Auch in Deutschland sieht es ähnlich aus. Der niedergelassene Bereich, also jene Praxen, die bisher die Erstversorgung von Patienten hauptsächlich zu bewältigen haben, ist rückläufig. Der Zuwachs von Wahlarztordinationen bleibt hingegen das beherrschende Thema. 1990 waren in Deutschland insgesamt 237.000 berufstätige Ärzte beschäftigt, im Jahr 2025 sind es sogar 437.000. Doch wo sind diese tätig? Ebenso ist da wie dort eine Ausdünnung des niedergelassenen Bereiches festzustellen, eine Flucht in Wahlarztordinationen nachweisbar. Dazu kommt die Überalterung der Ärzteschaft, deren berufliche Abgänge aus dem System durch Neuauszubildende nicht auffangbar sind. Das Gesundheitssystem kollabiert. Selbst mit dem Anstieg der Ärztezahl in den letzten 25 Jahren ist jene Situation nicht zu bewältigen, dass die Anzahl jener Menschen, die in unsere Länder geströmt sind und die teils keinen Beitrag zum solidarischen Gesundheitswesen leisten, einfach zu groß und damit logistisch und finanziell kaum zu stemmen ist. Sozialisten und Linke wie Progressive, die sich auf ihre Fahnen schreiben, das solidarische Gesundheitssystem quasi im Alleingang als größte Errungenschaft der Sozialpolitik des vorangegangenen Jahrhunderts „erfunden“ zu haben, sehen in dieser Entwicklung kein Problem, es wird einfach negiert, nicht angesprochen. Sozialdemokraten heften sich auf die Fahnen, das solidarische Gesundheitssystem quasi im Alleingang entwickelt und durchgesetzt zu haben. Jetzt stehen sie in erster Reihe der Zerstörer der eigenen Errungenschaft, da immer mehr niedergelassene Ärzte in die Wahlarztordinationen fliehen, weil sie sich den Druck einer immer „bunter“ werdenden Patientenschar nicht antun wollen. Ich habe einige Ärzte in meinem Bekanntenkreis, die allesamt in den letzten Jahren den Weg in die Wahlarztordination gegangen sind. Natürlich auch aus ökonomischen Gründen, da durch das finanzielle Ungleichgewicht in den Kassen eine existenzsichernde Tarifgestaltung für Ärzte fast unmöglich geworden ist. […]

Der Beitrag Gerald Grosz: „Ab nach Hause“ erschien zuerst auf Tichys Einblick.

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