Von Hans-Ueli Läppli

Nach dem beispiellosen Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta stellt sich nicht mehr die Frage, ob, sondern wann sich diese Migrationswelle auch in Deutschland bemerkbar macht. Innerhalb weniger Tage versuchten mehr als 60.000 Migranten, überwiegend junge Männer, von Marokko aus nach Ceuta zu gelangen. Viele schafften es. Mindestens 57 Menschen kamen dabei ums Leben.

Spanien hat inzwischen den Großteil der Migranten wieder nach Marokko zurückgeführt. Bis Freitagabend waren es nach Angaben der Behörden bereits zwischen 37.000 und über 48.000 Personen, viele davon freiwillig.

Dennoch bleibt der Migrationsdruck hoch. Viele der jungen Männer wollen weder in Ceuta noch in Spanien bleiben, sondern in andere europäische Staaten weiterreisen. Besonders Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten gelten unter Migranten als bevorzugte Anlaufpunkte. Der Begriff „Ger-Money“ ist dabei seit Jahren als Synonym für Deutschland und die dort erwarteten wirtschaftlichen Chancen verbreitet.

Das Ausmaß übertrifft alles bisher Dagewesene. Schon 2021 hatten in kurzer Zeit 8.000 bis 10.000 Menschen Ceuta erreicht. Dieses Mal lagen die Zahlen um ein Vielfaches höher. Die Behörden der kleinen Stadt mit rund 85.000 Einwohnern waren völlig überfordert.

Als unmittelbarer Auslöser gilt ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli 2026. Es verbot die bisher üblichen Sofort-Rückführungen bei Migranten, die schwimmend spanisches Gebiet erreichen. Die Nachricht verbreitete sich rasch über soziale Medien und wurde von Schleusern aktiv genutzt. Auffällig war die Organisation. Viele reisten mit Bussen, Zügen und sogar Lastwagen an. Dass die marokkanischen Behörden davon nichts bemerkt haben sollen, halten Journalisten für unwahrscheinlich.

Zwei Erklärungen stehen im Raum. Entweder geriet die Lage während der Feiern zum Thronfest außer Kontrolle, weil viele Beamte im Urlaub waren.

Oder, und das halten mehrere Analysten für wahrscheinlicher, Marokko ließ den Zustrom bewusst zu, um Druck auf Spanien auszuüben. Rabat erhebt seit Jahrzehnten Anspruch auf Ceuta und sieht die jüngste Annäherung Spaniens an Algerien kritisch. Migration dient hier erneut als politisches Instrument. Eine ernste militärische Eskalation wird dennoch nicht erwartet, die wirtschaftlichen Beziehungen sind zu eng.

Der Großteil der Migranten dürfte wieder nach Marokko zurückkehren. Nur ein kleiner Teil wird ins spanische Asylsystem gelangen. Deutsche Behörden rechnen derzeit nicht mit einem größeren unmittelbaren Zustrom.

Bundeskanzler Friedrich Merz forderte Spanien dennoch auf, die illegal Eingereisten „nicht auf den europäischen Kontinent“ zu lassen, und Innenminister Alexander Dobrindt kündigte an, die deutschen Binnengrenzkontrollen über den September hinaus zu verlängern.

In Deutschland sind die Folgen der Politik unter Angela Merkel und des Satzes „Wir schaffen das“ bis heute spürbar. Die unkontrollierte Zuwanderung seit dem Jahr 2015 hat Kommunen überfordert, Sozialsysteme belastet und die innere Sicherheit verändert.

Die Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik weist weiterhin auf eine überproportionale Beteiligung nicht deutscher Tatverdächtiger bei bestimmten Straftaten hin. Besonders auffällig ist der Bereich der Gewaltkriminalität, bei dem ihr Anteil über 42 Prozent liegt.

Hinzu kommt, dass die gemeinsame europäische Grenz- und Asylpolitik weiterhin Schwächen zeigt. Italien hat bereits vorübergehend die Schengen-Regeln gegenüber Spanien ausgesetzt.

Der Druck aus Nordafrika wird nicht verschwinden. Der Ansturm auf Ceuta war ein Warnsignal. Politische Appelle wie „Wir schaffen das“ allein werden daran wenig ändern, ähnliche Szenen könnten sich jederzeit wiederholen.

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