Im dritten Teil der Serie schildert Alex Krainer im Intereview durch Nima Alkhorshid von Dialogue Works, wie tief das koloniale Erbe nach weltweiter Dominanz im atlantischen Imperium genetisch verankert scheint: Nur eine vollständige Niederlage des Hegemonen werde dessen Tyrannis ein Ende setzen und die Weltmehrheit endgültig befreien können.
Alex Krainer: „Oberstes Gebot des Imperiums ist es, die eurasische Landmasse zu dominieren!“
Nima Alkhorshid: Ein Teil der aktuellen Lage hängt von der Anzahl der verfügbaren Abfangraketen und Luftabwehrsysteme sowie Offensivraketen ab. Ohne die Lieferung dieser Seltenerd-Metalle durch China an die Vereinigten Staaten würden die USA nicht in der Lage sein, wieder den Stand vor Kriegsbeginn zu erreichen. Wir wissen, dass es für die Ukraine im Grunde keine Abfangraketen gibt. Die Patriot-Systeme scheinen unbestückt und Russland kann jedes einzelne Ziel innerhalb der Ukraine ohne Schwierigkeiten angreifen. Die Ukraine verfügt zwar über Möglichkeiten Drohnen abzuschießen, doch gegen ballistische Raketen fehlen die entsprechenden Mittel.
Das Gleiche lässt sich in Westasien beobachten. Sollte der Iran eines dieser Länder angreifen, gebe es dort keine Luftabwehrsysteme. Sie haben zwar eine Luftabwehr – doch nur unbestückte Batterien – wenn man jedoch über keine Abfangraketen verfügt, bedeutete das gar nichts. Gleiches gilt für Israel!
Gestern sagte Israel Katz, der israelische Verteidigungsminister, dass man nicht nachgeben werde. Sie würden sich nicht aus dem Libanon, aus Syrien oder dem Gazastreifen zurückziehen. Daraufhin wurde er von Offiziellen in Washington kritisiert, warum er so rede, nachdem sich Israel gemäß Vereinbarung nach der Entwaffnung der Hisbollah aus dem Libanon zurückzuziehen hätte. Das ist ziemlich erstaunlich, aber genau darin liegt für die Vereinigten Staaten das Problem.
Was die Wirtschaft angeht, haben Sie auf wichtige Eckzahlen verwiesen. Was die militärische Seite angeht, könnten die USA gegen die Insel Charg vorgehen oder die Blockade der Straße von Hormus fortsetzen. Doch dazu benötigten sie Feuerkraft.
Xi Jinping plant im September nach Washington zu reisen. Ich gehe davon aus, dass Donald Trump darauf dringen dürfte, den Import von Seltenerd-Metallen in die Vereinigten Staaten erleichtert zu kriegen. Doch das könnte letztendlich abgelehnt werden, da schon beim ersten Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping in Peking kein positives Ergebnis für die Vereinigten Staaten herausgekommen war.
Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen China und den Vereinigten Staaten vor dem Hintergrund der Konflikte in der Ukraine und in Westasien? Ich habe das Gefühl, dass China diese beiden Schauplätze auch als seine Frontlinien betrachtet. Indem Russland vorrückt und wie auch der Iran, den Vereinigten Staaten all diese Raketen entzieht, schwächt das die Vereinigten Staaten auch in Bezug auf Taiwan. Doch das bedeutet nicht, dass die USA nicht Raketen in Taiwan aufstellen lassen könnten, um China damit Ärger zu bereiten?
Alexander Krainer: Was die Raketen angeht, sind mir die von Ihnen genannten Fakten wohl bekannt. Ich frage mich jedoch, warum dieses Thema so breitgetreten wird. Denn, wie man weiß, sind diese Raketen – selbst wenn man unendlich viele davon besäße – nicht besonders effektiv – worauf auch die Debatten hinweisen:
Liegt die Trefferrate [dieser Raketen aus westlicher Produktion] bei 3%, wie Ted Postal sagt oder wäre die Rate etwas höher?
[Anmerkung der Redaktion: Ted Postal ist ein US-amerikanischer Physiker und emeritierter Professor des Massachusetts Institute of Technology (MIT), der für seine Studien zur Untauglichkeit von US-Abfangraketen bekannt geworden ist].
US-Raketen vor Ort würden definitiv nichts verändern, was die strategische Lage beeinflussen könnte. Man würde vielleicht ein paar Drohnen, Iskander oder was auch sonst, abschießen können, aber man würde damit keine Raketentypen, wie Zircons, Kinzhals, Avangards oder andere dieser fortschrittlicheren russischen ballistischen Raketen, geschweige denn Marschflugkörper, ausschalten können. Es handelt sich bei besagten US-Abfangraketen um extrem teure [doch völlig praxisuntaugliche veraltete] Waffensysteme.
[Anmerkung der Redaktion: Der Westen dürfte heute technologisch rund fünf bis zehn bzw. vielleicht noch mehr Jahre hinter dem Osten liegen, unabhängig von dem im Westen nicht mehr vorhandenen Fabrikationsstätten und erforderlichen Lieferketten. Diese sind dem Oligarchie-Wirtschaftsmodell im Zuge des ausufernden Finanz- & Spekulationskapitalismus zur Jahrtausendwende zum Opfer gefallen. Dazu ist man heute emsig damit beschäftigt, den Mittelstand Europas zerschlagen und abbauen zu lassen sowie als Ausgleich EU-Europa auf Kriegswirtschaft umzustellen].
Selbst wenn man die Fähigkeit besäße, unendlich viele Waffen davon zu produzieren und über alle Seltenerd-Magneten der Welt verfügen könnte, würde dies die strategische Lage in diesem Konflikt [für den kollektiven Westen] nicht verändern – so viel zur ersten Frage.
Was das Verhältnis zwischen China und den Vereinigten Staaten angeht, so stehen sie sich in diesem Konflikt definitiv gegnerisch gegenüber. China, ebenso wie der Iran und Russland, liegen allesamt auf dem eurasischen Kontinent:
Doch man weiß, dass Vereinigte Staaten und Großbritannien nicht nur ein Ziel, sondern ein geopolitisches Gebot verfolgen – ihr gleichsam oberstes geopolitisches Gesetz, welches danach verlangt, die eurasische Landmasse zu dominieren!
Sie müssten also nicht nur den Iran, sondern auch China und Russland unterwerfen, um auch diese zu ihren Kolonien zu machen. Das ist der Plan, doch ich meine, dass Chinesen, ebenso wie Russen und Iraner, sich dessen bewusst sind. Letztere wissen aufgrund ihrer jahrhundertelangen Erfahrungen sehr wohl, was bedeuten würde.
Als das Britische Empire China [im 19. Jahrhundert] erstmals kolonisierte, zwangen sie dem Land zwei aufeinanderfolgende Opiumkriege auf. Doch China war damals keineswegs ein rückständiges Land. Es stellte vielmehr eine 3.000 Jahre alte Zivilisation dar und war [bis zum Erscheinen der Kolonisatoren aus Europa] eine weltweit führende Wirtschaftsmacht:
Doch China wurde von den Briten regelrecht zerschlagen!
Dann zwangen sie China das Jahrhundert der Demütigung, wie es die Chinese nennen, auf. Nach zwei Weltkriegen ging China als eines der ärmsten Länder der Welt hervor. Das lag nicht daran, dass es eine militärische Niederlage erlitten hatte, denn es war und ist für die Vereinigten Staaten nicht notwendig, China oder Russland militärisch zu besiegen:
Denn das Imperium ist darauf spezialisiert, in das politische Machtzentrum [ihrer Opferstaaten] einzudringen!
Das tat man im Jahr 2014 auch mit der Ukraine: Man inszenierte einen Staatsstreich und stürzte Wiktor Janukowitsch, der zuvor demokratisch und rechtmäßig gewählt worden war. Man ließ ihn zunächst durch Arseni Jazenjuk, gefolgt von Petro Poroschenko, ersetzen. Inzwischen sitzt Selenskyj an der Macht: In Folge wurde …
… die Ukraine zu einer Art parasitenbefallenem Gebilde umformatiert, um dem Imperium als Handlanger zu dienen.
Eine weitere Alternative zeigt der Fall Venezuela, wo dies sogar noch eleganter realisiert worden war. Im Grunde haben sie Nicolás Maduro entmachtet und Delcy Rodríguez irgendwie auf ihre Seite gebracht und haben darüber Venezuela zu ihrem Vasallen gemacht.
Nachdem sie in der Lage waren, dies mit Venezuela, Ukraine, Kolumbien und vielen anderen Ländern zu tun, könnten sie dasselbe auch mit Russland versuchen, doch müssten es dazu nicht einmal militärisch stürzen. Denkbar wäre vielmehr, dass sie eine Art Destabilisierungsprogramm inszenierten: Sie könnten Wladimir Putin durch eine Art Farbrevolution stürzen lassen. Der springende Punkt dabei wäre, dass man die politische Kontrolle über das Land übernähme, doch ohne es militärisch besiegt zu haben. Russland nicht militärisch besiegt zu haben, könnte sogar vorteilhafter sein, denn so ließe sich die russische Militärmacht dann gegen den nächsten Feind [des Imperiums] in Stellung bringen.
Nachdem sie also Janukowitsch gestürzt hatten, begannen sie, die Ukraine als ihre Stellvertretermacht gegen Russland aufzurüsten. Falls sie Wladimir Putin stürzen und dort ihre eigene Marionette einsetzen würden, könnten sie Russland auf solche Weise auch gegen China in Stellung bringen. Zugleich würde das ihre Hegemonie über den gesamten eurasischen Kontinent projizieren. Das wäre die große Gefahr des westlichen System! Ich meine, …
… das westliche Imperium wird niemals davon ablassen, dies stets zu versuchen!
- Falls „Farbrevolutionen“ scheiterten, würden sie zu Invasionen greifen!
- Falls Invasionen scheiterten, würden sie es mit Attentaten versuchen!
Mit Attentaten wie gegen Thomas Sankara [ehemaliger Präsident von Burkina Faso] oder andere Staatsführer anderswo [wie auch z.B. Anfang des Jahres im Iran].
In diesem Stil greift ein derartiges Pathogen immer wieder an: Es bewirkt einen ständigen Angriff auf Souveränität und Stabilität jeder Nation, die sei gerade ins Visier genommen hätten: Das Imperium nimmt jede Nation ins Visier, die sich ihrer Unterwerfung widersetzen wollte. Das wird auch so weitergehen:
Ich glaube daher, dass solche Konflikte so lange andauern werden, bis eine der Seiten vollständig besiegt worden wäre!
Diese Gefahr schweißt inzwischen die Feinde des Imperiums zusammen. So wurden Russland und China, die früher noch politische Differenzen untereinander hatten, zu engen Verbündeten. Sie betrachten ihr Bündnis als absolut existenziell, denn falls Russland fiele, könnte es zum Feind gegen China instrumentalisiert werden.
Falls der Iran fiele, könnte dieser zum Feind Russlands gemacht werden. Das Imperium würde definitiv versuchen, die „Belt and Road Initiative“ einstampfen und alles zurück in die westliche Handelsmatrix durch die vom Westen auferlegten Abrechnungssysteme samt Reservewährungen wieder zurückzwingen zu lassen.
Daraus würde sich wiederum eine Situation ergeben, nach der man ggfs. hunderte Milliarden Dollar an westliche Finanzinstitute gebunden hätte, diese aber nicht nutzen könnte …
… außer man hätte vom Imperium dazu die [ausdrückliche] Genehmigung und Zustimmung erlangt!
Wenn man beispielsweise seine Landwirtschaft auf biologische Lebensmittel umstellen wollte, würde das Imperium das nicht zulassen und erklären, dass es nur Geld dafür gebe, falls man alle seine Kühe schlachten und dafür Grillen-Farmen errichten liesse. Sie wollen damit der ganzen Menschheit die Zukunft gestalten, doch auf eine Weise, …
… die absolut dystopisch und hässlich ausfallen würde!
Fortsetzung mit Teil 4 folgt
Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
***
- Teil 1 des Interviews von Alex Krainer durch Nima Alkhorshid von Dialogue Works: HIER
- Teil 2 des Interviews von Alex Krainer durch Nima Alkhorshid von Dialogue Works: HIER
- Das Video auf English mit dem Interview von Alex Krainer durch Nima Alkhorshid: HIER
The post Alex Krainer über das neokoloniale Selbstverständnis des Imperiums – Teil 3 appeared first on UNSER MITTELEUROPA.

Bitte unterstützen Sie unseren Kampf für Freiheit und Bürgerrechte. Und auch gegen die Klima-Hysterie, die letztlich der Nährboden für Programme ist, die uns das Geld aus der Tasche ziehen sollen, wie wir bereits jetzt schon erfahren dürfen. Stichwort: Energiewende. Und das ist erst der Anfang! Die Umverteilung von unten nach oben hat gerade erst begonnen.


