebenfalls von der indonesischen Zentralbank entwickelt worden ist, können die KKI-Nutzer auch in Ländern wie China, Japan oder Singapur einkaufen gehen.

Finanzexperten erwarten nach dem landesweiten KKI-Start riesige Auswirkungen für den indonesischen Finanzmarkt. Santoso Liem, Präsident des indonesischen Verbandes der Zahlungssysteme, prognostiziert zum Beispiel, dass die Vermassung der heimischen Zahlungskarten dazu führen könnte, dass zwei Drittel der Käufe im Land über das interne System abgewickelt würden und dass Visa und Mastercard einen großen Teil dieses lukrativen Geschäfts einbüßen würden.

Indonesien ist übrigens nicht das einzige Land, das über eine eigene Alternative für die Anbieter Visa und Mastercard verfügt. So hat Russland noch im Jahr 2015 sein Zahlungssystem MIR entwickelt, das inzwischen in rund einem Dutzend Länder wie Weißrussland, Kasachstan, Tadschikistan, Armenien, Vietnam, Venezuela, Iran und der Türkei akzeptiert wird. Seitdem die westlichen Zahlungssysteme wie Visa und Mastercard im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs Ende Februar 2026 ihr Russland-Geschäft geschlossen haben, beträgt der Anteil der MIR-Zahlungskarten auf dem russischen Markt nach Angaben des Generaldirektors des nationalen Zahlungskartensystems, Dmitri Dubynin, inzwischen rund 85 Prozent.

Mehr zum Thema – Fonds-Chef: Russische Bankkarten in Zukunft im Ausland häufiger akzeptiert

Abbildung des Banners Denkanstoß statt Denkverbot
Nach oben scrollen