Rafael Grossi, Geschäftsleiter der Internationalen Atomenergieorganisation, hat sich am 10. Juli in Kaliningrad zu Beratungsgesprächen mit Alexei Lichatschow, der den russischen staatlichen Atomkonzern Rosatom leitet, eingefunden.

Im Nachgang qualifizierte er die Konsultationen mit der russischen Delegation gegenüber Journalisten als angespannt, aber zielführend:

„Die Konsultationen waren, um es mit dem Wort zu sagen, das hier gefallen ist, angespannt – das gebe ich zu. Aber sie waren produktiv und intensiv.“

Die Delegationen erörterten unter anderem die Lage rund um das Kernkraftwerk Saporoschje: Es kommt immer wieder zu Angriffen der Truppen des Kiewer Regimes auf das AKW selbst – ebenso wie auf die Satellitenstadt Energodar, die seinerzeit gewissermaßen als humanitäre Infrastruktur für das Kraftwerk gebaut wurde.

Grossi zufolge einigten sich die Parteien auf eine Reihe konkreter Maßnahmen – deren Inhalt jedoch noch nicht veröffentlicht wurde. Die IAEA unternehme alles, um die Mitarbeiter des Kernkraftwerks Saporoschje und ihre Familien vor Angriffen aus der Ukraine zu schützen und Zwischenfälle mit der Zivilbevölkerung zu minimieren.

Lichatschow teilte Daten von Rosatom, denen zufolge das Kernkraftwerk Saporoschje allein seit Mitte März 2026 einer beispiellosen Serie von Angriffen ausgesetzt war:

„Wir haben die Aussagen russischer Militärs zur Dynamik der Kampfhandlungen seit der vorigen Konsultation analysiert. Ich möchte betonen, dass das Kraftwerk nach den konservativsten Schätzungen in diesen Monaten über 460 Drohnenangriffe und über 15 Artillerieangriffe erlitten hat.“

In Energodar, so Lichatschow, wurden in diesem Zeitraum sechs Menschen getötet. Weitere 43 Personen wurden verletzt.

Er beschrieb das Ausmaß der Angriffe auf Energodar als jenseits aller Rahmen des gesunden Menschenverstandes:

„Dies ist ein beispielloser Fall von Angriffen auf eine Atomstadt, der dabei ausnahmslos gegen die gesamte soziale Infrastruktur erfolgt.“

Der Rosatom-Chef qualifizierte das Schweigen, in das sich der Westen, aber auch weitgehend die IAEO zu den Vorfällen hüllt, als Ermutigung an Kiew zu einer weiteren Eskalation. Er würdigte die Rolle der IAEA bei der Lösung eines Großteils der Probleme – forderte die internationale Behörde jedoch auf, das Vorgehen der Ukraine öffentlich zu bewerten: So spiegeln die Berichte der Organisation das Ausmaß der Bedrohung nicht vollständig wider.

Grossi bezeichnete seinerseits die Sicherheitslage um das Kernkraftwerk Saporoschje als äußerst heikel und sensibel. Er betonte, dass Angriffe auf solche Anlagen inakzeptabel seien – und erklärte sich bereit, konkrete Schritte zur Lösung der zentralen Probleme vorzuschlagen. Er versicherte, dass die Behörde alle Anstrengungen unternehme, um Kernkraftwerke zu schützen.

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