Von Rainer Rupp

Vor einigen Tagen ist in der Washington Post ein Artikel erschienen, der eigentlich das sicherheitspolitische Establishment in den USA und deren westlichen Vasallenstaaten aufrütteln müsste. Von den westlichen Mainstream-Medien wurde jedoch die von zwei militärpolitischen Fachleuten geschriebene Enthüllung, die dem gängigen Narrativ von der unschlagbaren Supermacht USA zuwiderläuft, penibel ignoriert. Der Titel lautete:

„Unwahrscheinlich, dass US-Angriffe Iran zum Aufgeben bewegen, sagen US-Geheimdienstberichte.“

Die Berichte warnen die Trump-Regierung, dass Iran seine Verhandlungsposition aufgrund des US-Luftkriegs und anderer Militäraktionen wahrscheinlich nicht aufweichen wird. Stattdessen sehen die US-Dienste eine lange Pattsituation zwischen Washington und Teheran. Damit wäre Präsident Trumps derzeitiger Kurs immer weiter ausgreifender Angriffe gegen Iran an der Realität auf dem Schlachtfeld gescheitert.

Derweil befindet sich Trump laut Beschreibungen aus seinem Umfeld im „Rachemodus gegen Teheran“ und ist überzeugt, dass das Einzige, „was Iran versteht, militärische Gewalt ist“. Weshalb er „nur noch wenige gute Optionen sehe, außer der Fortsetzung der Bombardierung des Landes“. Aber auch damit hat das Pentagon und sein Kriegsminister inzwischen wachsende Probleme, denn die Vorräte der für die US-Angriffe aus der Distanz benutzten Raketenwaffen werden immer knapper.

Munitionsengpässe und taktische Schwächen des Aggressorstaates USA

Das rasante Tempo, mit dem das US-Militär einige seiner fortschrittlichsten Luftabwehr-Abfangraketen und präzisionsgelenkten Angriffswaffen gegen Iran verbraucht, ist laut US-Militär und Geheimdienstbeamten, die mit internen Einschätzungen vertraut sind, „ein großer Spannungsherd innerhalb der Trump-Regierung.  Der Verbrauch von Abfangraketen und präzisionsgelenkten Waffen im Nahen Osten beunruhigt die Trump-Regierung“, berichtete der US-Nachrichtensender CBS am 23. Juli 2026. Damit erfährt zumindest ein Teil der US-Öffentlichkeit zum ersten Mal etwas über das Dilemma des US-Militärs, worüber RT-DE-Leser schon lange Bescheid wissen.

Weiter heißt es in dem CBS-Bericht:

„Die schwindenden Bestände an defensiven Abfangraketen und Langstreckenraketen sind zu einem Streitpunkt zwischen führenden Militär- und zivilen Regierungsbeamten geworden, die die Anforderungen des Krieges gegen Iran gegen die Aufrechterhaltung der Abschreckungsfähigkeit (gemeint ist das US-Drohpotenzial) gegenüber anderen Gegnern, darunter China, abwägen.“

Laut der zitierten US-Beamten könne das Tempo des Verbrauchs von Präzisionsmunition gegen Iran nicht aufrechterhalten werden. Die rüstungsindustrielle Basis der USA sei nicht darauf ausgelegt, Raketen schnell genug zu produzieren, um die vom US Central Command abgefeuerten zu ersetzen, geschweige denn Munitionsvorräte auf das Niveau vor dem Krieg wieder aufzufüllen. Dadurch würden „die Bestände bei fortlaufenden Militäroperationen zunehmend unter Druck geraten“.

CBS berichtet weiter, dass der Sender von einem US-„Partnerland“ im Golf unterrichtet worden sei, „dass eine Pause der Kämpfe nötig ist, insbesondere angesichts der Intensität der iranischen Angriffe, die Kuwait und Bahrain zusetzen. Kuwait erklärte Anfang der Woche, Iran habe seine Infrastruktur getroffen und Strom- sowie Meerwasserentsalzungsanlagen beschädigt“.

Für Pete Hegseth, der sich selbst zum „US-Kriegsminister“ erklärt hat und unentwegt von der totalen Zerstörung des iranischen Militärs und einem absoluten Sieg der USA schwadroniert, ist das alles ungerechtfertigte Panikmache. In einem Interview im vergangenen Monat mit „Face the Nation with Margaret Brennan“ bestritt er kategorisch, dass es eine Krise bei den Beständen gebe. Er räumte zwar ein, dass die Produktion einiger Munitionsarten länger dauern könne als die anderer, aber das spiele keine Rolle, denn: „Wir haben jede Menge davon, und wir produzieren mehr als je zuvor. Unsere Bestände sind groß und werden in Zukunft nur noch größer“, so Hegseth.

Dem jedoch widerspricht die Änderung der Angriffstaktik der US-Centcom-Kommandeure, die zunehmend auf andere präzisionsgelenkte Gleitwaffen zurückgreifen, wie die GPS-gelenkte Flügelbombe mit „Joint-Direct-Attack-Munitions-Kits (JDAM)“ oder auf Bomben mit kleinem Durchmesser. Um diese Bomben abzuwerfen, müssen die Bombenflugzeuge ziemlich nahe an die Ziele in Iran heranfliegen und werden dadurch zur Zielscheibe für die iranischen Flugabwehrraketen. Bis jetzt hatten die US-Flugzeuge ihre Langstrecken-Stand-off-Waffen aus einer Distanz von bis zu 400 Kilometern vom Ziel abgeschossen.

Derweil hat Iran mit seinen Raketen und Drohnen, die denen der USA nicht nur an Anzahl und Technik überlegen, sondern auch gegen Angriffe weitaus besser geschützt sind, das komplette Frühwarnsystem der USA in der gesamten Golfregion bis einschließlich Jordanien ausgeschaltet und dementsprechend die sündhaft teuren US-Raketenabwehrbatterien, zum Beispiel des Typs Patriot, weitgehend zerstört. Gleichzeitig verlagert Iran wichtige Anlagen tiefer ins Landesinnere, außerhalb der zuverlässigen Reichweite US-amerikanischer Langstreckenwaffen. Viele der aktuellen US-Angriffe treffen offenbar ins Leere oder nur sekundäre Ziele.

Iranische Resilienz und Gegenangriffe

Satellitenbilder und Berichte zeigen, dass Iran die von US-Angriffen beschädigte Infrastruktur – Raketenbasen in Bergen, Brücken, Häfen und Produktionsstätten – überraschend schnell wieder aufbaut. Westliche und israelische Beamte zeigen sich besorgt über diesen hohen Grad der Industrialisierungs- und Rekonstruktionsfähigkeiten.

Gleichzeitig trifft Iran gezielt kritische US-Anlagen in der Region: US-Langstreckenradare, Munitionslager und US-Flugzeuge auf der „King Faisal Air Base“ in Jordanien und auf weiteren US-Stützpunkten in den Golfstaaten. Die Straße von Hormus bleibt weitgehend unter iranischer Kontrolle. Selbst unter starkem US-Luftschutz wurden zwei Schiffe (Kavomaleas und Acheloos), die nahe der omanischen Küste durchfahren wollten, von iranischen Raketen beschädigt.

Iranische Waffentechnik und mögliche externe Unterstützung

Die Kheibar-Shekan-Rakete gilt als Arbeitspferd des iranischen Arsenals: günstig, mobil, präzise und mit mindestens 900 Meilen (ca. 1.448 Kilometern) Reichweite. Iran setzt sie in komplexen Angriffen mit wechselnden Flugbahnen, Manövern und Geschwindigkeiten ein. Manche Varianten verfügen über einen steuerbaren Gefechtskopf (MaRV) mit eigenem Antrieb, der noch im Terminalflug mit Mach-Geschwindigkeit Kurskorrekturen vornehmen kann. 

Mehrere – zum Teil geheim gehaltene – CIA-Stationen und Einrichtungen wurden getroffen. Beobachter sehen darin eine fundamentale Unterschätzung der iranischen Fähigkeiten.

Insgesamt zeichnet sich ein Bild ab, in dem die USA in einem Abnutzungskrieg stecken, der ihre Ressourcen erschöpft, während Iran Anpassungsfähigkeit und Durchhaltevermögen demonstriert.

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