Im Dialog mit Nima Alkorshid erläutert der legendäre Polit-Analyst und Autor Pepe Escobar die ausweglose Lage, in die sich die USA im Nahen Osten verstrickt haben, während der Iran immer erbarmungsloser zurückschlägt.
Pepe Escobar auf „Dialogue Works“ zur zweiten Kriegsfront,
die die USA und Israel im Februar 2026 aufmachten – Teil 1
Nima: Hallo zusammen. Heute ist Donnerstag, der 30. Juli 2026 und unser lieber Freund und Bruder Pepe Escobar, ist hier bei uns. Herzlich willkommen, Pepe!
Pepe Escobar: Ich freue mich bei Ihnen allen zu sein, Nima – hier aus dem Herzen von NATO-stan [soll ironisch gemeint EU-Europa mit Frankreich bedeuten]. Also, lasst uns wieder auf den „Highway to Hell“ [Autobahn zur Hölle] begeben.
Anmerkung der Redaktion: Ironische Anspielung auf die martialischen Vernichtungsandrohungen, welche der US-Präsidenten regelmäßig ausspuckt.
[…]
Nima: Lassen Sie mich, Pepe, mit Ihren beiden neuen Artikeln beginnen: In einem davon, dem ersten, wird argumentiert, dass der Iran das gesamte amerikanische Militär-Ökosystem demontiert. Wie lautet die Kernaussage, die Sie über diesen Artikel verbreiten?
Pepe Escobar: Der Kernpunkt ist das, was CENTCOM (United States Central Command ist eine von elf Kommandostellen der US-Streitkräfte weltweit) und die Leute in Washington völlig auf die Palme bringt: Die letzte Zusammenkunft von Trump mit Generälen – mit diesen Idioten um Hegseth, Rubio usw. – hat Trump völlig die Fassung verlieren und total durchdrehen lassen, weil die Generäle im Grunde nur versucht haben, ihm zu überzeugen, dass…
„… alle unsere Optionen von schlecht über noch schlechter bis hin zur totalen Katastrophe reichen. Inzwischen werden wir dezimiert – unsere Stützpunkte gibt es nicht mehr oder sie stehen kurz vor dem Aus!“
Das ist die Kernaussage meiner Kolumne. Dazu habe ich eine alte Rock-’n’-Roll-Metapher bemüht und mich von „Pinball Wizard“ der The Who inspirieren lassen, da alles[im Westen] nun auf dem Kopf steht: In dem absolut großartigen Song, geht es um einen Jungen, der ein „Pinball Wizard“ [Zaubermeister am Flipper] ist. Doch er ist taub, stumm und blind. Davon abgeleitet, habe ich einen „Pinball Wizard“ in umgekehrter Richtung konzipiert: Mit einem persischen Jungen [steht für den Iran], der die Raufbolde [stehen für den Wertewesten] taub, stumm und blind macht, indem er seinen „Pinball Wizard“ ausspielt. Die Flipperkugeln bei mir richten sich auf CENTCOM bzw. die gesamte US-Infrastruktur & Ökosystem, sowie auf die Sicherheit und Aggressivität der USA im Persischen Golf wie auch in anderen Regionen. Dazu gehören ihre Luftwaffenstützpunkt in Erbil im Irak und, wie wir gesehen haben, auch die, welche bombardiert werden, in Jordanien: Zumindest sind die beiden Stützpunkte in Jordanien tagein tagaus Bombardierungen ausgesetzt. Das übersteigt sogar das 2:1-Verhältnis, denn…
… die 2:1-Militärstrategie des Iran besagt, dass US-Angriffe mit doppelt so starken Gegenangriffen beantwortet würden!
Jetzt ist das Verhältnis sogar noch höher. Inzwischen warten die Iraner nicht einmal mehr auf amerikanische Angriffe, doch greifen selbst zur Initiative! Dies hat das militärische Drehbuch komplett verändert: Der Iran geht in die Offensive!
Es scheint, dass sich ihnen zurzeit ein Zeitfenster anbietet, um den US-Amerikanern maximale Schmach zuzufügen. Doch sie wissen, dass dieses Zeitfenster nicht unbegrenzt offenstehen werde. Früher oder später wird für Trump die Zeit abgelaufen sein. In zwei Wochen sprich Mitte August werden die…
…strategischen US-Erdölreserven mit massiven Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft aufgebraucht sein!
Dann wird es kein amerikanisches Öl mehr aus den US-Reserven geben, um die Energiepreise weiter nach unten manipulieren zu können. Bei Betrachtung des Ölmarktes gibt es mehrere miteinander verknüpfte Faktoren, darunter die Tatsache, dass Kasachstan nur noch etwa die Hälfte seiner üblichen Exportmenge liefert. Kasachstan ist ein großer Ölexporteur und amerikanische Großkonzerne sind in den Ölexport aus Kasachstan involviert. Hinzu kommt die selektive Sperrung der Meerenge von Bab al-Mandab, die nicht vollständig, aber für saudische Ölexporte gesperrt ist. Reedereien sind nunmehr gezwungen überhöhte Versicherungen abzuschließen zu lassen, nachdem Lloyd’s of London Schiffe, die vom Hafen Yanbu oder anderen saudischen Häfen über das Rote Meer auslaufen, nicht mehr versicherungstechnisch bedient.
Sie müssen also zusätzliche Versicherungsprämien auf sich nehmen, um den Suezkanal zu passieren. Dazu kommt, dass sich die Frachtdauer praktisch verdoppelt, was die Transportkosten in die Höhe schießen lässt, da man nun Afrika zu umrunden hat, um nach Asien zu gelangen. Natürlich bewegt sich auch in der Straße von Hormus praktisch nichts. Was sich noch bewegt, sind ausgewählte Tanker in Richtung China. In den vergangenen 24 Stunden kam es zu einer einzigen Ausnahme, die jedoch vorhersehbar war, doch nur einen Einzelfall darstellt: Es war ein LNG-Tanker, der von Katar nach Pakistan auslief, nachdem die Pakistaner und Katarer bei den Iranern erfolgreiche lobbyiert hatten…
Es geht praktisch nichts mehr durch die Straße von Hormus hindurch. Nichts spricht dafür, dass der Ölpreis sinken oder stabil bleiben würde. Das geschieht derzeit nur völlig künstlich, wobei offensichtlich die Amerikaner dafür verantwortlich sind. In rund 20 Tagen werden sie das nicht mehr können. Dann wird zugleich die echte Finanz- und Weltwirtschafts-Krise, die jeden treffen kann, erst richtig losgehen. Parallel dazu erleben wir die Dezimierung der amerikanischen Infrastruktur im gesamten Persischen Golf der GCC-Staaten [Golf-Kooperationsrat Staaten] – vom Irak bis nach Ägypten, wo zuletzt auch eine Rakete noch einschlug.
Was bedeutet das? Die Achse des Widerstands läuft auf Hochtouren und im Dauerbetrieb ohne Unterbrechungen. Kein Wunder also, dass dieses letzte Treffen in Washington in einem Eklat endete, denn es scheint ihnen sogar ein Plan B zu fehlen…
Wenn man Trump, sowie seinen Sekretär für „immerwährende Kriege“ [Pete Hegseth, Kriegsminister], Marco Rubio oder irgendeinen anderen Idioten fragen würde, hätte jeder seine eigene Theorie: Das heißt, dass der vermeintlich hochkarätige innere Kreis um Trump – im Grunde das Rückgrat dieser Regierung – nicht weiß, was sie tut – inzwischen ist es glasklar: Wenn man die Faktoren zusammen ins Auge fasst – die drohende Ölkrise, die Wirtschaftskrise, die Anleihemarktkrise, den Zusammenbruch des gesamten Derivate-Marktes, was auch immer – kommt man zum Schluss, dass die Vereinigten Staaten in ganz Westasien buchstäblich taub, stumm und blind gemacht worden sind. Kein Wunder also. Wir befinden uns erneut auf einer sehr abschüssigen Bahn, wenn man bedenkt, …
… dass der Präsident der Vereinigten Staaten im Grunde einem gestörten, narzisstischen Größenwahnsinnigen gleicht!
Es verhält sich erratisch bezüglich all seiner nächsten Anordnungen. Es könnte auch etwas völlig Absurdes folgen, was ihm selbst seine eigenen Generäle ggfs. verweigern könnten – auch das wäre möglich.
All seine Drohungen – die zwar in den letzten 48 Stunden zurückgefahren wurden – um den Iran in Grund und Boden bombardieren und die Pforten der Hölle öffnen zu lassen – nach seiner eigenen Bezeichnung – sind allesamt noch nicht vom Tisch. Sie stehen weiterhin als Optionen im Raum, doch bleiben weiter extrem gefährlich…
Aber um noch ein wenig über das hinauszugehen, worüber wir gerade sprechen, was einer der Schlüsselaspekte ist, der mich völlig fasziniert, es ist die Rolle des Jemen in diesem ganzen Drama. Das Gespräch mit einem meiner guten jemenitischen Freunde half mir zu verstehen, warum der Jemen gerade jetzt mit seiner Blockade, die sich ausschließlich gegen Saudi-Arabien richtet, aktiv ins Spiel einbrachte. Mein Kontakt legte dar, dass der jemenitische Geheimdienst – natürlich in Zusammenarbeit mit dem iranischen und auch irakischen Geheimdienst – erkannt hätte, dass die USA bereit wären, eine Art „Operation Gates of Hell“ zu starten. Und zwar nicht nur gegen den Iran, sondern gegen die gesamte Achse des Widerstands. Also haben die Jemeniten in Sanaa [Hauptstadt des Jemen] – natürlich gemeinsam mit ihrem Politischen Rat – ihre eigene Entscheidung gefällt. Sie haben das natürlich unter der Aufsicht von Abdul Malik al-Houthi mit ihrem eigenen Parlament abgesprochen:
„Okay – also lasst uns nunmehr mit unserer Blockade von Bab al-Mandab beginnen, doch selektiv, um US-Amerikanern und Saudis zugleich zusätzliche Kopfschmerzen zu bereiten!“
Wie man sah, hat die amerikanisch-saudische Reaktion nicht nur Bombenangriffe auf den Jemen, sondern auch auf den Irak umfasst: Bombenangriffe auf die Al-Haschd asch-Schaʿbī – die Populären Volksmobilisierungskräfte [PMU – Popular Mobilization Forces] im Irak. Das war ein großer Fehler: Vor allem, weil es den Leuten bewiesen hat, dass ihre Vorhersagen richtig lagen:
„Die Amerikaner wollten uns von vornherein angreifen! Ob große Operation, ‚Gates of Hell‘ oder kleine Operation – ganz egal. Doch sie wollten uns sowieso angreifen! Also schlagen wir jetzt zurück!“
Man kann davon ausgehen, dass die Jemeniten und PMU, die Populären Volksmobilisierungskräfte im Irak, gleichzeitig massive Gegenangriffe starten werden. Sie befinden sich bereits im Krieg. Der einzige, der noch nicht in den Krieg eingetreten ist, ist Hisbollah. Denn natürlich wägen diese noch sorgfältig ab, wann sie richtig hart eingreifen sollten. Das könnte eher früher als später geschehen:
Diese Eskalation ist ungemein gefährlich, denn der Krieg weitet sich aus, anstatt eingedämmt zu werden!
Nima: Wie beurteilen Sie die Rolle Saudi-Arabiens und die Art und Weise, wie sie zwei Fronten vor ihren Grenzen aufmachten? Wozu brauchen sie diese? Tun sie das unter dem Druck der Vereinigten Staaten oder tun sie es, weil sie zu einer Art Einigung gelangt sind, dass sie dies zu tun hätten? Denn ich sehe nichts Gutes für Saudi-Arabien. Falls sie das weiter eskalieren wollten, könnten sie unter den Angriffen des Iran oder der Vereinigten Staaten unter die Räder kommen, weil die beiden gegeneinander kämpfen und die Saudis dazwischen gerieten?
Pepe Escobar: Nun, Nima, „selbstmörderisch“ reicht nicht einmal ansatzweise aus, um das zu beschreiben. Denn das System, wie Sie wissen, ist nur äußerst undurchsichtig. Das ist die Ein-Mann-Entscheidung in einer Mega-Oligarchie. Okay, es gibt natürlich eine Familienoligarchie, aber nur einen, der entscheidet und das ist MBS
[Anmerkung der Redaktion: MBS steht für Prinz Mohammed bin Salman bin Abdulaziz Al Saud, der seit 2017 Kronprinz und seit 2022 Premierminister Saudi-Arabiens ist. MBS ist zudem Vorsitzender des Rats für Wirtschaft und Entwicklung und des Rates für politische und Sicherheitsangelegenheiten.]
Niemand kann es tatsächlich mit Sicherheit sagen, zumal das System völlig undurchsichtig ist. Insbesondere für uns als ausländische Beobachter ist es absolut unmöglich zu erfahren, was ihn dazu getrieben haben könnte, um eine so törichte Entscheidung zu treffen. Falls es starker Druck seitens der Amerikaner gewesen wäre und die Amerikaner gesagt hätten: „Wenn Sie das nicht befolgen, werden Ihre [Staats-]Gelder eingefroren!“ Das wäre durchaus möglich. Oder die Amerikaner sagten: „Wenn Sie dies oder jenes nicht ausführen, wird es zu einem Regimewechsel kommen und unser Mann des CIA, Prinz Nayef, wird neuer Herrscher sein!“ Das alles sind mögliche Szenarien, Nima. Ich sage nicht, dass es genauso geschehen wäre, zumal keiner von uns Zugang zu solchen Informationen hat. Wenn ich „keiner von uns“ sage, meine ich auch die Amerikaner. Niemand weiß, was an der Spitze des Hauses Saud vor sich geht – Punkt.
Das stellen durchaus mögliche Szenarien dar – natürlich auch aus Verzweiflung. Denn MBS könnte sich überlegt haben: „Wenn ich das tue, bekomme ich amerikanische Unterstützung“, und tatsächlich hat er es auch getan. Dieser Bombenangriff im Irak war eine amerikanisch-saudische Operation. Natürlich hat Trump darüber gelogen. Trump sagte tatsächlich in einem seiner dümmlichen Postings, das es sich um einen amerikanisch-saudischen Angriff gehandelt hätte, der mit dem derzeitigen „nützlichen Idioten“ – dem milliardenschweren neuen Premierminister des Irak – koordiniert worden wäre. Als Letzterer in die USA gereist war – sagten alle: „Das ist der Neue und der ist sehr cool!“ samt dem üblichen Bla Bla Bla. Dann kehrte er zurück, indem sie [die USA] ihm einen Bürgerkrieg und einen Angriff auf irakischem Boden bescherten, um zu versuchen, die Regierung von den Populären Volksmobilisierungseinheiten „Al-Haschd asch-Schaʿbī“ zu spalten, was die Amerikaner schon immer versucht hatten.
Als ich zuletzt vor zwei Jahren im Irak war – letztes Jahr war ich im Iran, im Libanon und im Jemen, aber im Jahr davor war ich auch im Irak. Das Außergewöhnliche daran ist, dass es mir gelungen war, innerhalb der letzten zwei Jahre die gesamte Achse des Widerstands zu besuchen. So habe ich viel von diesen lernen und viel über die internen Probleme, Widersprüche usw. in jeder dieser Nationen in Erfahrung bringen können. Im Irak habe ich zum Beispiel damals mit dem damaligen Premierminister Mohammed Shia al-Sudani gesprochen – eine sehr umgängliche Person. Wir wurden im Büro des Premierministers empfangen und zuvorkommend betreut. Man führte uns auch herum. Ich sprach mit vielen seiner Berater. Übrigens, seine Berater, Nima, waren Atlantiker. Stellen Sie sich vor: Die Berater des irakischen Premierministers – jene Typen waren Atlantiker, die alle WhatsApp nutzen. Völlig verrückt! Wie auch immer, es gab dennoch einen gewissen Handlungsspielraum, denn obwohl sie die Einheiten der Al-Haschd asch-Schaʿbī nicht gutheißen, können sie sich diese nicht zum Feind machen, da jene dem Verteidigungsministerium unterstellt und äußerst beliebt sind. Kein Wunder, schließlich heißen sie auch „Populäre Volksmobilisierungseinheiten“ [PMU] und sind im ganzen Irak beliebt. Natürlich können diese auch auf die uneingeschränkte Unterstützung durch Großajatollah Ali as-Sistani zählen. Es liegt also auf der Hand, dass keine Regierung sich gegen sie zu stellen vermag.
Doch diese (gegenwärtige irakische) Regierung mit dem neuen Milliardär als Ministerpräsidenten versuchte es von Anfang an: Eine seiner ersten Amtshandlungen war, mehrere Anführer der Al-Haschd asch-Schaʿbī ins Gefängnis werfen zu lassen. Natürlich sagten die Amerikaner:
„Ihr müsst sie loswerden. Macht was ihr wollt, aber sie müssen neutralisiert bzw. beseitigt werden, was auch immer!“
Das ist extrem gefährlich. Aber er könnte unter keinen Umständen zu einem amerikanisch-saudischen Angriff auf irakischem Boden „Ja“ gesagt haben. Er wäre in zwei Minuten gestürzt gewesen: In zwei Minuten käme es in Bagdad zu einem Regimewechsel. Das wäre für die Leute die Zeit, um die Hallen des Palastes zu durchschreiten.
Das bestätigt also einmal mehr, dass die Amerikaner versucht haben, etwas zu unternehmen – wahrscheinlich im großem Stil entlang der gesamten Achse des Widerstands. Doch die Rache der Iraker wird in der Tat gnadenlos ausfallen. Denn inzwischen haben die Iraker – genau wie die Jemeniten – einen riesigen Groll gegen Saudi-Arabien aufgestaut. Man kann demnach mit einem Feuerwerk aus dem Irak und aus dem Jemen gegen Saudi-Arabien rechnen.
Kann man sich das überhaupt vorstellen, dass dieser Idiot MBS nie darüber nachgedacht hätte oder das er davon ausgegangen wäre, damit durchkommen zu können? Er dachte wohl ein Doppelspiel weiterhin spielen zu können und dabei sich zu sagen:
„Ich bin Teil der stabilisierenden Kraft. Wir führen Gespräche mit Pakistan, mit Ägypten, mit der Türkei. Wir stehen hinter der friedlichen Umsetzung des MoU!“
[Anmerkung der Redaktion: Das MoU [Memorandum of Understanding] ist die zwischen USA und Iran am 17.6.2026 unterzeichnete Absichtserklärung zur vermeintlichen Beilegung des US/israelischen Angriffskrieges vom Februar 2026.]
Ein Witz: Darauf kann MBS nicht mehr setzen. Inzwischen ist klar, dass er sein eigenes aggressives Spiel gegen einen Großteil der Akteure des Widerstands treibt, auch wenn die Saudis versuchen gegenüber dem Iran im Hintergrund zu bleiben, weil die Pakistaner ihnen gesagt haben:
„Macht keine Dummheiten mit dem Iran, denn wir Pakistaner sind die Vermittler. Auch wenn wir ein militärisches Abkommen mit Ihnen [den Saudis] haben – ein Pakt, der übrigens erst vor wenigen Wochen erweitert worden war. Wenn ihr irgendetwas Absurdes anstellt, rechnet nicht damit, dass wir Ihnen helfen werden!“
Das wurde Larry (Johnson) [Anmerkung der Redaktion: Analyse-Kollege und Kooperationspartner von Pepe Escobar in dieser speziellen Angelegenheit in Bezug auf die US-Angriffskriege gegen den Iran] und mir von den pakistanischen Vermittlern bestätigt: „Wir haben den Saudis mitteilen lassen, dass sie sich zurückhalten sollen!“ Aber, Nima, das war vor diesem Angriff auf den Irak der Fall, was jedoch die Lage komplett verändert.
Nima: Ich sehe das genauso, dass Pakistan nicht möchte, dass diese Länder gegeneinander kämpfen…
Pepe Escobar: Natürlich!
Nima: … im Grunde versuchen sie alles, um die Region zusammenzubringen. Aber das Problem ist, dass die Vereinigten Staaten über Saudi-Arabien großen Einfluss ausüben. Ich weiß nicht, ob Sie den Bericht von Axios gelesen haben, in dem es um…
Pepe Escobar: Ich weiß…
Nima: Da steht, dass…
Pepe Escobar: Nun, wie man weiß, ist alles mit Saudi-Arabien nur Schein! Alles ist Schein und fängt schon bei den Zahlen an: In Saudi-Arabien leben ungefähr 20 Millionen Araber. Ich zitiere diese Zahlen gerne vor den Zuhörern, damit die Leute eine Vorstellung bekommen, wie unecht und wie fragil das Ganze um Saudi-Arabien angelegt ist. Wir haben also mehr oder weniger 20 Millionen Araber verschiedener Stämme – das ist sehr wichtig: Über 100 Stämme, die sich jedoch historisch gesehen bekriegen. Sie werden natürlich nur durch die eiserne Faust des Sicherheitsapparats des Hauses Saud mit MBS an der Spitze, mehr oder weniger friedlich gehalten. Also gut, sagen wir mal mehr oder weniger 20 Millionen. Gegen das Haus Saud stehen, das können wir mit Sicherheit sagen, wahrscheinlich mehr als 90% der Bevölkerung dieser verfeindeten Stämme. Hinzu kommen 10 Millionen Gastarbeiter – Wanderarbeiter: Diese haben in diesem Konflikt kein Mitspracherecht. Der ist ihnen egal, solange sie einen Job haben und bezahlt werden – das ist alles.
Schauen wir uns noch an, wie es um Saudi-Arabien herum aussieht: Da gibt es 40 Millionen Jemeniten: Diese sind extrem gerüstet und Saudi-Arabien gegenüber sehr feindselig eingestellt, auch was deren Regionen an der Grenze angeht. Ich war letztes Jahr in der Nähe der Grenze – nur etwa 120 Kilometer von der saudischen Grenze entfernt – und man sagte unserer kleinen Gruppe immer wieder aufs Neue:
„Ja, in vielen Fällen sind wir Cousins. Für uns existiert diese Grenze nicht. Wir machen ständig Geschäfte miteinander. Wir importieren Waren aus Saudi-Arabien über die Grenzen. Doch sollte es eines Tages zu einer Destabilisierung Saudi-Arabiens kommen, dann werden diese Menschen, unsere Cousins auf der anderen Seite der Grenze, ihre Regierung nicht verteidigen. Sie werden sich auf unsere Seite schlagen. Sie sind schließlich unsere Cousins!“
Okay, das ist nur ein Beispiel! 40 Millionen Iraker sind derzeit wieder einmal sehr, sehr aufgebracht gegenüber Saudi-Arabien und ebenfalls extrem gut bewaffnet. Es steht noch nicht endgültig fest, aber Al-Haschd asch-Schaʿbī und die verschiedenen Milizen, aus denen sich die Al-Haschd asch-Schaʿbī zusammensetzt, sowie weitere Gruppen sind ebenfalls bewaffnet – wenn nicht sogar besser gerüstet als Hisbollah. Dazu gibt es noch 90 Millionen Iraner, die auf Saudi-Arabien blicken und sagen:
„Wir müssen ihnen nunmehr ein paar Lektionen erteilen!“
Gibt es überhaupt eine realistische Möglichkeit, dass diese Situation in Saudi-Arabien so weitergehen könnte? Natürlich nicht! Es braucht nur einen Funken irgendwo und das Ganze könnte – sogar innerhalb weniger Tage – auseinanderkrachen:
MBS und die Leute um ihn herum spielen mit dem Feuer!
Man darf auch nicht vergessen, dass es die meisten Berater des Hauses Saud US-Amerikaner sind. Natürlich gibt es auch interne Konflikte im Hause Saud: Prinzen, denen nichts von dem gefällt, was sie vor ihnen abspielt. Sie sind begierig darauf, sich irgendeine Form an echter Macht zu sichern. Natürlich taucht da einmal mehr der Lieblingskandidat der CIA für die Herrschaft über alles auf: Prinz Nayef, der übrigens – um es diplomatisch auszudrücken – de facto unter einer Art Hausarrest steht! Es handelt sich also um ein äußerst fragiles Kartenhaus. Doch die Saudis beschließen einen Krieg an zwei Fronten loszutreten, Nima – gegen den Jemen und den Irak. Wie soll das denn bitte einen Sinn ergeben? Das ist völlig ausgeschlossen!
Nima: Das Problem ist, was Axios berichtet hat, Pepe, nämlich dass der saudische Verteidigungsminister Prinz Khalid bin Salman, der Bruder des Kronprinzen von Saudi-Arabien,…
Pepe Escobar: Richtig!
Nima: … am Mittwoch ein Treffen mit Donald Trump hatte. Dort hätte er erwähnt, dass sie trotz des ganzen Chaos, das gerade herrscht, eine Deeskalation mit dem Iran anstrebten. Aber die Frage ist: Man will eine Deeskalation mit dem Iran und gleichzeitig eine Eskalation mit…
Pepe Escobar: Das ist ein völliger Schwachsinn! Obendrein kann man nichts glauben, was Axios veröffentlicht hat. Axios stellt keinen Journalismus dar! Axios ist Instrument zur Desinformationskampagne der israelischen Streitkräfte (IDF) und des Mossad. Das ist kein Journalismus! Wir können also nichts glauben, was diese veröffentlichen lassen. Sie sind nur ein Sprachrohr der zionistischen Achse. Das ist eine ganz andere Geschichte. Axios veröffentlicht eine Pressemitteilung nach der anderen, die von der zionistischen Achse innerhalb der Vereinigten Staaten redigiert wird – das sollten die Menschen wissen!
Fortsetzung mit Teil 2 folgt
Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
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Das Interview von Pepe Escobar durch Nima Alkorshid als Video auf Englisch. HIER
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