Oberst Jacques Baud, war als Analyst im Strategischen Nachrichtendienst der Schweizer Armee (1983 – 1990) und ab 2009 für die UNO in New York tätig. Er wurde 2025 wegen nicht genehmer Meinungsäußerungen von der EU mit Sanktionen, sprich mit Einreise- und Vermögensbeschränkungen, belegt. [1]
Von REDAKTION | Weil Oberst Baud als Autor für die Wahrheit steht, wurde er von Dialogue Works zur gegenwärtigen und brisanten Lage in Nahost befragt.
Das Interview mit Jacques Baud durch Nima Alkhorshid auf Dialogue Works zum Brennpunkt Nahost– Teil 1
[…]
Nima: Herr Oberst, Donald Trump hat beschlossen, den Angriff auf den Iran, der eigentlich ein massiver Angriff auf die Infrastruktur, die Stromnetze und alles im Iran hätten werden sollen, abzusagen. Im Grunde genommen ging es darum, großen Druck auf die iranische Bevölkerung und anschließend auf deren Regierung auszuüben. Der Iran erklärte, auf gleiche Weise reagieren zu wollen und jeden Angriff mit Angriffen gegen USA/Israel & die GCC-Staaten [Golf-Kooperationsrat als Zusammenschluss von sechs Staaten] beantworten zu lassen, nachdem die USA angekündigt hatten, gemeinsam mit Israel angreifen zu wollen.
Ohne die Beteiligung der GCC-Länder an diesen Angriffen, um den saudischen und den irakischen Luftraum für sich nutzen zu können, wäre es USA/Israel nicht möglich gewesen, einen so massiven Angriff wie am 28. Februar auszuführen.
Donald Trump sagte, der Iran wie auch diverse Länder des Nahen Ostens – darunter Saudi-Arabien – hätten die USA diesbezüglich kontaktiert. Deshalb hätte Trump beschlossen, den (bereits angekündigten letzten) Angriff auf den Iran absagen zu lassen. Er erklärte, dass die Straße von Hormus innerhalb von 24 Stunden wieder geöffnet würde. Doch vor wenigen Stunden wurde ein Schiff in der Straße von Hormus neu ins Visier genommen, was uns zum alten Kreislauf zurückkehren lässt: Die Vereinigten Staaten versuchten in die Straße von Hormus einzudringen, woraufhin der Iran angriff und die Vereinigten Staaten darauf reagieren dürften.
Wichtig in dieser ganzen Angelegenheit sind jedoch die Verhandlungen zwischen dem Iran und Oman: Es scheint, als kämen sie zu einem Ergebnis – zu einer Art Vereinbarung zwischen beiden Seiten in Bezug auf die Straße von Hormus.
Wie verstehen Sie diese Art von Spiel bzw. die Haltung von Donald Trump? Wie lange wird es dauern, bis er die Lage ernst nehmen wollte? Ist das Ihrer Meinung nach noch ernst zu nehmen? Sie wollen angreifen, denn es war – ich würde sagen – schon mehr als zehn Mal so, dass sie massiv angreifen und alles zerstören wollten, doch dann sagte Trump im letzten Moment: „Ich habe beschlossen, es abzublasen!“
Jacques Baud: Nun, das ist eine Politik, welche wir bereits kennen – ich meine, schon während Trumps erster Amtszeit als Präsident haben wir das erleben können. Das wurde von ihm selbst und Pete Hegseth wiederholt als sogenannte „Politik des Friedens durch Stärke“ dargestellt. Diese Politik bedeutet, Druck auszuüben, um Verhandlungen zu erzwingen. Im Wesentlichen handelt es sich dabei tatsächlich um die Wiederbelebung einer Politik, die von westlichen Ländern im späten 19. – und frühen 20. Jahrhundert verfolgt wurde und…
… als sogenannte Kanonenboot-Diplomatie in die Geschichte eingegangen ist!
Diese bedeutet im Wesentlichen, dass man von einem Land etwas fordert, doch wenn es sich nicht fügt, man seine Marine losschickt, um es von seinen Kriegsschiffen aus beschießen zu lassen. Am bekanntesten wurde die Kanonenboot-Flotte auf dem Jangtse Fluss (in China), wobei britische, französische und amerikanische Kanonenboote den Jangtse auf- & abfuhren, um die Chinesen zur Einhaltung der Vereinbarungen, welche die Europäer ihnen aufgezwungen hatten, zu nötigen. Das ist im Grunde genommen, nicht neu. Hier handelt es sich nur um die extreme Umsetzung genau einer solchen (Kanonenboot)-Politik!
Doch das Ganze erscheint mir irgendwie naiv und erinnert mich an Szenen aus Filmen, in denen man Kindern eine schreckliche Strafe androht, um sie dazu zu bringen, das zu tun, was man von ihnen will. Genau das Gleiche passiert hier: Trump macht Drohungen, die er im Grunde nicht einhalten kann. Denn wenn er androht den Iran zerstören und vernichten zu lassen, so kann er in der Tat viel Schaden anrichten – keine Frage – aber der Schaden, der im Gegenzug auf seine Seite zurückkäme, würde das Ergebnis seiner Aktionen wieder zunichtemachen. Im Grunde ergibt das ein Nullsummenspiel und keinen Sinn:
Doch so versteht eben Trump die Diplomatie!
Wie gesagt entspricht das genau dem, was Donald Trump unter der „Kunst des Deals“ vermarktete. Auf dem New Yorker Immobilienmarkt hat er ein solches Verhalten an den Tag legen und sich so verhalten können. Ich meine, es ging dabei voraussichtlich nicht darum, Menschen umzulegen oder Dinge zu zerstören, aber großen Druck auf Menschen ausüben zu lassen, um das zu erreichen, was man erreichen wollte: Falls beispielsweise sich jemand weigern würde eine Immobilie zu verkaufen, würde man ihn unter Druck setzen lassen, um schließlich sein Ziel über Druck zu erreichen. Das kommt im Geschäftsleben allgemein wohl häufiger vor.
Doch wenn es um Staaten geht, würde es heissen, auf Krieg zu setzen, wobei Druck dem Töten von Menschen gleichkäme und somit schwerwiegende Folgen nach sich zöge. Nun versteht Trump einen Teil davon. Er versuchte es zumindest, doch wahrscheinlich hat er den Iran unterschätzt. Das ist der Punkt. Er hielt den Iran für schwächer, als es die iranische Darstellung vermuten ließ. Infolgedessen blufft er bzw. hat versucht, sich über Bluffs dieses Abkommen zu erschleichen:
Doch offensichtlich blufften die Iraner nicht!
Die Iraner haben eine solche Situation schon seit Jahren erwartet und sich darauf [akribisch] eingestellt. Der Konflikt ging schon im Jahr 2024 los, worauf es zu einer Pause bis 2025 kam. Inzwischen hatten sich die Iraner materiell und physisch, aber auch mental und psychologisch darauf vorbereitet. Sie sind bereit, gewisse Entbehrungen auf sich nehmen, denn für den Iran – wie wir auf diesem Kanal schon mehrfach festgehalten hatten – geht es bei dieser Auseinandersetzung um die nackte Existenz!
Wir haben es also wieder mit einer Art wahnhaften – nicht einmal sicherheitspolitischen, sondern außenpolitischen – Strategie von Donald Trump zu tun, welche das Instrument der Diplomatie außer Acht lässt und völlig zur Seite schiebt, was sich im Zuge des Austritts der USA aus dem JCPOA im Jahr 2018 auch zeigte. Die USA glauben aus einem einfachen Grund nicht an Diplomatie:
Sie sind nicht bereit, sich an vertragliche Abmachungen zu halten und gehen davon aus, dass andere sich gleich verhalten – so das Ergebnis!
[Anmerkung der Redaktion: Der Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) ist das Wiener Abkommen über das iranische Atomprogramm, unterzeichnet vom Iran, den P5+1-Staaten und der EU im Jahr 2015, welches Trump schon im Jahr 2018 wieder einseitig aufkündigen ließ.]
Interessant an der jüngsten Entwicklung, wozu widersprüchliche Berichte vorliegen, ist, dass der Grund für den US-Verzicht auf besagte neue Serie schwerer Angriffe gegen den Iran darin läge, dass einige arabische Länder Donald Trump gebeten hätten, den Iran nicht anzugreifen. Vor ein paar Tagen haben einige GCC-Länder – sprich Bahrain, Saudi-Arabien und der Irak, wenn ich mich nicht irre, dem Iran mitteilen lassen, dass sie sich an keiner Aggression gegen den Iran beteiligen wollten.
Sie stellten damit klar, dass sie den Angriff auf den Iran nicht guthießen. Offenbar handelt es sich um dieselben Länder, welche Donald Trump baten, die Idee eines groß angelegten Angriffs auf den Iran aus einem ganz einfachen Grund aufzugeben: Der Iran konnte glaubhaft machen, dass er in der Lage wäre, kritische Infrastrukturen angreifen zu können. Wir haben auf diesem Kanal bereits mehrmals das Thema der Entsalzungsanlagen angesprochen, welche für die meisten arabischen Länder von strategischer (und existentieller) Bedeutung sind.
Nima: Der Sprecher des iranischen Außenministeriums ließ verlauten, dass sie in den letzten 24 Stunden und noch bevor Donald Trump die Absage des Angriffs bekanntgegeben hatte, diverse Anrufe aus dem Vereinigten Königreich, Bulgarien und der Ukraine erhalten hätten, aus denen hervorging, dass diese Länder sich nicht an dem Krieg gegen den Iran beteiligen wollten.
Jacques Baud: Genau – dazu kommen noch jene Länder zusätzlich, die ich vergaß zu erwähnen. Im Wesentlichen erhielt der Iran dieselben Anrufe auch von einigen Golfstaaten. Donald Trump signalisierte auch, dass es keine Einstimmigkeit für diesen Krieg gegen den Iran gäbe. Natürlich können die USA großen Druck auf jene Länder ausüben, zumal diese in gewissem Maße wirtschaftlich und finanziell von den USA abhängig sind, was Abhängigkeitsverhältnisse ermöglicht. Das bedeutet jedoch nicht, dass die arabischen Länder einen solchen Angriff auf den Iran befürworten.
Trump beginnt das zu erkennen. Das könnte Auswirkungen haben. Erinnern Sie sich an die Gespräche zwischen Donald Trump und Mohammed bin Salman.
[Anmerkung der Redaktion: Mohammed bin Salman Al Saud, geb. 1985, bekannt auch unter MbS, ist der de facto Herrscher des Königreichs Saudi-Arabien und bekleidet offiziell das Amt des Kronprinzen und Premierministers. Er ist der Thronfolger Saudi-Arabiens, Sohn von König Salman und Enkel des Staatsgründers Ibn Saud.]
Die Idee war, dass sich Saudi-Arabien den USA anschließen sollte. Als die USA jedoch als Voraussetzung für eine vollständige Annäherung auf die Unterzeichnung der Abraham-Accords Declaration (Pakt mit Israel) bestanden, da sagte Saudi-Arabien ab!
Man erkennt daran den Grund, warum die USA gegen den Iran intervenierten: Es geht im Wesentlichen um den Schutz von Israel, wegen der nuklearen Bedrohung und anderem. Das liefert die Begründung dafür, warum sich die USA militärisch in den Konflikt einmischen. Doch nun erkannten sie, dass keines ihrer Ziel erreicht werden konnte. Doch inzwischen haben die Golfstaaten – des GCC bzw. des Golf-Kooperationsrates, zum einen verstanden, dass …
… der Iran vor allem eine echte politische – und militärische Macht darstelle, die man zu berücksichtigen habe!
Zum anderen erkannten sie, dass arabische Länder von den USA dazu missbraucht wurden, um eine pro-israelische Politik zu betreiben. So fühlten sich die Araber in diesen Konflikt hineingezogen, obwohl sie von sich aus keinen Krieg mit dem Iran anstreben. Dazu war es in den letzten Jahren zu zahlreichen Treffen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien sowie anderen Ländern der Region gekommen. Die Idee der Golfstaaten war, die Beziehungen zum Iran stabilisieren und eine versöhnlichere Haltung gegenüber dem Iran einnehmen zu lassen sowie in vielerlei Hinsicht enger zusammenzuarbeiten. Vor diesem Hintergrund hat auch Saudi-Arabien versucht engere Beziehungen zu China aufzubauen. Dazu kommt, dass China in gewissem Sinne auch zum Partner des Irans geworden ist.
Das bedeutet, dass sich der Fokus dieser Länder damit verschiebt, denn die arabischen Länder am Golf wissen, dass Öl nur für eine begrenzte Zeit noch vorhanden sein wird. Irgendwann werden die Reserven aufgebraucht sein und man wird auf andere Aktivitäten umstellen müssen. Die Vereinigten Arabischen Emirate spielten in dieser Hinsicht eine Art Vorreiterrolle, indem sie begannen, sich im Bereich Internet und Kommunikation zu engagieren, um Dubai zu einer Art Nachrichtenzentrum ausbauen zu lassen.
Das stellt eine Art zukunftsorientierte Politik dar, um eine bessere Transformation sicherstellen, nachdem das Öl versiegt sein würde. Andere Länder, wie insbesondere Saudi-Arabien, haben ebenfalls versucht, in diese Richtung zu planen. Heute ist China das vielversprechendste Land, wenn es um die Bereitstellung von Technologie und Unterstützung für Technologieentwicklungen geht:
China ist tatsächlich dafür viel besser als die USA geeignet!
Aus diesem Grund haben die arabischen Länder erkannt, dass eine zu starke Ausrichtung auf die USA für die Zukunft nur abträglich wäre. Es stelle keine Lösung für die Zukunft dar. Deshalb müssen sie in diesem Konflikt einen differenzierteren Ansatz einnehmen. Sie möchten die USA nicht verärgern, weil sie wissen, dass dies ihnen in vielerlei Hinsicht extrem teuer werden könnte. Zugleich wollen sie sich nicht zu Verbündeten der USA in einem Konflikt, den sie gar nicht wollen, machen lassen.
Aus Sicht der USA betrachtet, haben sie das für Israel getan, mit dem Ergebnis, dass die (arabischen) Länder heute Israel gegenüber eine ablehnende Haltung einnehmen. Sie verstehen, dass Israel der Ausgangspunkt des Konflikts ist. Die gesamte Destabilisierung, die wir heute im Nahen Osten erleben, lässt ihren Ausgangspunkt tatsächlich auf Israel zurückzuführen. Sogar die USA ließen sich durch die Tricks von Benjamin Netanjahu in den jüngsten Konflikt hineinziehen.
Infolgedessen herrscht im Nahen Osten das starke Gefühl, dass die Allianz zwischen den USA und Israel wahrscheinlich nicht die beste Kombination für die Zukunft darstellt! Aus diesem Grund erreichte der Konflikt nicht erst heute, sondern schon zuvor einen Punkt, an dem der Iran seine Anstrengungen auf US-Ziele konzentrierte:
Auf militärische Ziele, aber auch zivile Ziele, die militärische Aktivitäten (der USA) unterstützen, wie zum Beispiel Amazon:

Quelle: Screenshot Social Media
Amazon verfügt(e) vor Ort über eine Art IT-Datendienst mit enormen Kapazitäten. CENTCOM sowie die 5. US-Flotte waren auf die Rechnerkapazitäten von Amazon angewiesen, um in der Region nachrichtendienstliche, sowie Überwachungs- und KI-Analysen durchführen zu können.
[Anmerkung der Redaktion: Das United States Central Command (USCENTCOM oder CENTCOM) ist eines der elf vereinigten Einsatzkommandos des US-Verteidigungsministeriums.]
Das bedeutet, dass der Iran begonnen hat, militärische Einrichtungen anzugreifen. Offensichtlich handelte es sich dabei um Luftwaffenstützpunkte, Kasernen, Kommandoposten und dergleichen. Zugleich griffen sie auch zivile US-Einrichtungen an, welche militärische US-Aktivitäten unterstützten. Sobald all diese Ziele ausgeschaltet sein werden, werden die [Gast-]Länder selbst zur nächsten Zielebene aufrücken. Ich meine die arabischen Länder selbst, deren Infrastrukturen im Gegensatz zu denen von der USA bisher verschont geblieben sind. Doch sobald all diese US-Infrastrukturen ausgeschaltet und zerstört sein werden, folgt als nächster Schritt, der Angriff auf die US-Gastländer selbst. Der Iran hat dies sehr deutlich gemacht, da auch diese Länder in gewisser Weise an der Aggression mitbeteiligt sind. Ich erinnere mehrfach an die Resolution 3314 (XXIX) der UN-Generalversammlung vom 14. Dezember 1974, die den Begriff der Aggression bzw. wer als Aggressor gilt, definiert und festlegt. Die arabischen Länder, die den USA gestatten, ihr Territorium und ihren Luftraum für Angriffe auf den Iran zu nutzen, …
… können demnach (völkerrechtlich) als Aggressoren eingestuft werden!
Dies würde daher eine entschlossene Reaktion mit Vergeltungsmaßnahmen seitens des Iran legitimieren. Infolgedessen könnte die kritische Infrastruktur dieser Länder durchaus zerstört werden. Wir haben bereits die Entsalzungsanlagen erwähnt, denn sobald diese Länder kein Wasser mehr haben würden, wären die Länder nicht mehr lebensfähig. Dies ist somit eine strategische Frage und wird für diese Länder zu einer existenziellen Angelegenheit werden. Man darf nicht vergessen: Da diese Länder eigentlich von den USA geschützt hätten werden sollten, haben sie ihre Streitkräfte weder ausgerüstet noch so organisiert, dass sie auf die Art von Militär, welches der Iran einsetzt, reagieren können: Es handelt sich dabei im Wesentlichen um die Raketenstreitkräfte! Sie mögen zwar über Flugabwehrraketen und Ähnliches verfügen, aber gegen die iranischen Raketen werden diese nichts nützen. Das ist die Erfahrung, die auch Israel schon machen musste!
Sollte der Iran beschließen, die kritische Infrastruktur der arabischen Länder anzugreifen, würde das dem Iran zwangsläufig einen weiteren Sieg bescheren. In Folge leitet sich daraus zum jetzigen Zeitpunkt die beste Lösung ab und ich denke, dass die arabischen Länder diesbezüglich Recht hatten:
Die beste Lösung besteht darin, eine Verhandlungslösung anzustreben und zur Diplomatie zu finden!
Damit gilt es, einen Konflikt zu beenden, der, wie mittlerweile jeder versteht, kein Ziel hat. Er begann mit einem definierten (Schein-)Ziel, das eigentlich gar kein echtes Ziel war. Denn man wusste schon vor dem US-Angriff, dass der Iran keine A-Bomben besaß und auch nicht die Absicht hatte, sich Atombomben zu beschaffen.
Heute geht es nicht mehr um Urananreicherung und dergleichen, sondern um die Straße von Hormus, die vor dem 28. Februar noch einwandfrei funktioniert hat. Der Westen – die USA und Israel – haben durch ihre unberechenbare Herangehensweise an den Konflikt eine Situation geschaffen, die außer Kontrolle geraten scheint. Der Zeitpunkt ist inzwischen erreicht, um dem Konflikt ein Ende zu setzen, wie im Wesentlichen auch die Verbündeten der USA meinen.
Falls gewisse Golfstaaten ihren Luftraum den USA verweigern würden, könnten die USA nichts machen. Dann könnten sie gerade noch vom Indischen Ozean aus mit der dort stationierten Flotte angreifen bzw. mit Tomahawk-Raketen oder Ähnlichem zuschlagen, falls überhaupt noch Tomahawks übrig wären. Wie wir wissen, es blieben zuletzt nicht allzu viele davon übrig!
Falls die Länder des Golf-Kooperationsrats die Nutzung ihres Luftraums den USA verweigern würden, könnten die USA dagegen nichts ausrichten. Es ist somit der richtige Zeitpunkt für die USA zu sagen:
„Wir haben gewonnen und sind zufrieden, um jetzt mit den Iranern zu sprechen und das MoU [Memorandum of Understanding/Absichtserklärung] umzusetzen!“
Was die Straße von Hormus angeht, bin ich zuversichtlich, dass die Gespräche zwischen den Iranern und Omanern recht gut verlaufen sind. Man versteht dort, worum es geht. Voraussichtlich werden sie, um ihr Gesicht zu wahren, eine Art Gebühr erheben – wahrscheinlich eine Umweltgebühr oder etwas in der Art, was im Grunde genommen legitim wäre, angesichts all der Probleme, die durch diese Tausenden von Tankern entstehen, welche das ganze Jahr die Straße von Hormus durchqueren. Wahrscheinlich ist dies ein guter Weg, um die ganze Angelegenheit zu beenden.
Natürlich wird das in den USA viel Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit erfordern, um die Menschen davon zu überzeugen, dass es ein Erfolg gewesen wäre. Aber im Grunde wäre das nur eine technische Frage. Wir haben das bereits zu Beginn des Konflikts erwähnt: Wir sagten, dass der wahrscheinlich beste Weg zur Lösung dieses Konflikts darin bestünde, dass die USA erklärten, sie hätten ihr Ziel erreicht und dass es damit genug wäre: Die USA würden dann alles einstellen, sodass wieder Normalität zurückkehren könnte.
Es dürfte schwer werden, dies zu erreichen. Ich meine, es wird zwar keine Rückkehr zur Normalität geben, aber zumindest könnten sie den Konflikt wieder beenden. Eine Rückkehr zur Normalität wird es wahrscheinlich nicht geben, aufgrund der Zerstörungen, welche die USA erlitten haben. Ich bin kein Planer des Pentagons, aber gehe davon aus, dass die USA den Umfang und das Ziel ihrer Präsenz im Nahen Osten neu bewerten müssten. Man kann festhalten, dass eine US-Präsenz im Ausland keine Sicherheitsgarantie produziert, sondern ganz im Gegenteil…
… nur zum destabilisierender Faktor, aufgrund der globalen US Ambitionen, wird!
Daher sehe ich keinen Sinn darin, eine solche US-Streitmacht (außerhalb der USA) aufrechtzuerhalten. Meiner Ansicht nach sollten die USA lediglich zur Verteidigung ihres Landes bereitstehen, was vollkommen legitim wäre. Sie könnten dies für ihr Land nützen, so wie es jedes Land auf der Welt auch tut. Die USA sollten es vermeiden, bestimmten Ländern ihre Präsenz weiterhin aufzuzwingen. Wir haben zu viele solcher Konflikte, …
… die tatsächlich nur durch die US-Präsenz selbst ausgelöst worden sind!
Daher stellt sich inzwischen sogar in Europa die Frage nach der US-Präsenz dort. Ich denke, damit dargelegt zu haben, wie ich die Situation einschätze.
Fortsetzung mit Teil 2 folgt
Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
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Das Interview von Jacques Baud durch Dialogue Works als Video auf Englisch: HIER
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Abschied vom Rechtsstaat: Wieder eine Verzweiflungstat der EU
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