Die jüngsten Umfragen für die nahenden Landtagswahlen zeigen für Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen-Anhalt überschaubare fünf Prozent – und damit Werte an der Schwelle zum Wiedereinzug in den Landtag. In Mecklenburg-Vorpommern sieht es nicht viel besser aus: Auch hier kommen die Grünen derzeit auf rund fünf Prozent. Nun kündigt Grünen-Co-Chef Felix Banaszak als zündende Wahlkampfidee an, dass eine bürgernahe Aktion der Partei vor den Landtagswahlen neuen Schwung verleihen soll. „Fahr mit im Taxi Banaszak“ lautet die Einladung zu einer einmaligen Fahrt, um auch darüber zu sprechen, „was wir tun können, um Deinen Alltag zu verbessern“.
„Da war doch etwas?“, dachten sich mutmaßlich die Wahlkampfstrategen der Grünen im Hauptstadtbüro unweit des Regierungsviertels.
Der gescheiterte Robert Habeck stellte am 8. November 2024 die sogenannte „Küchentisch-Kampagne“ vor. An diesem Tag veröffentlichte er – zwei Tage nach dem Bruch der Ampelkoalition – ein Video, in dem er an einem Küchentisch sitzend seine geplanten, gecasteten Gespräche mit „neugierigen Bürgern“ als kommender Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2025 ankündigte (RT DE berichtete).
Rund zwei Jahre später befinden sich die Grünen erneut im Wahlkampf und wollen diesmal über Felix Banaszak ihr vermeintliches Interesse an Bürgernähe bewerben. Auf der eigens eingerichteten Webseite heißt es dazu, begleitet von einem veröffentlichten Instagram-Video:
„Herzlich willkommen im Taxi Banaszak! Du wohnst in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern? Dann lass Dich von Felix zum Job, in den Kleingarten, den Club oder zu Deinen Eltern fahren. Dabei könnt ihr über das sprechen, was Dich umtreibt, was Du Dir für Deine Heimat wünschst und was wir tun können, um Deinen Alltag zu verbessern.“
Grüner Realitätsclash: Banaszak mutiert im Wahlkampf zum Taxifahrer, weil er schockiert feststellt, dass Bus und Bahn auf dem Land nicht existieren.
Erst die Landbevölkerung aus der Berliner Blase belehren, aber für Stimmen ist das Auto plötzlich „Freiheit“. #Gruene #Wahlkampf pic.twitter.com/QBkoRDQg1l— Der Prophet (@AldousHuxIey) August 3, 2026
Zur Untermauerung der „Glaubwürdigkeit“ seiner Absichten als Taxi-Chauffeur und seines bürgernahen Interesses an den Gedanken und Sorgen der Menschen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erinnert Banaszak in dem Video an seine Rede auf dem Grünen-Parteitag im November des Vorjahres und an persönliche biografische Erlebnisse. Wörtlich erzählte der 1989 in Duisburg Geborene den Delegierten:
„Ich bin in einer Familie groß geworden, in der es kein Auto gab. Was glaubt ihr denn, was ich gemacht habe als Erstes, als ich siebzehneinhalb war? Natürlich einen Führerschein! Und was habe ich mir gekauft? Ein kleines Auto! Ein kleiner roter Flitzer. Hallo, hier ist Taxi Banaszak.“
Wörtlich rief er den Delegierten zu seinem persönlichen Gefühl als Autofahrer zu:
„Das war Leben. Das war Freiheit!“
Dies in einer Stadt, Duisburg, in der man laut Banaszak im Jahr 2007 „mit der Bahn nachts nicht nach Hause kam“. Laut dem aktuell gültigen Nahverkehrsplan (3. NVP) der Stadt Duisburg ist dies inzwischen jedoch möglich.
Banaszak möchte den Bürgern in ländlichen Wahlkampfregionen nun einmalig die Möglichkeit geben, sich im Zeitraum vom 12. August bis zum 20. September von ihm pünktlich und sicher von A nach B chauffieren zu lassen – samt Bürgergespräch mit dem Politikprofi. Dies geht aus einem Konzeptpapier hervor, das t-online zu Wochenbeginn exklusiv präsentieren durfte.
Der t-online–Artikel resümiert die Kampagne nüchtern und fasst die eigentlichen Gründe und Realitäten wie folgt zusammen:
„Die ungewöhnliche Wahlkampfaktion ist der Versuch der Partei, im Osten nicht völlig in der Versenkung zu verschwinden. Die Grünen sind in Ostdeutschland traditionell schwach.“
Der Partei droht nach dem Wählerentscheid im September nachweislich das Ausscheiden aus zwei Landtagen. Bereits vor zwei Jahren scheiterten die Grünen in Thüringen und Brandenburg an der Fünfprozenthürde. „In Sachsen hat es damals gerade so gereicht“, so t-online. Daher „soll sich das Fiasko von 2024 nicht wiederholen“.
Im Juni war Banaszak bereits gemeinsam mit der grünen Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt, Susan Sziborra-Seidlitz, mit einem Camper in der Altmark auf Tour. Diese Wahlkampfaktion sei laut der Partei „damals gelungen“, um „mit Menschen außerhalb der grünen Blase ins Gespräch zu kommen, Vorurteile abzubauen, Nähe zu schaffen“.
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