Von Hans-Ueli Läppli
Die Schweiz ist in Aufruhr. Über Militäranlagen und Waffenplätzen tauchen immer wieder Drohnen auf. Laut der SonntagsZeitung handelt es sich bei den kürzlich vom Armeechef erwähnten Drohnen um Vorfälle über der Kaserne Jassbach im Emmental.
Dort werden Spezialisten für Cyberabwehr und Funkaufklärung ausgebildet. In unmittelbarer Nähe befindet sich zudem eine Abhöranlage.
Armeechef Benedikt Roos räumte gegenüber der Zeitung offen ein:
„Wir haben keine Ahnung, wer das ist.“
Ein Verfahren wurde nicht eingeleitet. Auch über dem Luftwaffenstützpunkt Meiringen, einem künftigen F-35-Standort, gab es in letzter Zeit verdächtige Drohnenvorfälle. Die Armee vermutet hier Spionage – auch in diesem Fall erstattete Roos jedoch keine Anzeige. Auch hier weiß man nicht, wer hinter den Drohnen steckt.
Wer die jüngsten Pannen und peinlichen Fehltritte der Schweizer Armee kennt, weiß: Die meisten Menschen halten diese Vorfälle für harmlose Hobby-Drohnen unachtsamer Piloten – oder sogar von Armeeangehörigen selbst.
Panik wird für Budgetzwecke genutzt
Trotzdem schlägt die Armee nun Alarm. Statt die Vorfälle als typische Hobby-Drohnen-Ereignisse einzuordnen, werden sie als ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit und Neutralität der Schweiz dargestellt. Die Armee scheint die entstandene Verunsicherung gezielt zu nutzen, um mehr Geld zu fordern.
Im Rahmen der Armeebotschaft 2026 beantragt sie 70 Millionen Franken allein für die Abwehr von Mini-Drohnen – zusätzlich zu weiteren Mitteln für eigene Drohnen-Einheiten.
Die Armee verknüpft die Drohnenvorfälle immer stärker mit der Neutralität der Schweiz. Viele finden das übertrieben. Während über der Kaserne Jassbach und in Meiringen Drohnen geflogen sind und der Armeechef öffentlich sagt, man habe „keine Ahnung“, wer dahinterstecke, fordert die Armee gleichzeitig kräftig mehr Geld für die Drohnenabwehr – das lässt viele aufhorchen.
Ob die Drohnenvorfälle tatsächlich eine ernsthafte Gefahr für die Schweiz darstellen oder ob die Armee die aktuelle Panik vor allem nutzt, um zusätzliche Mittel für Drohnenabwehr und neue Einheiten zu beantragen, wird zumindest zunehmend hinterfragt.
Nachdem die Schweizer Armee mit der Beschaffung der US-F-35-Kampfjets bereits sechs Milliarden Franken weitgehend in den Sand gesetzt hat, versucht sie nun, die aktuelle Panik um Drohnen über Flughäfen und Militäranlagen zu nutzen, um möglichst schnell mehr Geld für Drohnenabwehr und neue Drohneneinheiten zu fordern.
Mehr zum Thema – 700 Millionen mit Patriot versenkt: Warum die Schweiz jetzt auf die europäische Luftabwehr setzt

