Verteidigungsminister Pete Hegseth hat hinter verschlossenen Türen eindringlich für eine massive Aufstockung des US-Verteidigungshaushalts geworben. Bei einer als geheim eingestuften Unterrichtung republikanischer Senatoren am 4. August zeichnete die Pentagon-Spitze ein düsteres Bild der amerikanischen Verteidigungsfähigkeit. 

Im Mittelpunkt standen die stark geschrumpften Munitionsbestände der USA, der technologische Wettlauf mit China sowie die Frage, wie Washington nach dem Konflikt mit Iran seine militärische Handlungsfähigkeit wiederherstellen und langfristig sichern will.

Nach Informationen aus Teilnehmerkreisen erläuterten Hegseth und mehrere Unterstaatssekretäre den Senatoren detailliert, warum die Vereinigten Staaten aus Sicht des Pentagons dringend zusätzliche Milliarden benötigen. Neben den Folgen der Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine warnte das Verteidigungsministerium insbesondere vor Chinas rasantem Fortschritt im Bereich der künstlichen Intelligenz. Um den technologischen Vorsprung der USA zu sichern, seien erhebliche Investitionen notwendig.

Nach Angaben aus Washington arbeitet die Trump-Regierung bereits an einem umfangreichen Gesetzespaket für die Zeit nach den Zwischenwahlen. Geplant ist, höhere Verteidigungsausgaben mit anderen Prioritäten wie einer Anhebung der Schuldenobergrenze zu verbinden. An der vertraulichen Unterrichtung nahmen ausschließlich republikanische Senatoren teil.

Bereits seit Monaten wirbt Hegseth öffentlich für ein „generationelles Investment“ in die amerikanischen Streitkräfte. Für das Haushaltsjahr 2027 strebt das Weiße Haus einen Verteidigungshaushalt von rund 1,5 Billionen US-Dollar an, so viel wie nie zuvor. Ein Teil der Mittel soll über den regulären Haushalt, ein weiterer über das sogenannte Reconciliation-Verfahren verabschiedet werden, das im Senat eine einfache Mehrheit ermöglicht.

Waffenlager nach Iran-Krieg stark geschrumpft

Hinter den Forderungen steht ein konkretes Problem: Die amerikanischen Waffenlager sind durch den Konflikt mit Iran erheblich belastet worden. Pentagon-nahe Analysen sowie Berichte unter Berufung auf Regierungs- und Kongressquellen zeigen, dass bei mehreren Schlüsselwaffensystemen ein erheblicher Teil der Bestände bereits aufgebraucht wurde.

Besonders betroffen sind die Bestände an Patriot-Abfangraketen, die je nach Variante deutlich geschrumpft sein sollen. Auch die Vorräte der THAAD-Luftabwehr wurden stark beansprucht. Zudem haben die USA mehr als tausend Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert, eine Zahl, die die jährliche Produktionskapazität der US-Rüstungsindustrie deutlich übersteigt.

Auch bei Langstrecken-Präzisionswaffen wie ATACMS und den neuen PrSM-Raketen sind die Reserven erheblich reduziert worden. Gleiches gilt für moderne Marschflugkörper vom Typ JASSM-ER. Gleichzeitig kämpft die amerikanische Rüstungsindustrie weiterhin mit Produktionsengpässen bei 155-Millimeter-Artilleriemunition und kann die angestrebten Fertigungszahlen bislang nicht erreichen.

Militärexperten gehen davon aus, dass die Wiederauffüllung vieler Bestände mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird, selbst wenn die Beschaffung erheblich ausgeweitet wird. Fachleute des Center for Strategic and International Studies (CSIS) und anderer sicherheitspolitischer Institute verweisen darauf, dass insbesondere komplexe Präzisionswaffen nur langsam produziert werden können.

Auffällig ist dabei der Widerspruch in der öffentlichen Kommunikation. Während das Pentagon und das Weiße Haus wiederholt betonten, die amerikanischen Bestände seien ausreichend und die Einsatzbereitschaft nicht gefährdet, fordert dieselbe Regierung nun Milliardenbeträge zur schnellen Wiederauffüllung der Magazine und warnt intern vor kritischen Engpässen.

Die Folgen reichen nach Einschätzung von Sicherheitsexperten weit über den Nahen Osten hinaus. Niedrige Munitionsbestände könnten die Fähigkeit der USA einschränken, gleichzeitig auf mehrere internationale Krisen zu reagieren. Besonders im Indopazifik sehen Militärstrategen Risiken für die Abschreckung gegenüber China.

Hegseths Vorstoß ist damit nicht nur eine politische Initiative, sondern eine Reaktion auf messbare Defizite bei den US-Streitkräften. Eine Zustimmung des Kongresses zu den zusätzlichen Milliarden würde der amerikanischen Rüstungsindustrie einen der größten Investitionsschübe seit Jahren bescheren. Die zentrale Frage bleibt, ob die Unternehmen in der Lage sind, die Produktion in dem erforderlichen Tempo hochzufahren.

Hegseth warnt vor Chinas KI-Vorsprung

In einem vertraulichen Briefing haben Verteidigungsminister Pete Hegseth und seine Unterstaatssekretäre den republikanischen Senatoren unmissverständlich dargelegt, dass die Vereinigten Staaten im Bereich der künstlichen Intelligenz gegenüber China an Boden verlieren.

Der zuständige Unterstaatssekretär für Forschung und Technik, Emil Michael, legte ausführlich dar, wie die Volksrepublik massiv in militärische KI-Anwendungen investiert – von autonomen Waffensystemen über Entscheidungsunterstützung bis hin zu Zielerkennung und Cyberfähigkeiten.

Die amerikanische Seite sieht darin eine direkte Bedrohung jener technologischen Überlegenheit, die bislang als zentraler Vorteil der US-Streitkräfte galt. Hegseth argumentierte deshalb, dass ohne deutlich höhere Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Beschaffung von KI-Systemen die USA in wenigen Jahren in kritischen Bereichen nicht mehr mithalten könnten.

Während die Munitionsengpässe durch den Iran-Konflikt akut und sichtbar seien, erscheine der drohende KI-Vorsprung Chinas strategisch und langfristig weitaus gefährlicher. Genau diese Kombination aus leeren Magazinen und technologischer Herausforderung sei der Grund, warum das Pentagon nun ein generationelles Investment fordere und keine gewöhnliche Haushaltssteigerung.

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