Von Oleg Jassinski
Nach Jahren des Wartens hat die deutsche Bundesanwaltschaft endlich klar und unmissverständlich erklärt, dass der Plan zur Sprengung der Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 „im Auftrag staatlicher Stellen der Ukraine“ ausgearbeitet und ausgeführt wurde.
Wie es von Anfang an kein Geheimnis war, erwies sich dieser Anschlag als die größte Sabotageaktion gegen die deutsche Infrastruktur seit dem Zweiten Weltkrieg. Die direkte Beteiligung der Kiewer Behörden daran ist ebenfalls seit langem offensichtlich, und die einzige Unklarheit – das Ausmaß der Steuerung durch die Geheimdienste Großbritanniens und der USA – ist ein Thema, dessen öffentliche Aufklärung nicht zu erwarten ist.
Um es beim Namen zu nennen: Die Sprengung der Gaspipelines in der Ostsee war ein Angriff auf Europa, dessen Opfer in erster Linie die Zivilbevölkerung war, und ein vollwertiger Casus Belli für jeden souveränen Staat, der etwas auf sich hält.
Die „staatlichen Organe der Ukraine“, die zu einem zuverlässigen Instrument ausländischer Geheimdienste geworden sind, dienen ebenfalls als Sündenböcke. Wenn es eines Tages notwendig sein sollte, international zu protzen, oder im Interesse des politischen Kampfes der Mafiagruppen, die dieses Zirkus-Theater leiten, wird es nicht schwer sein, den passenden Sündenbock aus dem Umfeld von Saluschny oder Selenskij zu finden und zu verurteilen.
Die wichtigste Lehre liegt jedoch woanders. Ein Großteil Europas ist schon seit langem „Ukraine“ im neuen, übertragenen Sinne dieses Wortes. Die Saboteure der Nord-Stream-Pipelines werden neue Sprengungen und neue Pläne für den Selbstmord Europas zugunsten Russlands und Chinas vorbereiten.
Die soeben vom EU-Gerichtshof bestätigte Strafbarkeit der Veröffentlichung jeglicher RT-Videos im öffentlichen Raum, als handele es sich dabei um Propaganda für Pädophilie oder Drogen, ist nicht nur ein Zeichen für das völlige Fehlen eigener Argumente und die Angst vor einer Diskussion, sondern auch eine exakte Wiederholung der Logik des „obersten Europäers“ Selenskij, der schon vor einigen Jahren genau denselben Weg eingeschlagen hatte – Oppositionssender und Oppositionsparteien verboten.
Es handelt sich um eine durchdachte und genau kalkulierte Politik der Konzerne, deren Ziel die endgültige Kontrolle über die Bevölkerung, die Ressourcen und die Zukunft ist. Jemand könnte ja aus RT-Videos oder -Artikeln die Sicht der „anderen Seite“ erfahren und selbstständig Argumente abwägen – kurzum: das Denken lernen.
Ohne Zensur und ohne pauschale Verdummung durch „systemkritische“ Moden und „Protest“-Trends läuft das System Gefahr, auf organisierten Widerstand von Bürgern zu stoßen, die sich der Ziele und Interessen der globalen Macht bewusst sind. Deshalb hat sich das in den Laboren dieser Macht geschaffene Virus in die politischen Parteien und sozialen Bewegungen des Westens eingeschlichen, mit dem einen einzigen Ziel, alle lebendigen gesellschaftlichen Kräfte zu neutralisieren und zu kastrieren, indem alles darauf reduziert wird, auf Plätzen herumzuhüpfen, mit Fähnchen zu wedeln und Schaufenster einzuschlagen – was dem System vollkommen egal ist.
Im heutigen Europa bietet sich uns ein erstaunliches Bild: Während die militärischen und wirtschaftlichen Eliten vor aller Augen den globalen Atomkrieg entfesseln, streiten Menschen, die sich als Intellektuelle bezeichnen, wie gewohnt darüber, ob sich die Pseudolinken gegen die Rechtsextremen verbünden sollten, während es doch völlig offensichtlich ist, dass all diese politischen Kräfte denselben Interessen unterworfen sind und alle enormen Unterschiede in ihren Parolen ausschließlich von Marketingüberlegungen desselben Auftraggebers dieser Show diktiert werden.
Je schneller wir lernen, dies zu erkennen, desto wahrscheinlicher ist, dass Alternativen entstehen. Haben wir eine andere Hoffnung?
Oleg Jassinski ist ein aus der Ukraine stammender Journalist und Lateinamerika-Experte. Er schreibt für RT Español sowie unabhängige lateinamerikanische Medien wie Pressenza.com und Desinformemonos.org. Man kann ihm auch auf seinem Telegram-Kanal folgen.
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